Nach Aussagen von medizinischem Personal, Menschenrechtsgruppen und Zivilisten greift Israel im Libanon gezielt Einrichtungen des Gesundheitssystems an, genau wie zuvor bei der Zerstörung Gazas.
Während seine Streitkräfte im Rahmen ihrer Offensive gegen den Libanon tief in den Süden des Landes vordringen, prahlt das israelische Militär mit den Verwüstungen, die es in Gaza angerichtet hat. So warfen im vergangenen Monat israelische Kampfflugzeuge sogar Flugblätter über Beirut ab, in denen gewarnt wurde, dass nach dem „großen Erfolg in Gaza auch im Libanon eine neue Realität“ bevorstehe.
Dabei orientiert sich die israelische Armee offensichtlich auch an den in Gaza erfolgten gezielten Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen und nimmt zunehmend libanesische Rettungskräfte und medizinische Einrichtungen ins Visier. „Ich habe das schon einmal erlebt“, so Dr. Mohammed Ziara, ein auf Verbrennungen spezialisierter Chirurg aus Gaza-Stadt, am vergangenen Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur „Associated Press“ im staatlichen Krankenhaus der libanesischen Hafenstadt Sidon.
Wie schon bei der Hamas in Gaza wirft Israel der Hisbollah vor, von zivilen Gebieten aus zu operieren und Krankenhäuser sowie Krankenwagen für militärische Zwecke zu nutzen. Die Hisbollah bestreitet dies und es gibt keine unabhängige Bestätigung für die israelischen Behauptungen.
Seit dem 2. März sind laut dem libanesischen Gesundheitsministerium bis zum vergangenen Sonntag mindestens 54 medizinische Fachkräfte bei israelischen Luftangriffen getötet worden. Israel habe 152 Angriffe auf Rettungskräfte und Krankenwagen durchgeführt und die Schließung von sechs Krankenhäusern und 49 Gesundheitszentren erzwungen, so das Ministerium.
Am 28. März wurden bei einem israelischen Luftangriff auf Krankenwagen im südöstlichen Dorf Kfar Tebnit zwei Rettungssanitäter getötet. Am selben Tag kamen bei israelischen Angriffen sieben weitere Sanitäter in vier Dörfern ums Leben, teilte die Weltgesundheitsorganisation mit. Einer starb bei einem Einsatz nach einem israelischen Luftangriff, bei dem drei Journalisten getötet worden waren. Das israelische Militär beschuldigte die beiden zur Hilfe geeilten Sanitäter und zwei der Journalisten, Hisbollah-Aktivisten zu sein.
Diese Behauptung alarmierte Beobachter – mit ähnlichen Rechtfertigungen hat die israelische Armee die Tötung von mehr als 260 Journalisten und 1.700 Mitarbeitern des Gesundheitswesens in Gaza begründet, wie aus Zahlen der Vereinten Nationen hervorgeht. Ramzi Kaiss von Human Rights Watch verwies auf die Drohung des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz, der in der letzten Woche angekündigt hatte, seine Streitkräfte würden alle Häuser im Südlibanon dem Erdboden gleichmachen, um die Grenzstädte vor Hisbollah-Raketen zu schützen, „nach dem Vorbild von Rafah und Beit Hanoun im Gazastreifen“ – zwei Städte, die Israel bei ihrem Krieg fast vollständig zerstört hatte. „Es zeugt von einer neuen Art von Dreistigkeit, die Absicht zu bekunden, rechtswidrige Angriffe zu verüben“, so Kaiss. „Es scheint, als habe die Straffreiheit das israelische Militär ermutigt.“








