Kuba wehrt sich gegen USA – Hilfslieferungen erreichen Karibikinsel

Souveränität verteidigen

Washington will weder Frieden noch Verständigung, sondern Unterwerfung. Dass jede Hoffnung auf einen „Deal“ trügerisch ist, brachte der kubanische Liedermacher Silvio Rodríguez in diesen Tagen zum Ausdruck. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren hatte er den Besuch von Barack Obama mit den Worten begrüßt: „Willkommen in Kuba, Herr Präsident. Es ist nie zu spät, wenn das Gute kommt. Was vergangen ist, ist vergangen.“ Zehn Jahre später ist „das Gute“ weiter entfernt denn je. In einem Interview, das die mexikanische Tageszeitung „La Jornada“ am vergangenen Sonnabend auf der Titelseite veröffentlichte, erklärte Rodríguez jetzt: „Falls die USA versuchen sollten, die Insel zu erobern, wird ein großer Teil des Volkes unsere Souveränität mit Waffen verteidigen.“ Zuvor hatte der 79-Jährige schon in seinem Blog „Segunda Cita“ versichert: „Wenn sie angreifen, nehme ich ein AKM-Sturmgewehr.“ Verteidigungsminister Álvaro López Miera überreichte dem Musiker daraufhin eine Kalaschnikow.

Einen Tag vor Erscheinen des Interviews drohten US-Präsident Donald Trump und sein Außenminister Marco Rubio bei Auftritten in Miami und Paris erneut mit einem militärischen Angriff auf Kuba. Beim Treffen eines Investitionsforums der saudi-arabischen „Future Investment Initiative“ in Miami sagte Trump, nach den Angriffen auf Venezuela und den Iran sei nun die Karibikinsel an der Reihe. „Manchmal muss man militärische Gewalt anwenden“, belehrte er die Wirtschaftsvertreter und fügte hinzu: „Kuba ist das nächste Ziel.“ Was wie eine provokante Spitze wirkte, ist Teil einer Politik, die seit Monaten auf maximale Eskalation setzt. Bereits Anfang März hatte Trump erklärt, die „Eroberung Kubas“ wäre für ihn „eine große Ehre“. Parallel dazu betreibt Washington die wirtschaftliche Strangulation der Insel. Die im Januar verhängte totale Ölblockade verschärft eine Energiekrise, unter der vor allem die Zivilbevölkerung leidet.

Während Trump in militärische Rhetorik verfiel, forderte Rubio offen den Regime-Change. Am Rande der G7-Außenminister-Konferenz in Paris erklärte er am Freitag, „jetzt“ sei genau der richtige Zeitpunkt dafür. Die Leute, die dort an der Macht sind, müssten ausgetauscht werden, sagte Rubio. Aus Havanna folgte umgehend eine scharfe Reaktion. Außenminister Bruno Rodríguez warf der US-Regierung vor, gezielt Verwirrung zu stiften und die Folgen der verschärften Blockade zu leugnen. Die Maßnahmen Washingtons zielten darauf ab, die Treibstoffversorgung zu unterbrechen und Drittstaaten einzuschüchtern, erklärte er. Diese Politik sei nichts anderes als eine kollektive Bestrafung der Bevölkerung und verschärfe die Energiekrise des Landes.

Doch zur selben Zeit, in der die US-Regierung permanent neue Drohungen ausstößt, wächst weltweit die Unterstützung für Kuba. Am Freitag vergangener Woche erreichte mit dem Logistikschiff „Huasteco“ der mexikanischen Marine bereits die vierte Hilfslieferung aus dem Nachbarland den Hafen von Havanna. Mehr als 96 Tonnen Lebensmittel, vor allem Bohnen und Reis, wurden an die Bevölkerung übergeben. Insgesamt summiert sich die humanitäre Hilfe aus Mexiko inzwischen auf über 3.100 Tonnen. Präsidentin Claudia Sheinbaum betonte dabei das Recht jedes Volkes, über sein eigenes Schicksal zu entscheiden. Ein ebenso deutliches Zeichen setzte der nach dem bekanntesten Essay von Kubas Nationalhelden José Martí benannte internationale Solidaritätskonvoi „Nuestra América“. Mehr als 600 Aktivisten aus rund 40 Ländern brachten Medikamente, Hygieneartikel und Solarmodule nach Kuba. Auch zwei Segelboote des Konvois erreichten nach einer stürmischen Überfahrt über den Golf von Mexiko schließlich die Insel, nachdem sie tagelang als vermisst galten.

Washington versucht indes mit allen Mitteln, die Solidarität mit Kuba zu behindern. Aktivisten des Konvois wurden auf ihrer Rückreise in den USA stundenlang verhört, ihre elek­tronischen Geräte beschlagnahmt. Der brasilianische Teilnehmer Thiago Ávila wurde in Panama zeitweise festgesetzt, auch andere Teilnehmer berichteten von Einschüchterungsversuchen. Solidaritätsorganisationen in Lateinamerika verurteilten das Vorgehen als „politische Schikane“.

Dennoch stehen Trumps Politik der Drohung und wirtschaftlichen Erstickung eine stetig wachsende internationale Bewegung zur Unterstützung der kubanischen Bevölkerung gegenüber. Am Ende werde die Zukunft Kubas nicht durch Sanktionen oder militärische Drohungen, sondern durch eine Bevölkerung entschieden, die ihre Geschichte kennt, erklärte Silvio Rodríguez in seinem Interview. „Es gibt viele Gründe, warum wir dem brutalen Norden misstrauen“, fügte er hinzu – und verwies darauf, dass die Verteidigung der Souveränität für sein Land keine Frage der Ideologie, sondern der Selbstbehauptung ist. Daraus erwachse die Gewissheit, dass ein Volk, das seine Souveränität verteidigt, nicht zu brechen ist.

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"Souveränität verteidigen", UZ vom 3. April 2026



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