Auch Lobbyisten haben Ängste. Arnim Grothe vom Landesverband Erneuerbare Energien NRW hat sogar einen „Angstgegner“ – und zwar die Bundeswehr. Durch die Ausweisung von bundesweit sieben Tieffluggebieten droht das Militär nämlich, den Ausbau von Windrädern zu verhindern. Denn gerade in Nordrhein-Westfalen sind diese Zonen, in denen Kampfjets in gerade einmal 76 Metern Höhe über den Boden donnern, teilweise deckungsgleich mit den geplanten Vorranggebieten für Windenergie. Nun sind solche Windräder jedoch gerne mehr als 200 Meter hoch. Da macht das Kriegsspiel im Tiefflieger nur kurzzeitig Freude. „Windenergieanlagen stellen ein physisches Luftfahrthindernis dar“, erläuterte ein Sprecher der Bundeswehr das Problem gegenüber dem WDR. Und weil „Luftfahrthindernis“ und „Zeitenwende“ einfach nicht zusammenpassen, könnte die Bundeswehr ihre Vorrangstellung ausspielen. Da kommt wieder Arnim Grothe ins Spiel: „Die Bundeswehr ist für Windenergie-Projektierer ein Angstgegner, an dem sie bei jeder Genehmigung vorbeimüssen.“
Wer nun mit der Überlegung spielen sollte, dass es nicht in Ordnung ist, militärische Belange höher zu gewichten als den Ausbau einer halbwegs ökologisch erträglichen Energieinfrastruktur, kratzt bedenklich nahe am Vaterlandsverrat. Schließlich dient der geplante Feldzug gegen Russland auch dem Umweltschutz, wie Außenminister Johann Wadephul (CDU) weiß. Der hat seine Lettland-Reise genutzt, um „sehr viel mehr Effektivität“ im Kampf gegen die russische „Schattenflotte“ zu fordern. Um das zu ermöglichen, solle am besten das internationale Seerecht umgekrempelt werden, denn: „Es kann nicht sein, dass uns hier dauerhaft einseitig die Hände gebunden sind.“ Schließlich drohe durch die zivilen russischen Schiffe „eine ökologische Katastrophe“.
Bekanntermaßen gilt in der bürgerlichen Politik folgende Kinderregel: Der Russe ist eine Umweltsau, und zwar immer einmal mehr als die Bundeswehr. Zum Angstgegner taugt die „Schattenflotte“ trotzdem nicht. Fürchten sollte man sich eher vor Leuten wie Wadephul.








