Kämpferische Demo, antikapitalistische und internationale Reden – ein Mut machender Frauentag in Stuttgart

Auch unbezahlte Arbeit bestreiken

Knapp 6.000 Menschen, vor allem junge Frauen, haben am Internationalen Frauentag am 8. März in der Stuttgarter Innenstadt demonstriert. Im Fokus der Redebeiträge standen die wachsende Kriegsgefahr, der Sozialabbau und dessen Auswirkungen auf Frauen, die zunehmende Gewalt gegen Frauen, die Eskalation der Kriege im Nahen Osten – aber auch gewerkschaftliche Arbeitskämpfe.

Eine Vertreterin der Gewerkschaft NGG forderte auf der Auftaktkundgebung ein Arbeitsumfeld frei von Sexismus, Diskriminierung und Hass. Notwendig seien sichere Arbeitsplätze und faire Arbeitsbedingungen mit echter Lohngerechtigkeit, höherer Tarifbindung und guter Bedingungen hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Menschen, die Sorgeverantwortung tragen. „Dafür brauchen wir Frieden statt Kriegstreiberei, Verantwortung statt Profitgier!“, unterstrich die NGG-Kollegin. „Hände weg vom 8-Stunden-Tag! Wenn die Kinderbetreuung schon für eine 8-Stunden-Schicht nicht klappt, wie soll es dann bei 13 Stunden werden?“

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NGG-Kolleginnen am 8. März 2026 in Stuttgart (Foto: Christa Hourani)

Das Aktionsbündnis 8. März, das zu der Demonstration aufgerufen hatte, betonte die Wichtigkeit und Notwendigkeit von Streiks. Die seien das stärkste Mittel in Arbeitskämpfen. Es sei effektiv, wenn Frauen nicht nur ihre Lohnarbeit, sondern auch ihre unbezahlte Arbeit bestreikten. „In Island streikten 1975 90 Prozent der Frauen und brachten das Land zum Stillstand. Ein Meilenstein, der eine Reihe an feministischen Errungenschaften mit sich brachte.“ Angesichts solcher Erfolge werde der Ruf nach einem feministischen Massenstreik auch in Deutschland immer lauter. Das Aktionsbündnis 8. März vernetze sich dafür bundesweit. Die Parole „Ohne Streiks lässt sich nichts verändern!“ erschallte immer wieder, sowohl auf der Kundgebung als auch auf der Demonstration.

Mit Blick auf den Genozid in Gaza und den völkerrechtswidrigen Angriff der USA und Israels auf den Iran prangerte eine Vertreterin der iranischen Frauenorganisation „Feminists 4 Jina“ die systematische Zerstörung lebensnotwendiger Infrastruktur an: Schulen, Krankenhäuser, Wasserversorgung und wichtige Betriebe. „Feminismus bedeutet die Verteidigung des Lebens, während Krieg eine Todesmaschine ist. Feminismus bedeutet den Kampf gegen patriarchale Gewalt, und Militarismus verstärkt genau diese Gewalt. Unser feministischer Kampf ist mit dem Klassenkampf verbunden. Wenn Milliarden Euro für Militär und Waffen ausgegeben werden, werden soziale Dienstleistungen gekürzt, die Lebenshaltungskosten steigen, und Frauen geraten noch stärker in wirtschaftliche Abhängigkeit. Da viele Kriege aus Europa und den USA gesteuert werden, müssen wir hier gegen die kriegstreibende Politik kämpfen. Nein zum imperialistischen Krieg – Ja zum Kampf für das Leben in Würde!“

Der massive Sozialabbau, der derzeit auf Bundesebene, aber auch ganz konkret in Stuttgart vorangetrieben wird, gefährdet die feministischen Erfolge der letzten Jahrzehnte. Deshalb kämpft das Aktionsbündnis entschlossen dafür, dass nicht länger Profite, sondern kollektive Fürsorge im Zentrum stehen. Ein klares Zeichen für das Hauptthema des diesjährigen Frauentags setzte ein Banner „We care, capitalism doesn’t“, das aus dem obersten Stockwerk des Gewerkschaftshauses hing.

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(Foto: Christa Hourani)

Eine Kollegin aus dem Krankenhaus berichtete auf der Abschlusskundgebung über zwei Femizide in einem Wohnheim für Pflegepersonal innerhalb weniger Jahre. Sie berichtete von entwürdigenden Situationen, sexuellem Missbrauch, körperlicher Gewalt, Catcalling und Manipulationen.

Das Feministische Frauen-Gesundheitszentrum FF*GZ, das sich seit 40 Jahren um die Gesundheitsversorgung schwangerer und ungewollt schwangerer Frauen kümmert, berichtete über die Schwierigkeiten und die strukturellen Lücken im System rund um Schwangerschaft, Geburt, Fehlgeburten und Schwangerschaftsabbrüche. In Deutschland gelte es, jährlich fast eine Million Frauen rund um diese Themen zu behandeln und zu betreuen. Die Rednerin verurteilte die Schließung von Geburtshilfeabteilungen aus finanziellen Gründen. Sie betonte, dass Gesundheit ein Menschenrecht sei und der Druck auf Gemeinderäte, Landtag und Bundestag verstärkt werden müsse. „Wir sind viele. Wir sind laut. Und wir verändern dieses System – gemeinsam!“

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