Ausbeuterische ­Saisonarbeit

Die gewerkschaftsnahe Initiative „Faire Landarbeit“ hat ihren Jahresbericht zur Saisonarbeit 2025 veröffentlicht. Daraus geht hervor: In der Saisonarbeit sind Verstöße gegen das Mindestlohngesetz und andere Arbeiterrechte weiterhin an der Tagesordnung. Auf den Feldern seien Arbeitstage von 16 Stunden und Wochenarbeitszeiten von 70 Stunden keine Seltenheit. In manchen Betrieben werde an sieben Tagen in der Woche gearbeitet. Auch bei der Unterbringung zeigen sich die fatalen Verhältnisse. Die Initiative führt einen Fall aus Hessen an, wo Landarbeiter für die Unterbringung in einem 15 Quadratmeter großen Container mehr als 2.000 Euro Miete im Monat zahlen sollten. Zugleich sei der Arbeitsdruck gestiegen. War in der Spargelernte im Jahr 2024 noch eine Quote von 11 Kilogramm pro Stunde verlangt worden, sollten die Arbeiterinnen und Arbeiter im vergangenen Jahr mindestens 14 Kilogramm Spargel pro Stunde ernten. Wer die Quote nicht einhalten konnte, musste um seinen Arbeitsplatz fürchten. Um die Lohnkosten zu drücken, setzen die Unternehmen zudem auf illegale Praktiken und rechtswidrige Abzüge vom Lohn. Neben überteuerten Unterkunftskosten werden zum Teil unzulässige Vertragsstrafen verhängt und Kosten für Arbeitsmaterial und Schutzkleidung abgezogen. Trotz dieser massiven Verstöße nimmt die Zahl der staatlichen Kontrollen ab. Wie die Initiative ermittelt hat, überprüfte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls im Jahr 2024 nur 274 Betriebe. Im Jahr 2021 waren es noch 839 gewesen.

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"Ausbeuterische ­Saisonarbeit", UZ vom 10. April 2026



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