Russland schickt Öltanker nach Kuba

Hilfe für die „Insel der Freiheit“

Wochen nach der vom Trump-Regime gegen Kuba verhängten totalen Energieblockade bahnt sich möglicherweise eine Entlastung für die Bevölkerung der sozialistischen Inselrepublik an. Russland versucht derzeit offenbar, die faktische Seeblockade des US-Militärs zu durchbrechen. Der Tanker „Sea Horse“ soll mit rund 200.000 Barrel russischem Treibstoff auf dem Weg nach Kuba sein und dort Anfang März eintreffen. Ob die Ladung in Kuba dann gelöscht wird und zur Entspannung des Versorgungsnotstands beiträgt, hängt davon ab, ob Washington versucht, das Schiff aufzuhalten und einen offenen Konflikt mit Moskau riskiert. In den vergangenen Wochen hatten US-Militärs bereits mehrere Öltanker in der Region gekapert.

Wie das US-Nachrichtenportal „Bloomberg“ am Wochenende meldete, hat die „Sea Horse“ ihre Ladung nicht direkt in Russland, sondern per Schiff-zu-Schiff-Transfer vor Zypern übernommen. Die Ankunft des Tankers wäre ein strategischer Erfolg für Havanna und Moskau. Seit die USA im Januar die Öllieferungen des langjährigen Verbündeten Venezuela gestoppt und allen anderen potentiellen Lieferanten mit Zöllen gedroht haben, hat kaum noch ein Tropfen Öl die Insel erreicht. Einzige Ausnahme war der unter der Flagge von St. Vincent und den Grenadinen segelnde Tanker „Nicos I. V.“, der am 16. Februar im Hafen von Matanzas festmachte. Ohne weitere Lieferungen würden die knappen Vorräte – trotz aller Einsparmaßnahmen – noch maximal bis Ende März reichen.

Nachdem die Vereinten Nationen vor einer humanitären Krise als Folge der US-Politik gewarnt haben, forderte nun auch die katholische Friedensbewegung „Pax Christi“ das sofortige Ende der „völkerrechtswidrigen Totalblockade“ und der „wirtschaftlichen Erdrosselung“ Kubas. Das Leiden der Bevölkerung sei „kein Kollateralschaden, sondern ein kalkulierter Mechanismus“ und „eine unmenschliche Kollektivstrafe“, erklärte die Organisation am vergangenen Dienstag. Während Mexiko, Chile, Uruguay, Spanien und andere Länder Hilfslieferungen schicken, kommt die umfangreichste Unterstützung gegenwärtig – wie bereits seit Jahren – aus China und aus Russland.

Die Russische Föderation, selbst von schweren Sanktionen westlicher Länder betroffen, ist zum weltweiten Wortführer der Kritik an Trumps Kuba-Politik geworden. Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte in der vergangenen Woche gegenüber seinem kubanischen Amtskollegen Bruno Rodríguez in Moskau die „uneingeschränkte Unterstützung“ für Havanna. Lawrow forderte Washington auf, die „Seeblockade um die Insel der Freiheit“ zu beenden. Weitere Treffen mit hochrangigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Parlament und Regierung unterstrichen den Stellenwert der Beziehungen zu Havanna für Moskau. „Wir befinden uns in einer besonderen Periode, mit neuen Sanktionen. Wir akzeptieren so etwas nicht“, erklärte Präsident Wladimir Putin, der Rodríguez anschließend im Kreml empfing. „Wir standen immer an der Seite Kubas in seinem Kampf um Unabhängigkeit, und für das Recht, seinen eigenen Entwicklungsweg zu gehen“, betonte er. Als Hinweis auf baldige Rohöl- und Treibstofflieferungen nach Kuba, die von der Zeitung „Iswestija“ kurz vor dem Treffen angekündigt worden waren, galt die Anwesenheit von Igor Setschin, dem Chef des Mineralölunternehmens Rosneft, bei Putins Gespräch mit Rodríguez.

Nur Tage später untermauerte Moskau die Versprechen offenbar mit Taten – ein Schritt, der zu Spannungen zwischen den Atommächten führen dürfte, falls die USA militärisch gegen den Tanker „Sea Horse“ vorgehen. Russlands Präsidialsprecher Dmitri Peskow hatte zwar ausgeführt, man wolle keine Eskalation mit den USA, stehe aber weiter in engem Kontakt mit den kubanischen Partnern, um zusätzliche Hilfe zu leisten. Faktisch existiere ohnehin kaum noch Handel zwischen Moskau und Washington, fügte Peskow in Anspielung auf mögliche Reaktionen Washingtons hinzu. Die Konfrontation verläuft somit entlang klarer Linien: Auf der einen Seite versuchen die USA, ihre ökonomische Strangulierungspolitik global aufrechtzuerhalten, auf der anderen Seite nehmen Versuche zu, sie zumindest teilweise zu durchbrechen, um den Menschen in Kuba zu helfen.

Ob die „Sea Horse“ Havanna erreicht, ist nicht nur eine technische Frage der Schifffahrt. Es geht um die Durchsetzung eines völkerrechtswidrigen Sanktionsregimes – oder um dessen sichtbare Brüchigkeit. Das Völkerrecht und Menschenrechte sind Trump und seinem fanatisch antikommunistischen Außenminister Marco Rubio allerdings ebenso egal wie das Ansehen der USA in der zivilisierten Welt, wie ihre Reaktion auf die Ende Oktober erfolgte Abstimmung in der UN-Generalversammlung zeigte. Während 165 Länder die sofortige Beendigung der US-Blockade forderten, stimmten lediglich sieben dagegen, darunter die USA selbst und einige ihrer Vasallen wie Israel und die Ukraine. Nur Wochen später ordnete Trump an, Kuba den Ölhahn zuzudrehen. Für die Bevölkerung der Insel steht heute weit mehr auf dem Spiel als ein geopolitisches Signal: Es geht um Licht in den Städten, um funktionierende Krankenhäuser und Schulen und um das Recht eines Landes, seinen eigenen Weg zu gehen.

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"Hilfe für die „Insel der Freiheit“", UZ vom 27. Februar 2026



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