Croke Park, das 82.000 Zuschauer fassende Herz der Gaelic Athletic Association (GAA), gilt als Festung des irischen Breitensports. Doch hinter den Mauern tobt ein erbitterter Konflikt. Seit Monaten steht die Führung der größten Sportorganisation Irlands wegen der millionenschweren Partnerschaft mit Allianz unter Beschuss der Basis. Allianz wird vorgeworfen, israelische Kriegsverbrechen zu finanzieren. Anfang März eskalierte der Streit – mit der Besetzung der Verbandszentrale.
Um die Wucht des Konflikts zu verstehen, muss man wissen, was die GAA für Irland bedeutet. 1884 gegründet als Akt des kulturellen Widerstands gegen die britische Kolonialherrschaft, ist ihre antikoloniale DNA bis heute lebendig. „Nicht jeder GAA-Mensch ist politischer Aktivist, aber sie sind stolz auf diese Geschichte“, sagt ein Aktivist von Gaels Against Genocide. „Wenn wir über Palästina sprechen, sehen sie es durch diese Linse – als den gleichen Kampf der Kleinen gegen einen großen Unterdrücker.” Diese Verbindung verstärkte sich im Sommer 2025, als Irland einer Gruppe palästinensischer Kinder die Einreise verweigerte. Die Solidaritätswelle in den Klubs entlädt sich nun im Kampf gegen Allianz.
Die Kampagne „Drop Allianz“ (Allianz fallen lassen) wird von einem breiten Bündnis getragen: Gaels Against Genocide mit starken Wurzeln im Norden, Dubs For Palestine um den legendären Teamarzt und Kuba-Unterstützer Dr. David Hickey sowie Irish Sport for Palestine, das bereits den Fußballverband zu einem Anti-Israel-Antrag veranlasste.
Im August 2025 startete die Kampagne mit einer Petition prominenter Spieler. Zehn Grafschaftsverbände verabschiedeten Anträge gegen die Allianz-Partnerschaft. Doch die GAA-Exekutive verweigerte eine Debatte auf dem Kongress und verwies alles an den Ethik-Ausschuss – von der Basis als Farce verspottet. Dort sitzt auch eine Frau mit engen Verbindungen zu einem proisraelischen US-Investor. Das Urteil im Dezember 2025: Alles in Ordnung, die irische Allianz habe mit der Muttergesellschaft nichts zu tun.
Am 28. Februar 2026 platzte der Basis der Kragen: Während der Rede von GAA-Präsident Jarlath Burns drangen Dutzende Aktivisten in den Kongresssaal ein und entrollten Transparente mit der Aufschrift „Allianz Out!“
Die GAA ist ein Widerspruch in sich: Hunderttausende Freiwillige in 2.200 Klubs tragen sie, während in Croke Park eine professionelle Führung ein Milliardengeschäft verwaltet. Sie hat wenig Interesse, einen Sponsor zu verlieren, der ihr jährlich eine Million Euro bringt – während er selbst rund 20 Millionen verdient, nicht nur durch Liga-Sponsoring, sondern vor allem als Hauptversicherer fast aller Stadien und Klubs.
Nächstes Ziel der Kampagne: Allianz versichert etwa 90 Prozent der Grundschulen und 50 Prozent der weiterführenden Schulen in Irland. Die Lehrergewerkschaft INTO dürfte dazu auf ihrem nächsten Kongress einen Antrag diskutieren.
Hauptziel der Proteste sind derzeit die Liga-Spiele. Aktivisten rufen zu landesweiten Demonstrationen vor und in Stadien auf, auch Spieler sollen lauter werden. Der Druck von der Klub-Ebene auf die Grafschaftsverbände zeigt bereits Wirkung.
Die GAA-Führung steht damit mit dem Rücken zur Wand: Sie will sich nicht einschüchtern lassen, doch der öffentliche Druck wächst. Die Allianz-Leagues enden Anfang April 2026 – ob der Vertrag dann noch Bestand hat, ist offen.
Sicher ist nur: Die grüne Festung bröckelt. Und diesmal kommt der Druck nicht von außen, sondern aus dem Herzen der eigenen Gemeinschaft – getragen vom alten Geist antikolonialen Widerstands gegen die neue Macht des Kapitals.









