Nächster Angriff auf Journalisten

Die Hamburger Sparkasse hat das Konto des Journalisten und Russland-Korrespondenten Ulrich Heyden gekündigt. In dem Kündigungsschreiben, das Heyden vor Kurzem im „Overton“-Magazin veröffentlichte, bezieht sich die Bank auf eine Überprüfung von allen „Geschäftsverbindungen zu Kunden, die ihren Wohnsitz in Russland haben“. Diese würden „aus geschäftspolitischen Gründen beendet“. Ein Mitarbeiter der Sparkasse habe ihm gegenüber telefonisch erklärt, dass die Kündigung mit den EU-Sanktionen gegen Russland zu tun habe, schreibt Heyden in einem Offenen Brief an den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Der Mitarbeiter habe zudem gesagt, dass Heyden in einem „Hochrisiko-Land“ lebe. „Wenn ich in einem ‚Hochrisiko‘-Land lebe, müsste die Bundesregierung und die EU-Kommission mich dann nicht unterstützen?“, fragt Heyden.

Er erinnert daran, dass er nicht der erste in Russland lebende Journalist sei, dessen Existenzgrundlage angegriffen werde, und bezieht sich damit auf die Sanktionen gegen Thomas Röper und Alina Lipp. „Dass man ausgerechnet uns drei für Kontokündigungen auswählt und nicht die Moskau-Korrespondenten der ‚Zeit‘, der FAZ, des ZDF und der ARD, liegt auf der Hand. Wir drei berichten über Russland mit Verständnis und nicht mit Schaum vor dem Mund. Doch Verständnis passt nicht zu der von der Bundesregierung geforderten Kriegsertüchtigung“, so Heyden. Heyden ist Autor mehrerer Bücher und war 13 Jahre lang Moskau-Korrespondent der „Sächsischen Zeitung“. Er berichtete unter anderem für die Wochenzeitung „der Freitag“, den „Tagesspiegel“, den „Rheinischen Merkur“, die „Financial Times“, die „Märkische Allgemeine“, die „Thüringer Allgemeine“ und die „Mittelbayerische Zeitung“. Heute arbeitet er für die „Nachdenkseiten“ und andere deutsche Internetportale. Für UZ berichtete Heyden unter anderem über die Feierlichkeiten am 9. Mai 2023 in Moskau.

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"Nächster Angriff auf Journalisten", UZ vom 20. März 2026



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