Sohn deutscher Kämpfer gegen den Faschismus und Wehrmachtsdeserteur

Unvergessen: Heinz Keßler

Raimon Brete

Heinz Keßler wurde am 26. Januar 1920 in Lauban in Schlesien geboren und entstammte einer Arbeiterfamilie. Seine Eltern zogen 1923 nach Chemnitz. Sie waren Kommunisten und wurden in der Zeit des Faschismus mehrmals in faschistischen Konzentrationslagern inhaftiert.

Drei Wochen nach Beginn des Krieges gegen die Völker der Sowjetunion lief er am 15. Juli 1941 zur Roten Armee über. In Folge seines Übertritts wurde er vom Reichskriegsgericht als Fahnenflüchtling zum Tode verurteilt und seine Mutter, Hedwig Keßler, im KZ Ravensbrück inhaftiert. Nach der Befreiung durch die Rote Armee engagierte sie sich später als Stadtverordnete in Chemnitz/Karl-Marx-Stadt für den Aufbau einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung.

Keßler gehörte zu den Mitbegründern des Nationalkomitee Freies Deutschland in Krasnogorsk und unterschrieb das Manifest vom 12. Juli 1943. Er rief deutsche Soldaten zum Überlaufen auf. Im Mai 1945 kehrte er als Angehöriger der Roten Armee nach Berlin zurück. 1945 war Keßler Mitglied des Zentralen Antifaschistischen Jugendausschusses, und 1946 eines der Gründungsmitglieder der Freien Deutschen Jugend.

Heinz Keßler war Stellvertreter des Ministers und Chef des Hauptstabs im Ministerium für Nationale Verteidigung der DDR. Danach war er Mitglied des Militärrats des Vereinten Oberkommandos des Warschauer Pakts. Später war er Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Politischen Hauptverwaltung (PHV). Am 3. Dezember 1985 übernahm Keßler vom verstorbenen Heinz Hoffmann das Amt des Verteidigungsministers. 1986 wurde er Mitglied des Politbüros des ZK der SED und war Abgeordneter der Volkskammer.

Heinz Keßler verstarb am 2. Mai 2017 in Berlin.

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