Die Vorsitzenden der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e. V. und der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora, Katinka Poensgen und Horst Gobrecht, haben sich am Montag in einem Offenen Brief an Kulturstaatsminister Wolfram Weimer gewandt. Sie fordern ihn darin auf, von einer Rede am 12. April auf dem Ettersberg abzusehen. UZ veröffentlicht im Folgenden Auszüge aus dem Offenen Brief:
Mit Irritation haben wir erfahren, dass Sie beabsichtigen, im Rahmen der Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald – von innen durch die Häftlinge, von außen durch die US-Armee – eine Ansprache auf dem ehemaligen Appellplatz halten wollen. Dort haben die Überlebenden eine Woche nach der Befreiung den „Schwur von Buchenwald“ geleistet: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“ Dafür sind unsere Väter und Großväter, unsere politischen Vorläufer den Rest ihres Lebens nach ihrer Befreiung eingetreten.
Tatsächlich haben wir Sie und Ihre inhaltlichen Positionen in den vergangenen Jahren nicht so wahrgenommen, dass Sie sich mit dem Vermächtnis der Überlebenden von Buchenwald und anderer Lager positiv beschäftigt hätten. (…) Auch ihre aktuelle Politik, insbesondere der Ausschluss der drei nominierten Buchläden aus der Preisverleihung des Buchhandlungspreises lassen uns daran zweifeln. Wir sind überzeugt davon, unsere Angehörigen hätten auch zum Kundenkreis der drei Buchläden gehören können.
Wir fordern Sie daher dringend auf, halten Sie die Gedenkstätte Buchenwald und das Gedenken an die Frauen, Männer und Kinder, die an diesem Ort eingekerkert waren und um ihr Überleben gekämpft haben, aus ihren aktuellen Konflikten um die Ausrichtung bundesdeutscher Kulturpolitik, die Sie durch die Kontroversen um die Berlinale und die Verleihung des Buchhandelspreises ausgelöst haben, heraus. Verzichten Sie auf einen öffentlichen Auftritt am 12. April auf dem Ettersberg – ein Auftritt, der sicherlich zu öffentlichen Reaktionen führen wird, die diesem historischen Ort und der Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes nicht zuträglich ist.








