Ukraine-Aktivistin will Verständnis für „Asow“, Wolfsangeln und Krieg fördern

Mit Faschisten gegen Russland

Susann Witt-Stahl

Die „linke Ukraine-Solidarität“ fordert unter Hochdruck mehr militärische Unterstützung für die Kiewer Truppen ein. Die Ukrainer „verteidigen auch unsere Sicherheit und Freiheit“, hieß es etwa in einem Aufruf der Linksjugend [‘solid] Dresden sowie weiterer Jugendverbände zu einer Demonstration anlässlich des vierten Jahrestags der russischen Invasion. Für die in Deutschland lebende ukrainische Aktivistin Evelyn Deller gehört zur linken Solidarität ein Geschichtsverständnis von der So­wjet­union als „Kolonialstaat“, der während der Hungerkatastrophe 1932 bis 1933 „ganz bewusst“ Juden und andere Menschen „ermordet“ habe. Darüber hinaus gelte es, „Vorurteile“ auch gegenüber dem „Asow“-Militär „abzubauen“, meint Deller, die derzeit mit Vorträgen zum „antiimperialistischen Charakter sowie Kontinuität ukrainischer antifaschistischer Selbstverteidigung“ durch die BRD zieht – auf Einladung linker Initiativen, in Trier sogar in Kooperation und in Erfurt unter Mitwirkung der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS).

Nachdem in der Tageszeitung „junge Welt“ ein kritischer Artikel über den von einer Institution des „demokratischen Sozialismus“ geförderten Tabubruch des „Faschisten-Verstehen“ erschienen war, legte Deller noch nach: Die „Asow“-Brigade sei „als Eliteeinheit sehr spezialisiert und leistet wichtige Arbeit“, erklärte sie auf Instagram. Außerdem sei sie seit der Eingliederung in die ukrainische Armee „entpolitisiert“, und „auch Homosexuelle können sich dort wohl fühlen“, so Deller weiter. Abgesehen davon, dass der Vizekommandeur der „Asow“-Brigade jüngst ein gesetzliches Verbot von „LGBT-Propaganda“ als linke Bedrohung der Familie als „Fundament der Nation“ gefordert hat: Die Politik und Traditionspflege der „Asow“-Armeeeinheit – gegründet 2014 von dem Neonazi-Führer Andrij Bilezkij, der bis heute ihr oberster Befehlshaber und vergangenes Jahr zum General befördert worden ist beweisen das absolute Gegenteil. Ihr Chefideologe predigt unbeirrt eine „Großukraine für Ukrainer“ als Führerstaat, ganz im Einklang mit „Centuria“, der derzeit militantesten Neonazi-Organisation der Ukraine, die eine eigene Kompanie in der „Asow“-Brigade unterhält. „Asow“-Militärs betrachten sich auch weiterhin als historische Nachfolger der Waffen-SS-Division „Galizien“ aus dem Zweiten Weltkrieg und verwenden Insignien der Streitkräfte Hitlerdeutschlands, wie die Schwarze Sonne, Tyr-Rune und Wolfsangel.

Gegen diese harten Fakten jedoch zeigt sich Evelyn Deller völlig immun: „Solange (auch antifaschistische) Ukrainer*innen in diesen Symbolen keine rechtsradikale Ideologie mehr sehen, sondern auch eine Verteidigung gegen Russland in einem von der Wolfsangel inspirierten Symbol erkennen können, sehe ich die Asow-Brigade nicht als Problem“, so ihr Plädoyer, die Geschichtsschreibung subjektiven Empfindungen (von ukrainischen Nationalisten) zu überlassen – postmoderner Beliebigkeit, mit der jederzeit auch das Hakenkreuz als „hinduistisches Glücksbringer“-Symbol rehabilitiert werden kann.

Mit kaum weniger Realitätsverweigerung agieren die Naturfreunde Thüringen. Ihre Bereitschaft, am 20. Februar die Pforten des nach der antifaschistischen Widerstandskämpferin Charlotte Eisenblätter benannten Naturfreundehauses in Erfurt für einen Vortrag von Evelyn Deller zu öffnen, möchten sie als Beitrag zum „demokratischen Diskurs“ verstanden wissen. Weder wollen sie eine unangemessene „einseitige Parteinahme“ durch die Veranstaltung erkennen, die den Titel „Warum wir als Linke die Ukraine unterstützen müssen“ trägt, noch eine Verletzung des „antifaschistischen Grundkonsens“ – wie sie in Reaktion auf einen offenen Protestbrief eines Mitglieds der Berliner Naturfreunde-Ortsgruppe Adelante deutlich machen. Bedenken haben die Thüringer Naturfreunde offenbar auch nicht, dass neben der RLS eine Hasbara-„Antifa“ und die Anarcho-Gruppe „Radical Aid Force“ als Veranstalter auftreten. „Radical Aid Force“ sammelt Gelder fürs ukrainische Militär und verbreitet antikommunistische Hassposts. Zur Luxemburg-Liebknecht-Demo 2026 veröffentlichte sie ein durchgestrichenes Foto mit Porträts von Lenin und den 1919 ermordeten Revolutionären, dazu die Kampfansage „Eure Zeit ist vorbei, rote Krauts“.

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"Mit Faschisten gegen Russland", UZ vom 27. Februar 2026



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