Als uns noch DDR-Kultur umgab, jeder sich gute, anspruchsvolle, auch unterhaltsame und viel geistreiche Kultur leisten konnte, war Kultur immer auch politisch. Mit dem Abstand von mehr als drei Jahrzehnten lässt sich sagen, dass die DDR-Kultur ein Niveau hatte, an dem es heute oft schmerzhaft fehlt. Das Spektakel um die Kulturhauptstadt Chemnitz liegt hinter uns. Der „Nischel“ durfte stehen bleiben. Ganz wohl scheinen sich die DDR-Kulturstürmer wohl nie gefühlt haben. Zumindest aber musste der Name der Stadt getilgt werden. Karl-Marx-Stadt heißt längst wieder Chemnitz. Das „Unpolitische“ an der Berlinale ist hochpolitisch und hat einen sehr ernsten Hintergrund. In einer Zeit, die zunehmend politisch ist – Krieg, Krisen, Völkermord, Gewalt, Rüstung und Kriegstreiberei – können Kultur und Sport nicht mehr abseits stehen oder sich unpolitisch nennen, ohne dass das Publikum dem widerspricht. Wer sich das traut, kann aber schneller als gedacht auf der Abschussliste stehen. Überhaupt, wie unpolitisch kann das Kultur- und Filmgeschehen unserer Tage sein, wenn es Aktuelles darstellen und erzählen will, es auch nur halbwegs wirklichkeitsnah an das Publikum bringen will, ohne die Zuschauer und Zuhörer noch mehr zu verblöden, als es bereits geschieht?
DDR-Kulturstürmer
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"DDR-Kulturstürmer", UZ vom 13. März 2026


