Frauen leiden besonders unter dem israelischen Völkermordregime in Gaza

Lebensbedrohliche Mutterschaft

„Mama, ich habe Hunger“ – das ist einer der häufigsten und zugleich schmerzhaftesten Sätze, die Frauen in Gaza von ihren Kindern zu hören bekommen. Jeder Tag beginnt mit derselben verzweifelten Frage nach Nahrung – und endet mit ihr. Mütter können ihre Neugeborenen nicht füttern. Sie wiegen ihre hungrigen Kinder in den Schlaf. Eltern müssen sogar ihre verhungerten Kinder begraben. Auch an Wasser mangelt es. Und ein Dach über dem Kopf fehlt ohnehin.

Frauen und Kinder gehören zu den vulnerabelsten Gruppen. Sie sind von der völkermörderischen israelischen Politik besonders betroffen. Unter den von der israelischen Armee Getöteten sind nach UN-Angaben etwa 70 Prozent Frauen und Kinder. Hinzu kommt, dass Frauen sexualisierter Gewalt und Vergewaltigungen durch israelische Soldaten ausgesetzt werden. Für ihre Kinder fehlen Nahrungsmittel und im Falle der Kleinsten Babynahrung. Frauen kommen – neben dem Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln – auch nicht an grundsätzliche Hygienemittel wie Seife, Tampons und Binden.

Nach dem nie eingehaltenen Waffenstillstand sind weiterhin mindestens 230.000 Frauen und Mädchen in Gaza in ihrem Zugang zu Nahrung und Gesundheitsversorgung extrem eingeschränkt, wie die Vereinten Nationen bekanntgegeben haben. Fast 15.000 schwangere Frauen haben aufgrund israelischer Militäroperationen nur einen begrenzten Zugang zu reproduktiven Gesundheitsdiensten. Die meisten Gesundheitseinrichtungen wurden bei israelischen Bombardierungen zerstört oder stark beschädigt. Es fehlt weiterhin an Medikamenten und medizinischem Gerät. UN-Sprecher Stephane Dujarric sagte im Januar unter Verweis auf den UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA), es bestehe „ein erhöhtes Risiko für geschlechtsspezifische Gewalt, Kinderehen und Ausbeutung von Frauen und Mädchen.“

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der israelischen Organisation „Physicians for Human Rights“ mit dem Titel „Mutterschaft unter Beschuss“ beschreibt die Erfahrungen schwangerer und stillender Frauen in Gaza. Die Interviews wurden im Februar 2025 geführt, als ein temporärer Waffenstillstand herrschte. 21 schwangere und stillende Frauen wurden damals befragt, sie alle waren während der zweiten Welle der „Evakuierungen“ aus dem Nasser-Krankenhaus vertrieben worden. Zuflucht suchten sie in den Lagern Mesk und Layan in al-Mawasi. Alle Befragten wurden von ihren Familienmitgliedern getrennt. Die Frauen berichten von der Unmöglichkeit einer medizinischen Überwachung ihrer Schwangerschaften. Weder die Entwicklung noch der Herzschlag noch die allgemeine Gesundheit der Föten konnten überprüft werden. Die Frauen litten unter ständiger Angst – vor den israelischen Bomben und davor, dass ihren ungeborenen Kindern etwas geschehen könnte. Viele von ihnen reduzierten die eigene Nahrungsaufnahme erheblich, um ihre älteren Kinder ernähren zu können. Nahrungsergänzungsmittel wie Folsäure standen den meisten nicht zur Verfügung. Dreizehn Frauen hatten erhebliche Schwierigkeiten beim Stillen, nachdem sie entbunden hatten.

Wie UNICEF festgestellt hat, sind im Jahr 2025 mit 15 pro Tag doppelt so viele Kinder wie vor dem Krieg mit einem Gewicht von weniger als 2,5 Kilogramm geboren worden. Ursachen für ein niedriges Geburtsgewicht sind eine schlechte mütterliche Ernährung, erhöhter mütterlicher Stress und begrenzte pränatale Betreuung. Viele Kinder in Gaza wiegen bei der Geburt noch weit weniger – einige sogar unter einem Kilogramm.

Auch die palästinensische Menschenrechtsorganisation Al-Haq kommt zu dem Schluss, der israelische Genozid habe systematisch die notwendigen Bedingungen für eine sichere Schwangerschaft, Geburt und Genesung nach der Entbindung abgebaut. Die israelischen Angriffe auf Krankenhäuser und Kliniken, die reproduktive und mütterliche Gesundheitsversorgung anbieten, kombiniert mit anhaltenden Beschränkungen für lebenswichtige humanitäre Hilfe wie Lebensmittel, medizinische Versorgung, Unterkunft und Strom, hätten dazu geführt, dass Schwangerschaft und Geburt zu einer „lebensbedrohlichen Erfahrung“ geworden seien. Die Anzahl an Fehlgeburten sei gestiegen, es sei zu einem Anstieg der Zahl von Frühgeburten gekommen, Mütter trügen bei der Geburt vermeidbare Verletzungen davon. Frauen müssten entweder in völlig überfüllten Einrichtungen entbinden, ohne Anästhesie, Bluttransfusionen, Antibiotika oder Notfallgeburtshilfe. Oder aber sie gebären ihre Kinder gar mitten auf der Flucht, im schlimmsten Fall auf offener Straße. Al-Haq spricht von einem „methodischen und systematischen Angriff auf palästinensische Mütter und das reproduktive Leben“. Die Gewalt gegen palästinensische Mütter sei „nicht nur ein Angriff auf einzelne Frauen und Kinder, sondern auch ein Angriff auf das Überleben, die Würde und die Zukunft eines ganzen Volkes.“

Im Oktober 2025 schrieb Taqwa Ahmed Al-Wawi in „The Intercept“: „In Gaza, wo die israelische Regierung ausdrücklich versucht, die Existenz des palästinensischen Volkes auszulöschen, ist die Geburt jedes Kindes ein Akt des Widerstands. Diese Frauen, die inmitten von Bomben und Engpässen das Leben erhalten, schreiben die Bedeutung von Mut und Widerstandskraft neu. … Sie tragen die Zukunft in ihren Armen und verkörpern die Entschlossenheit eines Volkes, das sich weigert zu verschwinden.“

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"Lebensbedrohliche Mutterschaft", UZ vom 6. März 2026



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