DDR-Küche war gesund und bezahlbar für alle. „Bio“läden, welche die Gesellschaft bei der Ernährung in Reiche und Arme teilt, waren überflüssig. Unsere „Kolchosen“ ernährten uns: Dank regionaler Wirtschaftskreisläufe kam das Lamm nicht aus Neuseeland, Kartoffeln aus der LPG Worin, Gemüse aus dem Oderbruch, Fisch aus der eigenen Fangflotte, die nicht die Küstengewässer der Entwicklungsländer ausraubte. Gab es je einen Lebensmittelskandal oder Rückrufaktionen? Wir brauchten weniger Düngemittel und Haltbarkeitschemie, kein Glyphosat, weniger Verpackung mit Schadstoffen, weniger industrielle Ungesundmachung, bedeutend weniger Qual fürs Schlachtvieh. Wir pumpten nicht das Schädliche in Tiere oder Getreide, denn Konzerne verdienten sich nicht dusslig daran. Alles Träume der „Grünen“, der Veganer und anderer Esoteriker, die nicht begreifen, dass das im Kapitalismus Illusion bleiben muss. (…) Ich liebe DDR-Küche auch heute, den „ungesunden“ fetten Karpfen mit viel „ungesunder“ Butter, die Rouladen, Thüringer Klöße, Weißkrautsalat mit Äpfeln alter Bäume vom Feldweg statt vom „Bio“laden. (…) Unsere Betriebskantinen sahen nicht vornehm aus, erfüllten aber noch einen Zweck – Austausch mit Kollegen. Die Speisen waren gesund und billig. Mein erstes Kochbuch aus dem Artia-Verlag Prag von 1967 ist wegen der strengen Systematik der Rezepte nach damaligen ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen in Umfang und Qualität unübertroffen.
Fetter Karpfen
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"Fetter Karpfen", UZ vom 10. April 2026


