Eine lesenswerte Geschichte der Roten Hilfe

Von Kommunisten gegründet

Florian Osuch

Vor zwei Jahren feierte die Rote Hilfe ihr 100-jähriges Jubiläum. Gegründet 1924, bestand die Solidaritätsorganisation jedoch nicht durchgehend. In der Weimarer Republik unterstützte die historische Rote Hilfe Menschen, die von Repression betroffen waren. Politisch war sie eng mit der KPD verbunden. Sie war eine Massenorganisation und neben den Gewerkschaften, SPD und KPD vielleicht eine der größten Formationen der Arbeiterbewegung. Zeitweise gehörten ihr knapp 100.000 Mitglieder an, die in rund 1.500 Ortsgruppen im gesamten Reichsgebiet tätig waren, darunter viele Frauen.

Silke Makowski hat nun die Geschichte der Roten Hilfe in einem Ende vorigen Jahres im Kölner PapyRossa Verlag erschienenen Band kompakt und lesenswert aufgeschrieben. Sie gehört zum Vorstand des Hans-Litten-Archivs, das die Geschichte der Roten Hilfe erforscht. Als „Anwalt des Proletariats“ vertrat Hans Litten (ermordet 1938 im KZ Dachau) in zahlreichen, teils prominenten Strafverfahren Arbeiter vor Gericht, wie etwa im Nachgang des Berliner Blutmai von 1929.

Die enge Verbundenheit der Roten Hilfe mit der KPD wird auch durch ihre Leitung deutlich: An ihrer Spitze standen mit Wilhelm Pieck und Clara Zetkin zwei Reichstagsabgeordnete der Partei.

In ihrer „Geschichte der Roten Hilfe“ arbeitet die Autorin die bedeutende Rolle von Frauen in der oftmals kleinteiligen Unterstützungstätigkeit der Solidaritätsorganisation heraus. Trotz der unverkennbaren Nähe zur KPD suchte die Rote Hilfe gezielt Kontakt zu Anhängern der SPD – schließlich waren auch sie von Repression betroffen. Ab Anfang 1933 konnte die Rote Hilfe ihre Tätigkeit nur noch kurze Zeit fortführen.

Nach der Befreiung vom Faschismus geriet die Idee der Solidaritätsorganisation zunächst in Vergessenheit. Erst in den späten 1960er Jahren griffen Rechtshilfegruppen der studentisch geprägten Protestbewegung in der BRD die Idee der Roten Hilfe wieder auf. Dieses Spektrum war jedoch fraktioniert, sodass zeitweise drei Organisationen den Namen nutzten. Die „Rote Hilfe Stern“ war ein Netzwerk lokaler Antirepressionsgruppen, die mit den sich formierenden sozialen Bewegungen verbunden waren. Die maoistischen Splittergruppen KPD/ML und KPD/AO gründeten eigene Vereine, die sie „Rote Hilfe“ nannten. Zwar versuchte man hin und wieder zusammenzuarbeiten, doch das gelang im Zuge der bisweilen heftig geführten innerlinken Richtungskämpfe der 1970er Jahre kaum. Auch diese zweite Phase wird in Makowskis „Geschichte der Roten Hilfe“ lesenswert zusammengefasst.

In den 1980er Jahre zerfielen die maoistischen Parteien und das Milieu der sozialen Bewegungen differenzierte sich weiter aus. Der Polizei gefiel das nicht immer, auch weil eine teils militante autonome Bewegung entstand. Aus der Roten Hilfe der KPD/ML ging die moderne Rote Hilfe mit ihrem strömungsübergreifenden Charakter hervor – allerdings viele Jahre als kleiner Verein.

Erst durch die Nähe zu den großen Protestbewegungen seit der Jahrtausendwende – Antifa, die Gipfelproteste in Genua (2001) und Heiligendamm (2007), Bewegungen gegen die Kriege in Irak und Afghanistan, queer-feministischer Protest sowie Klimagerechtigkeit – verzeichnete die Rote Hilfe einen bedeutenden Mitgliederzuwachs. Inzwischen gehören ihr rund 18.000 Mitglieder an.

Kurze Berühmtheit erlangte die Rote Hilfe vor einigen Jahren durch den Auftritt Hans Littens (verkörpert von Trystan Pütter) als historische Figur in der vielfach ausgezeichneten TV-Serie „Babylon Berlin“. Das schützt die Organisation jedoch nicht vor Behinderung ihrer Tätigkeit, wie die Kündigungen von Konten durch die Sparkasse Göttingen und die GLS Gemeinschaftsbank zeigen.

Silke Makowski
Geschichte der Roten Hilfe
PapyRossa Verlag Köln 2025, 133 Seiten, 12 Euro
Erhältlich unter uzshop.de

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"Von Kommunisten gegründet", UZ vom 30. Januar 2026



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