DKP und SDAJ Dortmund erinnern an den Blutsonntag 1932

„Nie wieder“ heißt Nein zur Wehrpflicht

Vera Moschke

Etwa 35 Menschen haben am 18. Oktober auf dem Dortmunder Nordmarkt an der traditionellen Gedenkveranstaltung zum Blutsonntag von 1932 teilgenommen. Organisiert wurde sie von DKP und SDAJ Dortmund. Unter den Gästen waren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Antifa-Gruppen, der VVN-BdA und des Dortmunder Friedensforums.

Am 16. Oktober 1932 waren rund 800 Faschisten unter Polizeischutz durch das Arbeiterviertel im Dortmunder Norden marschiert. Es kam zu einer blutigen Straßenschlacht mit der Bevölkerung. Durch Polizeikugeln starben die unbeteiligten Martha Gregarek und Ernst Reberg. 14 weitere Menschen wurden verletzt.

Vera Moschke warnte in ihrer Gedenkrede vor der schleichenden Normalisierung faschistischer Ideologie. Sie zog Parallelen zwischen dem Aufstieg der NSDAP und den heutigen Wahlerfolgen der AfD und warnte davor, dass rechtsextreme Positionen auf diesem Weg gesellschaftlich akzeptierter werden und sich in den Köpfen festsetzen. Wirtschaftliche Unsicherheit, gestiegene Lebenshaltungskosten und Existenzängste begünstigen diese Entwicklung.

Moschke thematisierte auch den Zusammenhang zwischen Kapitalinteressen, Profitstreben und der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich: Während Milliarden in die Rüstung fließen und Konzerne wie Shell hohe Gewinne erzielen, fehlt es an Geld für Kultur, soziale Einrichtungen und die öffentliche Daseinsvorsorge.

IMG 8613 web - „Nie wieder“ heißt Nein zur Wehrpflicht - Albert Wille, Antifaschismus, Blutsonntag vom Nordmarkt, DKP Dortmund, Ernst Reberg, Kurt Piehl, Martha Gregarek, SDAJ Dortmund, Vera Moschke - Blog, Aktion
Symbolische Umbenennung des Nordmarkts in Dortmund am 18. Oktober 2026 (Foto: Petra Krug)

Die Rednerin erinnerte auch an Dortmunder Widerstandskämpfer wie den Edelweißpiraten Kurt Piehl und Albert „Opa“ Wille. Ihr Beispiel mahne, dass Antifaschismus nicht bei der Erinnerung stehen bleiben dürfe, sondern Solidarität, gemeinsames Handeln, Zivilcourage und Widerstand gegen Ausgrenzung und Hass erfordere.

Kerim ging in seiner Rede für die SDAJ auf „Opa“ Wille besonders ein. Der habe sich geweigert, die Hakenkreuzfahne zu grüßen: „Putzlappen habe ich noch nie gegrüßt!“ Wille bezahlte für seinen Widerstand mit seinem Leben. Auch heute gelte es, aufzustehen und sich zu widersetzen, so wie es die SDAJ in den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht umsetze.

Mit einer symbolischen Umbenennung des Nordmarkts in „Opa-Wille-Platz“ setzte die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ein sichtbares Zeichen. Kritisiert wurde, dass die Stadt Dortmund offenbar kein Interesse daran zeige, den antifaschistischen Widerstand durch eine entsprechende Platzbenennung dauerhaft zu würdigen. Die unscheinbare Gedenkstele stehe in deutlichem Gegensatz zur historischen Bedeutung des Ortes.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Verbindung von Antifaschismus und Friedensbewegung. Statt wachsenden Rüstungsausgaben und zunehmender Militarisierung brauche es Abrüstung und Frieden.

Den feierlichen Abschluss der Gedenkveranstaltung bildeten eine Schweigeminute und die Niederlegung zweier Gestecke an der Gedenkstele. Die Botschaft weiterhin: Die Erinnerung an den antifaschistischen Widerstand ist zugleich der Auftrag, Ausgrenzung, Kriegspolitik und sozialer Spaltung gemeinsam und organisiert entgegenzutreten. Bei Kaffee und Kuchen bot sich anschließend Gelegenheit für einen solidarischen Austausch und einen gemütlichen Ausklang der gelungenen Veranstaltung. Dabei wurde zur Beteiligung und Unterstützung des nächsten Schulstreiks gegen die Wehrpflicht am 20. November aufgerufen.

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.



Spenden für DKP