Amazon liefert kostenlos an illegale Siedler. Für Palästinenser wird es teuer

Nachteil: Wohnsitz

Morning Star (Übersetzung und Bearbeitung: Manfred Idler)

Der Online-Versandhändler Amazon übt diskriminierende Praktiken, indem er illegalen Siedlern im besetzten Westjordanland kostenfreie Lieferungen anbietet, nicht aber den dort lebenden Palästinensern. Die britische „Financial Times“ hat diese Praxis aufgedeckt, indem sie Siedlungsadressen in das Lieferportal des globalen Online-Einzelhändlers eingab. Auf der Website von Amazon wird angeboten: „Wenn Ihre Lieferadresse in Israel liegt, und Ihre Gesamtbestellung die Mindestschwelle von 49 Dollar überschreitet, ist der Versand kostenlos.“ Wenn aber die „Palästinensischen Gebiete“ als Lieferadresse angegeben wurden, betragen die Versandgebühren ab 24 Dollar aufwärts. Firmensprecher Nick Caplin wandte ein, dass auch palästinensische Kunden den Vorteil kostenloser Lieferung nutzen können, wenn sie ihre Adresse eingeben und als Land Israel auswählen. Ein Amazon-Sprecher erklärte hingegen, der kostenlose Versand für Israel schließe die palästinensischen Gebiete nicht ein, „da wir dort nicht den hohen Lieferstandard garantieren können, den Amazon-Kunden erwarten. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Lieferungen durch örtliche Zollstellen und zusätzliche Kontrollen an der Grenze zu den Palästinensischen Gebieten gehen müssen, sowie darauf, dass die Pakete dann an einen lokalen Zustelldienst übergeben werden müssen. Das ist ein logistisches Problem, kein Hinweis auf andere Überlegungen.“

Israels expansionistisches Siedlungsprogramm verstößt gegen das Völkerrecht und gegen die Genfer Konvention. Schätzungen zufolge leben bis zu 463.000 Siedler im besetzten Westjordanland und weitere 300.000 in Ostjerusalem.

Beide Spitzenkandidaten für die israelischen Wahlen im nächsten Monat, der amtierende Premierminister Benjamin Netanjahu und der Führer des Wahlbündnisses Blauweiß, Benny Gantz, haben versprochen, Teile des Westjordanlandes einschließlich des Jordantals zu annektieren.

In einem UN-Bericht wurden vor zwei Wochen 112 Unternehmen genannt, die von dem illegalen Siedlungsprogramm profitierten, darunter Airbnb, Expedia, Opodo und Motorola.

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"Nachteil: Wohnsitz", UZ vom 28. Februar 2020



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