Zu den Folgen des Krieges gegen Iran

Es wird eng

Der US-israelische Krieg gegen Iran hat eine ökonomische Komponente gewaltigen Ausmaßes. Auf dem Feld des hybriden Konfliktes haben der Iran und seine Bündnispartner gute Karten. Insbesondere seitdem auch Ansar Allah (Huthis) Kriegspartei an der Seite Irans geworden sind. Ansar Allah hat angekündigt, auch die Meerenge Bab al-Mandab, den Zugang zum Roten Meer, abzuriegeln. Das Zeug dazu haben sie. Die Meerenge zwischen der Südspitze des Jemen und dem Norden Dschibutis ist an der schmalsten Stelle nur etwa 26 Kilometer breit. Die Islamische Revolutionsgarde und Ansar Allah wären damit in der Lage, den gesamten Transit um die arabische Halbinsel aus der Region zu kontrollieren und gegebenenfalls zu unterbinden. Betroffen ist insbesondere der Export von Öl und Gas sowie von Düngemitteln. Ebenso geht es um Helium, unverzichtbar zur Produktion von Computerchips, Grafit und andere strategisch wichtigen Rohstoffe und Vorprodukte.

Der Bab al-Mandab wird jährlich von etwa 20.000 Schiffen mit einer Ladung von 1,6 Milliarden Tonnen, davon etwa 6,2 Millionen Barrel Rohöl, passiert. Diese 6,2 Millionen Barrel entsprechen etwa 10 Prozent des globalen Öltransits. Zusammen mit der Sperrung der Straße von Hormus wäre damit knapp ein Drittel des globalen Öltransits dauerhaft gefährdet.

Die US-israelische Kriegführung schreckt bekanntlich nicht davor zurück, die Produktionsanlagen für Öl und Gas ebenso wie Entsalzungsanlagen und andere wichtige Industrie- und Infrastrukturanlagen zu zerstören. Die Islamischen Revolutionsgarden haben mit eskalierenden Maßnahmen geantwortet. Selbst wenn der Konflikt beendet und die Sperrungen der Transitwege aufgehoben würden, dürfte es Jahre dauern, bis die alten Produktions- und Versorgungsnetze wieder reibungslos funktionieren.

Wir haben bereits einen gewissen Vorgeschmack in der „Corona-Krise“ bekommen. Diesmal ist es allerdings wirklich ernst. Fällt die Versorgung mit Kohlenwasserstoffen, Düngemitteln und ähnlichen Dingen in diesen Dimensionen tatsächlich aus, so ist eine schwere ökonomische Krise nicht zu vermeiden. Eine Krise, auf die der neoliberal zugerichtete Westen, vor allem das in Dauerrezession steckende Europa und Ostasien (Japan, Südkorea, Taiwan), in keiner Weise vorbereitet ist.

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"Es wird eng", UZ vom 10. April 2026



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