Rede von Oktay, Schulstreik-Komitee Essen, auf dem Schulstreik gegen die Wehrpflicht am 5. März in Essen

Weder Kanonenfutter noch Mörder

Oktay, Schulstreik-Komitee Essen

Als Kanonenfutter für die Reichen enden? Darauf hat die Jugend keinen Bock. Sie will selbst über ihre Zukunft entscheiden. Wehrdienst ist nicht „normal“, argumentierte Oktay vom Schulstreik-Komitee Essen in seiner Rede auf der Schulstreik-Demonstration am 5. März in Essen. Stattdessen müsse endlich Frieden normalisiert werden. Wir dokumentieren Oktays Rede in voller Länge:

Liebe Streikende,

ich bin Oktay vom Schulstreik-Komitee Essen.

Wir stehen heute hier, weil es um unsere Zukunft geht.

Es wird wieder über eine Wehrpflicht gesprochen. Das bedeutet: Junge Menschen sollen verpflichtet werden, zur Bundeswehr zu gehen. Nicht freiwillig, sondern weil der Staat es verlangt.

Manche sagen: „Das ist doch normal.“ Andere sagen: „Das gehört eben dazu.“

Aber wir sollten uns fragen: Seit wann ist es normal, dass junge Menschen verpflichtet werden, sich auf Krieg vorzubereiten und es akzeptieren müssen, zu lernen, wie man Menschen tötet?

Wir sind keine Zahlen. Wir sind kein Kanonenfutter. Und wir sind keine Mörder.

Wir verlangen das Recht auf Bildung, und haben das Recht, zu erfahren, wer wir sind. Schülerinnen und Schüler müssen eine gesicherte Zukunft haben.

Wir sollten selbst entscheiden können, welchen Weg wir gehen wollen – und nicht den, der uns von oben vorgeschrieben wird.

Eine Wehrpflicht nimmt uns diese Entscheidung.

Schulen fallen auseinander, das Bildungssystem macht krank und ist veraltet, Jugendzentren schließen und so viel mehr. Es wird immer klarer, dass unsere Politiker das fehlende Geld lieber in Aufrüstung, Krieg und Tote investieren statt in uns und unsere Zukunft.

Frieden muss normalisiert werden!

Schon Rosa Luxemburg sagte: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“.

Freiheit heißt auch: Freiheit von Töten. Freiheit von Wehrpflicht. Die Freiheit, Nein zu sagen. Deshalb streiken wir.

Für diese Proteste wurde viel vorbereitet. Es gab Aktionswerkstätten, Komitee-Treffen und vereinzelte Termine, bei denen sich alle beteiligen konnten. Wir haben geplant, diskutiert, mobilisiert.

Aber eins dürfen wir nicht vergessen: Protest lebt nicht von ein paar wenigen Menschen.
 Protest lebt davon, dass viele aktiv werden. Dass wir nicht nur heute hier stehen, 
sondern auch morgen noch laut sind. Dass wir in unseren Schulen darüber sprechen. 
Dass wir unsere Freundinnen und Freunde mitbringen.
 Dass wir uns organisieren, vernetzen und gegenseitig stärken.

Veränderung passiert nicht von alleine.
 Sie passiert, wenn Menschen sagen: So, wie es ist, akzeptieren wir es nicht mehr!

Jede Bewegung, die etwas verändert hat, begann mit Menschen, die den Mut hatten, aufzustehen. Mit Menschen wie euch!

Deshalb ist dieser Streik nicht das Ende, 
er ist ein Anfang.

Ein Anfang für mehr Protest.
 Ein Anfang für mehr Beteiligung.
 Ein Anfang für eine Jugend, die sich nicht vorschreiben lässt, wie ihre Zukunft aussehen soll.

Wenn wir wollen, dass sich etwas verändert,
 dann müssen wir selbst Teil dieser Veränderung sein. Organisiert euch! Kommt zu Treffen.
 Bringt eure Ideen ein.
 Werdet laut.

Denn unsere Zukunft gehört uns, 
nicht denen, die über unsere Köpfe hinweg entscheiden. Und wenn wir viele sind,
 wenn wir laut bleiben,
 wenn wir uns nicht spalten lassen, dann können wir zeigen: Unsere Stimmen zählen.
 Unser Widerstand zählt.
 Und unsere Zukunft ist es wert, dafür zu kämpfen!

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