Am 14. und 15. Februar 2026 hat in Göttingen die erste bundesweite Konferenz der Schulstreik-gegen-Wehrpflicht-Bewegung stattgefunden. Mehr als 250 Jugendliche, ganz überwiegend Schülerinnen und Schüler aus über 70 Städten, kamen zusammen, um ihre bisherigen Erfahrungen auszuwerten, Perspektiven zu diskutieren und die nächsten Schritte der Bewegung festzulegen. Die Konferenz markiert damit einen wichtigen Schritt beim Aufbau von bundesweitem Widerstand gegen Wehrpflicht, Aufrüstung und Kriegsvorbereitung.
Am ersten Schulstreik-Tag am 5. Dezember hatten 55.000 Jugendliche deutlich gemacht: Wir wollen keine Wehrpflicht, ihre Kriege ohne uns! Doch während Zehntausende auf den Straßen protestierten, beschloss der Bundestag mit dem sogenannten „Wehrdienstmodernisierungsgesetz“ den ersten Schritt zur Wiedereinführung der Wehrpflicht. Seit Januar werden Fragebögen zur Erfassung von Fähigkeiten und Wehrbereitschaft an Jugendliche des Jahrgangs 2008 verschickt. Ab Sommer 2027 soll die verpflichtende Musterung folgen.
Bundeskanzler Merz (CDU) spricht von einem neuen „Zeitalter der Großmachtpolitik“, in dem Deutschland in Europa „selbstbewusst“ auftreten müsse. Für die Teilnehmenden der Konferenz ist klar, was das bedeutet: verschärfter Kampf um Absatzmärkte, Ressourcen und Einflussgebiete – finanziert durch immer höhere Militärbudgets, während bei Bildung, Sozialem und Umwelt gekürzt wird. Eine solche Politik nehme Jugendlichen die Zukunftsaussichten, lasse sie in maroden Schulen lernen und ignoriere zugleich die voranschreitende Klimakrise.
Auch die Stilisierung der flächendeckenden Wehrerfassung als Beitrag zur „Verteidigung der Demokratie“ stößt auf entschiedenen Widerspruch. Auslandseinsätze, Militarisierung und Wehrpflicht liegen nicht im Interesse der Jugend, so die Konferenzteilnehmenden. Es gehe weder um Freiheit noch um demokratische Werte, sondern um Deutschlands Machtansprüche in der Welt. Während Milliarden in die Aufrüstung flössen und Aktienkurse von Rüstungskonzernen wie Rheinmetall, ThyssenKrupp oder KNDS stiegen, hätten junge Menschen von Kriegsvorbereitung nichts zu gewinnen.
Kritisch wurde diskutiert, dass ein formal „freiwilliger“ Wehrdienst keine echte Wahlfreiheit bedeute. Wer keine sozialen Alternativen habe, werde durch finanzielle Anreize ins Militär gedrängt. Gerade arme Jugendliche gerieten so unter Druck, ihr Leben für materielle Sicherheit zu riskieren. Selbst die Kriegsdienstverweigerung verliere unter Bedingungen einer Wehrpflicht an Wirkung, wenn Ersatzdienste dazu genutzt werden, das Gesundheitswesen auf den Kriegsfall auszurichten und Personalmangel in Care-Berufen zu kompensieren.
Vor diesem Hintergrund sendete die Konferenz ein klares Signal: Die Mobilisierung vom Dezember war erst der Anfang. Nun gilt es, den Widerstand auszuweiten. Im Mittelpunkt steht die Vorbereitung des nächsten großen Schulstreiks am 5. März. Bereits ab dem 2. März soll eine bundesweite Aktionswoche stattfinden, in der Schulstreikkomitees täglich Aktionen organisieren.
Die Bewegung setzt bewusst auf langfristigen Aufbau. An Schulen sollen neue Streikkomitees entstehen, weitere Aktionstage vorbereitet und der Start von Musterungen sowie die Wiedereinführung der Wehrpflicht verhindert werden. Einschüchterungsversuche durch Fehlstunden, Drohungen von Schulleitungen oder schlechte Noten sollen die Jugendlichen nicht aufhalten. Was sind schulische Sanktionen im Vergleich zu einem halben Jahr Kaserne oder der Aussicht auf eine Zukunft im Schützengraben?
Zugleich betonten die Teilnehmenden die Notwendigkeit kämpferischer Schülervertretungsstrukturen, die den Widerstand gegen die Wehrpflicht aufnehmen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau gesellschaftlicher Bündnisse. Die Bewegung will sich mit Gewerkschaftsjugenden, Gewerkschaften, der Friedensbewegung sowie Eltern, Lehrern und jungen Menschen in Ausbildung und Studium vernetzen. Kriegsvorbereitung und steigende Rüstungsausgaben träfen breite Teile der Gesellschaft, deshalb müsse auch der Kampf dagegen übergreifend geführt werden.
Aktivitäten sollen sich nicht auf Streiktage beschränken. Die Jugendlichen kündigten an, Politikern überall dort zu widersprechen, wo Krieg und Aufrüstung als Notwendig für Sicherheit dargestellt werden. Gleichzeitig wollen sie die Bundeswehr an Schulen zurückdrängen, für bundeswehrfreie Bildungseinrichtungen kämpfen und selbstorganisierte Projekttage zur Friedensbildung sowie Beratung zur Kriegsdienstverweigerung durchführen. Schulen seien kein politisch „neutraler“ Raum. In den Streikkomitees zeige sich, dass Schüler ihre Interessen selbst in die Hand nehmen können und müssen, wenn sich etwas verändern soll.
Neben den politischen Debatten war die Konferenz auch organisatorisch ein Erfolg, werteten die Organisatoren aus. Die große Beteiligung überwiegend sehr junge Menschen sowie intensive Workshops etwa zu Repression, Friedenspädagogik, bundeswehrfreien Schulen und Bildungsunterfinanzierung zeigten, dass eine neue Generation beginne, sich politisch einzumischen und den Kampf für eine Zukunft ohne Krieg aufzunehmen.
Für inhaltliche Orientierung sorgte unter anderem das Einleitungsreferat der Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“ von Andrea Hornung, auf das sich in den Diskussionen vielfach positiv bezogen wurde.
Eine deutliche Mehrheit sprach sich für die gemeinsame Abschlussresolution aus. Damit steht die Bewegung auf einer gemeinsamen politischen Grundlage.
Fest steht: Die Bewegung wächst, und mit ihr der Widerstand gegen Wehrpflicht und Militarisierung. Über die weiteren Perspektiven wollen sich die Aktiven auf der nächsten bundesweiten Schulstreik-Konferenz am 18. April in Essen verständigen.
Die Forderungen, auf die sich in der Resolution geeinigt wurde:
1. Keine Wehrpflicht – keine Zwangsdienste!
2. Geld für Bildung, Soziales und Umweltschutz statt für Aufrüstung und Kriegsvorbereitung!
3. Bundeswehr raus aus den Schulen! Kriegsdienstverweigerungsberatung für alle Abschlussjahrgänge!
4. Für den Aufbau von Streikkomitees an jeder Schule und ein Streikrecht für Schüler!
5. Abrüsten statt Aufrüsten! Verhandeln statt Schießen!
Mit diesen Forderungen sind die Weichen für den nächsten Streiktag gestellt. Am 5. März wollen wieder tausende Jugendliche für ihre Interessen auf die Straße gehen. Denn: Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!









