Mehr als jeder vierte Beschäftigte schleppt sich krank zur Arbeit, mitunter sogar gegen ärztlichen Rat. Dem „Fehlzeiten-Report 2026“ der AOK zufolge sind das so viele Menschen wie seit 2020 nicht mehr. Der Bericht erschien am Donnerstag vergangener Woche und stützt sich auf die Auswertung der Daten von rund 15 Millionen Versicherten der AOK. Er zeigt auch, dass immer mehr Werktätige psychisch erkranken: Innerhalb eines Jahrzehnts stieg der Wert um 42 Prozent auf 403 Krankheitstage je 100 Mitglieder. Das sind im Schnitt 28,5 Tage je Betroffenem. Burnout-Diagnosen legten sogar um 77 Prozent zu.
Die Stimmung ist mies, zeigt eine Beschäftigtenbefragung im Rahmen des Berichts: 54 Prozent der Beschäftigten litten unter „Niedergeschlagenheit“, fast 75 Prozent unter Wut und Verärgerung, noch mehr unter Erschöpfung. Ein Muster, das sich auch in der Kategorie „Kognitive Irritationen“ zeigt: Fast jeder Fünfte befürchtet, den Arbeitsplatz wegen „Umstrukturierungen“ zu verlieren. 28 Prozent können nach der Arbeit nur schwer abschalten. Jeder Dritte denkt in der Freizeit über Probleme in der Arbeit nach. Und jeder Zweite macht sich „eher mehr Sorgen“ um die wirtschaftliche Entwicklung.
Zwar sind die Krankheitstage von 24,5 im Jahr 2022 leicht auf 23,3 je Versichertem zurückgegangen, ein Grund zur Entwarnung sei das allerdings nicht. Angesichts der Konjunktur dürften insbesondere psychische Erkrankungen weiter zunehmen, erklärte der Geschäftsführer des Instituts der AOK, Helmut Schröder.
Der „Fehlzeiten-Report“ zeigt, dass Erschöpfung in der Arbeit eine Klassenfrage ist. Geschäftsführer und Vorstände erkranken am zweitseltensten. Wer im Dialogmarketing arbeitet, in der Pflege oder der Sonderpädagogik, ist am häufigsten betroffen.







