Die Rede war mit Spannung erwartet worden: Am 1. April sprach US-Präsident Donald Trump zum aktuellen Stand des Krieges gegen den Iran. Aber wer Neues erwartet hatte, sah sich getäuscht. Weder kündigte Trump eine Bodenoffensive an, noch einen siegreichen Rückzug vom Krieg. Er verlangte einen Deal, die Kapitulation des Iran, anderenfalls wolle er das Land in die Steinzeit zurückbomben. Tatsächlich ist das das eigentliche Ziel dieses Krieges: Die technologischen und wirtschaftlichen Grundlagen des Iran sollen zerstört werden. Schulen, Universitäten, Forschungsinstitute, Krankenhäuser, Industrie und Infrastruktur sind Ziele der Angreifer, eine Abfolge von Kriegsverbrechen.
Die Gegenwehr des Iran wird damit dennoch nicht beendet und der Krieg weitet sich in der Region aus. Zwar gibt sich US-Präsident Trump bereits „gelangweilt von den vielen Siegen“ des US-Militärs, doch sein Kriegsminister Peter Hegseth braucht höheren Beistand. In seiner monatlichen Bibelstunde im Pentagon – ein No-Go in einem vorgeblich säkularen Militär – trug er ein Gebet vor, einen der „Fluch Psalmen“ des Alten Testaments, die man in höchster Not betet. „Schlage den Gottlosen die Zähne aus“, heißt es darin in einem Flehen an Gott. Mit dem Ausbruch seines Zorns soll Gott das Böse vernichten. Die versammelten Offiziere und Generale hörten es mit Andacht. Mit seinen Bibelstunden inszeniert sich Hegseth als moderner Kreuzfahrer.
Trumps Zuversicht und Hegseths Bitte um göttlichen Beistand ändern nichts an der Realität des Krieges. Am Karfreitag schoss die iranische Luftabwehr mehrere Flugzeuge und Hubschrauber der USA ab, mehr als 150 Drohnen waren ihnen vorausgegangen. Täglich mehrmals greifen iranische Raketen Ziele in Israel und der Region an. Und auch wenn ihre unmittelbare Wirkung weit hinter der der Bomben und Raketen Israels und der USA zurückbleibt, so treffen sie doch oft punktgenau wirtschaftliche und militärische Ziele. Milizen im Irak greifen US-Ziele an, aus dem Jemen werden Raketen auf Israel abgefeuert und Hisbollah führt bis zu 80 Aktionen täglich durch: Angriffe auf Panzer und Soldaten der israelischen Armee im Libanon und im Norden Israels. Die Angriffe der Hisbollah und des Iran und gelegentlich auch des Jemen sind koordiniert.
Eine irgendwie geartete „politische Lösung“ ist nicht in Sicht. Pakistan sucht eine Vermittlerrolle, doch ein Treffen der Außenminister von Ägypten, Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan in Islamabad blieb ohne Folgen. „Verhandlungen“ zwischen Iran und USA laufen allenfalls als Briefwechsel über Pakistan ab. Ein Angebot für einen vorübergehenden Waffenstillstand lehnte Iran bisher ab. Nur über eine dauerhafte Lösung und die Kontrolle über die Straße von Hormus will die iranische Regierung diskutieren. Eine geplante UN-Resolution zur Freigabe der Straße von Hormus – die bis Kriegsbeginn ungehindert befahrbar war – scheint aussichtslos. Die Golfstaaten verfolgen unterschiedliche Ziele. Katar ist aus den Reihen der aktiven Unterstützer des Krieges ausgestiegen. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate wollen den Krieg weitertreiben. Oman hatte schon vor dem Krieg gute Beziehungen zu Iran, bietet seine Dienste als Vermittler an und erhielt sogar ein Angebot des Iran, „nach dem Krieg“ gemeinsam Durchfahrtzölle auf die Straße von Hormus zu erheben. Eine Diskussion von Spezialisten beider Länder darüber fand bereits statt.
Hegseth tauscht mittlerweile in einer Säuberungswelle Generale und hohe Stabsoffiziere, die nicht auf seiner politischen Linie liegen, gegen willfährige Personen aus. Prominentes Beispiel auf einer immer länger werdenden Liste war Armee-Chef General Randy George. Den Armee-Chef während des Krieges und ohne Begründung zu feuern ist bisher beispiellos. Und der Krieg geht weiter.









