Heideruh feiert 100. Geburtstag

Gelebter Antifaschismus – gelebte Solidarität

AG 100 Jahre Heideruh

Die Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Auf dem Gelände steht ein Boot mit dem Namen „Charlotte“ auf dem Trockenen. Es bringt viele Gäste dazu, nachzufragen oder selbst nachzulesen, was es damit auf sich hat: Die „Charlotte“ steht symbolisch für den kommunistischen Widerstand in Heideruh. Sie erinnert an die letzte Tagung des ZK der KPD 1933 (siehe: uzlinks.de/heideruh-charlotte).

Diese Geschichte legt bereits nahe, dass es historische Verbindungen zwischen Heideruh und der kommunistischen Bewegung in Deutschland gibt. 1926 kauften Hamburger Kommunisten um Ernst Stender, Franz Jacob und Fiete Lass das Holzhaus, welches bis heute das Hauptgebäude von Heideruh ist, und nutzten es fortan als erholsamen und konspirativen Treffpunkt, um unter anderem den Widerstand gegen die erstarkenden Nazis zu planen. 1936 wurde Heideruh enteignet, die Gründer wurden verfolgt und zumeist ermordet.

Von 1936 bis 1945 diente Heideruh unter anderem als Gefolgschaftsheim für den Hamburger Bauunternehmer Wienecke. Unmittelbar nach Kriegsende wurde Heideruh von den britischen Befreiern an das Komitee politischer Gefangener (später Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)) übergeben und somit von gemeinsam politisch Verfolgten wie Sozialdemokraten und Kommunisten gestaltet. Nachdem Sozialdemokraten 1948 durch den Unvereinbarkeitsbeschluss eine Doppelmitgliedschaft in SPD und VVN verboten wurde, und später durch die sogenannten „Adenauer-Erlässe“ VVN, Freie Deutsche Jugend und Kommunistische Partei Deutschlands und andere als verfassungsfeindlich eingestuft und sogar teilweise. verboten wurden, wurde Heideruh ein Rückzugsort, der eher von kommunistisch Verfolgten genutzt wurde. In den 1970ern öffnete man sich wieder zunehmend gegenüber anderen Gruppen, hielt sich aber insbesondere gegenüber der Nachbarschaft und der Öffentlichkeit in Buchholz und Umgebung weiterhin bedeckt. Dies änderte sich erst, als Bea Trampenau 2010 die Geschäftsführung übernahm: Mit dem Projektnamen „Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh“ wurden alle Nachfahren aller Verfolgtengruppen und die große Bandbreite an antifaschistischen Gruppen willkommen geheißen: Ob autonome Antifa, Gewerkschaften, linke Parteien, Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten oder Omas gegen Rechts – in Heideruh sind alle willkommen. Es ist ein Ort der Begegnung, an dem sich diverse antifaschistische Kräfte begegnen und trotz aller Widersprüche ins Gespräch kommen, da dieser geschichtsträchtige Ort verbindet.

Mit der DKP hat Heideruh eine besondere Verbindung – sie war immer solidarisch. Jahrzehntelang kam die Geschäftsführung aus der Partei und in großen Notsituationen meldeten sich stets DKPlerinnen und DKPler, um Heideruh zu unterstützen und sicherten damit das Bestehen des Projekts – es besteht eine selbstverständliche Solidarität. Und umgekehrt: Die Heideruher Waffeln auf den UZ-Pressefesten waren (und wären) legendär.

Jubiläums-Termine gibt es unter heideruh.de/programm
Das Sommerfest(ival) findet vom 21. bis 26. Juli statt.

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"Gelebter Antifaschismus – gelebte Solidarität", UZ vom 13. März 2026



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