Mit der Dauer des Krieges gegen den Iran wachsen in den USA die Zweifel

„Gott will es“ – und die Bevölkerung?

Der amtierende US-Kriegsminister Pete Hegseth posiert öffentlich gerne mit seinem reichlich mit religiösen und kriegerischen Tattoos verunzierten Oberkörper. Auf seinem rechten Bizeps sind die Worte „Deus vult“ zu lesen. Papst Urban II. hatte diese Worte im Jahre des Herrn 1095 benutzt, um die damaligen Sorgen des Abendlandes wegen der Verluste und Folgen des Kreuzzuges gegen die „Ungläubigen“ zu zerstreuen, denn: „Gott will es“. Das soll alle Diskussionen um die Sinnhaftigkeit von politischen Maßnahmen beenden.

Ob dies gelingt, ist nicht nur angesichts der wachsenden internationalen Ablehnung des Feldzugs von Israel und den USA gegen den Iran zweifelhaft. Auch mit Blick auf die USA selbst ist fraglich, ob das durchsichtige Kalkül aufgeht, durch einen großen Krieg die immer tiefer gehenden Risse in diesem Land, in dem 340 Millionen Menschen leben, zu kitten. Immer lauter wird die Frage gestellt, warum Donald Trump sein Wahlversprechen, die Serie der ununterbrochenen Kriege der USA rund um den ganzen Erdball zu beenden, so offensichtlich bricht.

Es ist eine alte Herrschaftsmethode, von innenpolitischen Schwierigkeiten durch dramatische außenpolitische Aggressionen abzulenken. Die deutschen Faschisten hatten diese ständige Erhöhung in der Taktung kriegerischer Aktionen bis zur perversen Perfektion gesteigert, aber auch die britische Premierministerin Margaret Thatcher lenkte mit dem Krieg um die Falkland-Inseln von den eigenen wachsenden ökonomischen Problemen ab. So agiert auch die Trump-Regierung. Erst erfolgte der Zwölf-Tage-Krieg gegen den Iran, dann die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und nun werden militärische und zivile Einrichtungen im Iran massiv bombardiert.

Trump versprach seinen Wählerinnen und Wählern vor allem eins: einen deutlichen Aufschwung. Davon ist seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 nichts zu spüren. Stattdessen sind 1,2 Millionen Arbeitsplätze verschwunden. Neue Industrien – Rechenzentren – sind bislang nicht entstanden. Für den Februar 2026 meldeten die Behörden erneut 92.000 verlorene Jobs. Die Arbeitslosenquote verharrt bei 4,4 Prozent.

Von den aufgrund des Krieges gegen den Iran steil ansteigenden Preisen für Öl und Gas profitieren zwar die US-Konzerne. Aber die steigenden Weltmarktpreise belasten die ohnehin unter Auszehrung leidende arbeitende Bevölkerung zusätzlich. Das Grummeln nimmt zu. Ein politisches Warnsignal war zuletzt die Wahl des dezidiert sozialistisch auftretenden Zohran Mamdani zum Bürgermeister von New York.

In den US-Medien kursieren unterschiedliche Zahlen zu den bisherigen Kosten des Krieges. Hinsichtlich der Todesopfer sind sie mit offiziell bisher sechs umgekommenen Soldaten vergleichsweise gering. Die Opfer aufseiten des Iran sind in der Berichterstattung genauso bedeutungslos, wie es früher die getöteten Vietnamesinnen und Vietnamesen waren.

See- und Luftstreitkräfte der USA feuern seit nun fast zwei Wochen eine Salve teurer Angriffs- und Luftabwehrraketen nach der anderen ab. Die Kosten für diesen Einsatz belaufen sich nach unterschiedlichen Berichten allein für die erste Woche auf rund 3,5 Milliarden US-Dollar. In dieser Intensität würden nach sechs Monaten 91 Milliarden Dollar verbrannt sein. Das steckt selbst eine Volkswirtschaft von der Größe der USA nicht einfach so weg. Hinzu kommt, dass die versprochenen Einnahmen aus den Zollerhöhungen der letzten Monate bei weitem nicht die von Trump vorher großspurig verkündeten Summen in die Kassen des US-Finanzministeriums gespült haben.

Angesichts dieser Lage braut sich zwischen Atlantik und Pazifik gerade eine explosive Mischung aus Unzufriedenheit und finanziellen Engpässen zusammen. Der Gewerkschaftsdachverband AFL-CIO hat bislang – ähnlich wie der hiesige DGB – keinerlei Anstalten gezeigt, um gegen den Kriegskurs mobil zu machen. Erkennbar ist die Nervosität der herrschenden Kreise der USA dennoch daran, dass Kriegsminister Hegseth gegenwärtig vor allem sein eigener PR-Manager zu sein scheint: Statt die militärischen Aktionen zu koordinieren, eilt er von Pressetermin zu Pressetermin, um zu betonen, dass der Iran so gut wie ­besiegt sei.

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"„Gott will es“ – und die Bevölkerung?", UZ vom 13. März 2026



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