Trotz Protesten: Bosch schließt Werk bis Ende 2028

Herber Verlust für Waiblingen

Die Kolleginnen und Kollegen haben sich mit Aktionen gewehrt und einer kraftvollen Demonstration im November. Und dennoch: Bosch wird die Produktion des Geschäftsbereichs Power Solution in Waiblingen bis Ende 2028 schließen. Für die rund 560 Betroffenen wurden nun ein Interessenausgleich und ein Sozialplan unterzeichnet.

Der Personalabbau soll möglichst sozialverträglich umgesetzt werden, heißt es. 127 Beschäftigte werden demnach an den rund 20 Kilometer entfernten Standort Feuerbach versetzt und 23 weitere im Großraum Stuttgart verteilt. 70 Beschäftigte können laut Betriebsrat an den Standort Bamberg wechseln, der rund 250 Kilometer entfernt liegt. Außerdem können Mitarbeiter ab Januar 2029 in eine Transfergesellschaft wechseln, in der die Beschäftigten ein Jahr lang einen Großteil ihres bisherigen Gehalts bekommen und gezielt für den Arbeitsmarkt qualifiziert werden.

Der Tarifvertrag zum regionalen Personaleinsatz, durch den Beschäftigte zu Unternehmen in der Region wechseln können, sei „ein weiterer wichtiger Baustein“, so der Betriebsratsvorsitzende Stefano Mazzei. Das Maßnahmenpaket beinhaltet auch Altersteilzeit- und Vorruhestandangebote sowie freiwillige Abfindungsangebote. Bezüglich der Abfindung erwähnt Mazzei „überdurchschnittlich hohe Summen“, die durch Geschlossenheit, Druck und klare Haltung möglich geworden seien. Aus Sicht des Betriebsrats zeigte sich Bosch bis zum 24. November 2025 „unbeweglich“, also bis zu jenem Aktionstag, an dem 2.000 Beschäftigte aus über einem Dutzend Bosch-Standorten durch Waiblingen demonstrierten, um gegen die geplante Schließung Flagge zu zeigen.

Nach diesem „kraftvollen Signal unserer Belegschaft und aller Unterstützer war klar: Wir lassen uns nicht einfach abwickeln“, so Mazzei. Sein Fazit: „Unsere Botschaft an alle Betriebe, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Organisiert euch, erhöht euren Organisationsgrad.“ Stärke am Verhandlungstisch falle nicht vom Himmel, sondern entstehe durch Zusammenhalt.

Das ist eine richtige Botschaft. Aber Tatsache ist eben auch, dass der Kampf um das Werk mit der Vereinbarung verloren ist. Wichtig wären gemeinsame vernetzte Kämpfe und Streiks aller von Schließung und Personalabbau betroffenen Betriebe in der Region Stuttgart gewesen. Das wurde auch von mehreren Kolleginnen und Kollegen auf einer Stuttgarter Delegiertenversammlung der IG Metall von Bosch-, Mahle- und Mercedes-Beschäftigten im Dezember 2025 unter großem Beifall eingefordert. Umgesetzt wurde es nicht.

Für Waiblingen ist die Schließung ein herber Verlust. Die Arbeitsplätze sind weg und fehlen der nachkommenden Generation. Der Stadt gehen Einnahmen verloren, was Auswirkungen auf die Infrastruktur haben wird. Bosch verlagert weiter nach Asien und wird dort gute Profite machen. Mit der Schließung sowie anderen Maßnahmen will Bosch die „Kostenlücke“ bei der Kfz-Sparte Mobility schließen, die weltweit bei rund 2,5 Milliarden Euro liege, heißt es von Firmenseite.

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