Umgefallen ist bisher noch jeder. Die Lage im März 2025

Was bisher geschah

Es war ein stummes Drama, das sich vor einem Jahr auf der Mondoberfläche abspielte. Getrieben von US-amerikanischem Pioniergeist hatte das private Raumfahrtunternehmen Intuitive Machines die Sonde „Athena“ auf den Erdtrabanten geschickt, um nach Eis zu bohren und die Installation eines Mobilfunknetzes zu erproben. Doch dazu sollte es nicht kommen: „Athena“ landete zwar am gewünschten Ort, kippte allerdings um und war fortan nicht mehr zu gebrauchen. Damit teilte die Sonde das Schicksal ihres Vorgängers „Odysseus“, der ein Jahr zuvor gelandet und umgekippt war. Die Berichterstattung über die gescheiterte Sonde ging nicht wesentlich über das hinaus, was sonst über gekippte Gegenstände an fernen Orten zu lesen ist. In Deutschland befasste sich lediglich das Wissenschaftsmagazin „Spektrum“ mit der interessanten Frage, „warum Intuitive Machines seine Sonden der Serie Nova-C als 4,7 Meter lange Türme konzipiert hat, die trotz der sechs Landebeine zum Umkippen neigen“.

Den Mond hatte „Athena“ am 6. März 2025 mit einer Rakete des Unternehmens SpaceX erreicht. Dessen Chef, der Multimilliardär Elon Musk, verdingte sich zu diesem Zeitpunkt als Chef der Kahlschlagbehörde Doge (Department of Government Efficiency) im Weißen Haus. Dabei traten erste Risse in der brüderlichen Liebe zwischen ihm und US-Präsident Donald Trump zutage, die sich später zu einem vielbeachteten Rosenkrieg ausweiten sollten. Denn entgegen ursprünglichen Äußerungen entzog Trump, der erst Ende Januar zum Präsidenten ernannt worden war, seinem Freund Musk die Entscheidungsgewalt über Personalentlassungen. Künftig sollten die Minister entscheiden, wen sie feuern, und dabei lieber auf das „Skalpell“ und weniger auf die „Axt“ setzen, so der treulose Trump. Dennoch brachte Musk bis zu seinem Ausscheiden Ende Mai ein massives Kürzungsprogramm durch, das mit Massenentlassungen im Staatsdienst einherging und durch einen Kahlschlag bei internationalen Hilfsprogrammen etwa 300.000 Todesopfer forderte, wie die Bostoner Wissenschaftlerin Brooke Nichols errechnete.

Während die Machtübernahme der Trump-Regierung über ihre Anlaufschwierigkeiten stolperte, versetzte sich die Europäische Union in helle Panik. In der Befürchtung, dass Trumps (damalige) „Friedens“-Rhetorik zu einem Einschlafen des Ukraine-Kriegs führen könnte, beschlossen die Staatschefs auf einem EU-Krisentreffen in Brüssel, dass die EU „ihre allgemeine Verteidigungsbereitschaft erhöhen, ihre strategischen Abhängigkeiten verringern, ihre kritischen Fähigkeitslücken schließen und die europäische verteidigungstechnologische und -industrielle Basis stärken“ werde. Zuvor hatte die EU-Kommission ihr Programm „ReArm Europe“ im Umfang von rund 800 Milliarden Euro vorgestellt.

Flankiert wurde die Friedensangst in Brüssel auch vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Dessen Chef warnte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ davor, dass die erhoffte Zeitenwende „im Bevölkerungsschutz nicht stattgefunden“ habe. Man sei „noch immer blank, der Zivilschutz ist auf den Verteidigungsfall nicht vorbereitet“. Befürchtungen hatte damals auch Rüdiger Lucassen von der AfD. „Deutschland braucht eigene Atomwaffen und zwingend eine Wehrpflicht – auch für Frauen. Dafür muss so schnell wie möglich das Grundgesetz geändert werden“, so der Bundestagsabgeordnete.

Die etablierten Parteien hatten derweil (noch) andere Sorgen. Nach der Bundestagswahl war noch keine Regierung gebildet worden. SPD und Union waren auf die Unterstützung der Grünen angewiesen, um eine Zweidrittelmehrheit für die Kriegskredite zusammenzubekommen, die später noch mit der alten Bundestagsmehrheit verabschiedet werden sollten. In dieser heiklen Lage war es Markus Söder (CSU), der den Unmut seiner Parteifreunde und Koalitionspartner auf sich zog. „Die Grünen waren gegen uns, sie waren gegen Bayern, und sie haben von den Wählern die Quittung bekommen“, schimpfte Söder beim Politischen Aschermittwoch in Passau, um anschließend zu skandieren: „Grün ist raus, Grün ist raus.“ Die Grünen reagierten patzig: „Wenn wir uns nicht einigen, muss Merz sein Paket eben mit der AfD und der Linken aushandeln“, so ein Bundestagsabgeordneter gegenüber der „Welt“.

Eine Woche später war das Theater vorbei: Am 13. März beschloss der Bundestag die Grundgesetzänderung zur Freigabe der Kriegskredite mit den Stimmen der Grünen. Im Bundesrat machte dann sogar „Die Linke“ mit. Was wieder einmal beweist, dass deutsche Politik nicht im Bierzelt bestimmt wird – aber auch nicht an der Wahlurne.

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"Was bisher geschah", UZ vom 6. März 2026



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