Betr.: „Im Interesse von Mutter Natur“, UZ vom 20.11.2015

Zur Einheit von Arbeiter- und Umweltbewegung

Von Jörg Pitzschel, Brunsbüttel

Schon die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus befassten sich mit dem Verhältnis des Menschen zur Natur. Man denke nur an die wundervolle Schrift von Friedrich Engels „Dialektik der Natur“. Karl Marx machte in seiner „Kritik des Gothaer Programms“ eine sehr wichtige Feststellung: „Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte (und aus solchen besteht doch wohl der sachliche Reichtum!) als die Arbeit, die selbst nur die Äußerung einer Naturkraft ist, der menschlichen Arbeitskraft. … Nur soweit der Mensch sich von vornherein als Eigentümer zur Natur, der ersten Quelle aller Arbeitsmittel und -gegenstände, verhält, sie als ihm gehörig behandelt, wird seine Arbeit Quelle von Gebrauchswerten, also auch von Reichtum.“ („Kritik des Gothaer Programms“, Marx/Engels, Werke, Bd. 19, S. 15).

Trotz dieser richtigen Feststellung von Marx wurde in der Arbeiterbewegung für lange Zeit einseitig die Arbeit als Quelle des Reichtums in den Vordergrund gestellt und damit die Frage des Umweltschutzes sträflichst vernachlässigt. Das begünstigte die Spaltung von Arbeiter- und Umweltbewegung. Diese Spaltung wird von den Herrschenden bewusst angewandt, wenn z. B. Arbeitsplätze gegen den Umweltschutz ausgespielt werden.

Das Streben nach Maximalprofit ist ein ökonomisches Grundgesetz des Kapitalismus. Die rücksichtslose Ausbeutung der Naturressourcen ist heutzutage geradezu zu einem ökonomischen Zwang für die Profitmaximierung geworden. Zur Erzielung von Maximalprofiten strebt das international tätige Monopolkapital die maximale Ausschöpfung der oben erwähnten Quellen des Reichtums an, der menschlichen Arbeitskraft und der Naturressourcen. Die Folge dieser Gier kann dann logischerweise nur die fortschreitende Zerstörung der menschlichen Gesellschaft wie auch der natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit sein. Daher ist der Umweltschutz auch für die Arbeiterbewegung zu einer äußerst wichtigen Frage geworden und wurde lange Zeit zu sehr anderen Kräften wie den Grünen überlassen.

Die Grünen sind nicht zufällig zu der neuen Partei der Besserverdienenden geworden. Sie predigen die Vereinbarkeit von Ökologie und kapitalistischer Ökonomie. Deren Wähler sind oftmals Menschen, die zwar durchaus ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein haben, aber gleichzeitig nicht bereit sind ihre Stellung und ihre Vorteile im kapitalistischen System in Frage zu stellen. Folglich werden dann letztlich doch die ökologischen Interessen den ökonomischen Profitinteressen des Kapitals unterworfen. Diese Leute verteidigen ein System, welches aus Profitgier ständig neue Ursachen für das Zusteuern der Menschheit auf eine globale Umweltkatastrophe liefert.

Umso wichtiger ist, dass die Arbeiterklasse die führende Rolle in der Umweltbewegung gewinnt. Es ist klar, dass nur mit der Überwindung des kapitalistischen Systems, wenn es also keinen Zwang zur Erzielung von Maximalprofiten mehr gibt, die Menschheit sich selbst und die Umwelt retten kann. Die technischen Lösungen für die Bewältigung der Umweltprobleme sind im Schoße des Kapitalismus längst herangereift. Sie werden aber unterdrückt, da sie den Kapitalisten zu wenig oder keinen Maximalprofit versprechen. Die Arbeiterklasse muss sich ihrer Rolle als Trägerin der fortgeschrittensten Produktionstechnik bewusst werden und im Sozialismus die gestörte Einheit von Mensch und Natur wiederherstellen. Dazu ist schon heute die Einheit von Arbeiter- und Umweltbewegung unbedingt erforderlich.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Zur Einheit von Arbeiter- und Umweltbewegung", UZ vom 27. November 2015



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Schlüssel aus.

    Vorherige

    Wohnen ist ein Menschenrecht!

    Anzeigen 49/2015

    Nächste