Iran lässt USA und Israel nicht gewähren

Schutz durch Eskalation

Die Anreicherungsanlage in Natanz, das Atomkraftwerk Buschehr und das „South Pars“-Gasfeld – das waren Angriffsziele der US-israelischen Luftwaffe im Krieg gegen den Iran. Das iranische Militär antwortete darauf auf seine Weise – mit einer Eskalation. Eine Gasverflüssigungsanlage in Katar wurde von Raketen und Drohnen so schwer beschädigt, dass die vollständige Wiederherstellung der Anlage Jahre dauern kann. Später erfolgte ein massives Bombardement in der Nähe des israelischen nuklearen Entwicklungs- und Atomwaffenzentrums in Dimona und ein ebenfalls schwerer Angriff auf die Stadt Arad, vermutlich wegen der dort ansässigen Unternehmen der Rüstungsindustrie.

„South Pars“ befindet sich im Persischen Golf und ist Teil eines größeren Gasfelds, das von Katar und dem Iran gemeinsam genutzt wird. Katar produziert hauptsächlich für den Export. Das Gas wird verflüssigt und auf den Weltmarkt verschifft, Europa ist ein wichtiger Abnehmer. Für den Iran ist es von existentieller Bedeutung. Für Stromerzeugung, Heizung, und Kochen wird häufig Erdgas eingesetzt – und 80 Prozent davon ist Erdgas aus „South Pars“. Entsprechend unmittelbar und umfassend war die iranische Antwort mit dem Angriff auf die Anlagen in Katar.

Die Reaktionen der Golfstaaten waren wenig überraschend. Sie warnten vor den Folgen der israelischen Aggression, verurteilten aber den iranischen Gegenschlag. Der Krieg müsse enden, sofort – forderte immerhin der Ministerpräsident von Katar.

Die gegenseitigen Angriffe ließen die Energiepreise wieder steigen. US-Präsident Donald Trump wusch seine Hände in Unschuld. „Ich wusste nichts“, erklärte er. Benjamin Netanjahu sei allein verantwortlich gewesen. Zunächst wurde von israelischer Seite das Offensichtliche kolportiert: Natürlich wusste das US-Militär von diesem Angriff, schließlich muss es alle Flugbewegungen in der Region koordinieren. Später nahm Netanjahu die Schuld auf sich und versprach, von weiteren derartigen Angriffen abzusehen. Er tat Trump damit einen Gefallen. Im Gegenzug distanzierte sich Netanjahu vom Angriff auf Natanz. Das hielt das iranische Militär nicht davon ab, Dimona und Arad anzugreifen. Gegen die dabei eingesetzten Raketen war dem israelischen Militär eine Abwehr nicht möglich.

Russland und China verhalten sich gegenüber diesem Krieg lange Zeit auffallend zurückhaltend. Keine hektische Betriebsamkeit, keine nachhaltigen Aufrufe zu einem Waffenstillstand. Wladimir Putin gratulierte immerhin dem Iran und anderen Ländern zum Nouruz, dem Neujahrs- und Frühlingsfest. Zuletzt wurden die Warnungen beider Länder vor den Folgen des Krieges jedoch lauter.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verlangte ein Ende der Angriffe auf zivile Infrastruktur. Deutschlands Außenminister Johann Wadephul dagegen warnte vor einer Eskalation und verlangte Mäßigung – aber erst wenn die USA und Israel ihre Kriegsziele erreicht hätten.

Ginge es in diesem Krieg um „Atomwaffen“, hätte es schon längst eine diplomatische Lösung gegeben. Es gab bereits ein Abkommen, das von Trump in seiner ersten Amtszeit gecancelt wurde. In Wirklichkeit geht es den USA und Israel um die bedingungslose Zerstörung des Iran als Gegenmacht gegen Israels Dominanz in der Region.

Im Herbst gibt es Zwischenwahlen in den USA und viele von Trumps Anhängern, die „Amerika wieder groß machen wollen“ (MAGA), haben an einem Krieg im Nahen Osten kein Inte­resse mehr. Auch im Kongress, so wenig Einfluss er auch hat, gibt es Stimmen gegen Trumps Kriegspolitik. Und die Energiewirtschaft nimmt begeistert höhere Preise mit, fürchtet aber chaotische Marktbedingungen. Inzwischen schien Trump alles auf eine Karte zu setzen. Iran müsse die Straße von Hormus bis Montagabend dieser Woche ohne Wenn und Aber freigeben. Ansonsten werde er die Infrastruktur des Landes völlig zerstören lassen.

Doch Irans Politik, jede Eskalation durch Israel und die USA mit einer stärkeren Eskalation zu beantworten, scheint erfolgreich. Trump hat sein Ultimatum verlängert, angeblich, um neue Verhandlungen zu führen. Er sprach von einem möglichen Deal, der Israel „sehr glücklich machen würde“. Netanjahu meinte, Trumps Deal werde Israels Inte­ressen schützen. Aus Teheran dagegen hieß es, der Iran habe diesen Krieg nicht begonnen und es gebe keine Verhandlungen.

Wahrscheinlich wartet Trump einfach die Ankunft weiterer US-Truppen oder Verbündeter in und außerhalb der NATO in der Region ab – und versucht Ölpreis und Aktienmarkt zu beruhigen. Die Wirtschaft reagierte umgehend und zunächst im Sinne von Trump: Der Ölpreis fiel. Doch mit Teherans Dementi stiegen auch die Ölpreise wieder.

Der Krieg geht weiter.

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"Schutz durch Eskalation", UZ vom 27. März 2026



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