Geplant war die Reise, die den britischen Premierminister Keir Starmer Ende Januar nach Peking führte, schon seit geraumer Zeit. Ziel war es, angesichts der Schwächephase der britischen Wirtschaft das einst so wichtige China-Geschäft, das lange Zeit brach gelegen hatte, wieder etwas anzukurbeln. Dass es so lange gedauert hatte, bis der Besuch in der chinesischen Hauptstadt zustande kam, lag daran, dass zunächst einige Reibereien beendet werden mussten, so der Streit um die Verlegung der chinesischen Botschaft in den noblen Royal Mint Court unmittelbar beim Tower of London. Als Starmer endlich in die Volksrepublik aufbrach, gewann seine Reise ganz neue Bedeutung. Es ging nun darum, Alternativen zum US-Geschäft zu schaffen.
US-Präsident Donald Trump hat den Machtkampf gegen die Staaten Europas mit seiner Drohung, Grönland entweder militärisch zu annektieren oder Europa mit Zöllen zur freiwilligen Preisgabe der Insel zu zwingen, auf die Spitze getrieben. Klar war nun: Würden die europäischen Regierungen einknicken, stünden sie nicht nur vor den Augen der gesamten Welt als machtlose Verlierer dar. Trump könnte sie auch völlig beliebig zu weiteren Zugeständnissen nötigen – es gäbe kein Halten mehr. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos gefolgert, Nachgeben sei nun keine Option mehr. Man müsse daran gehen, Alternativen zum US-Geschäft zu suchen. Carney war dazu unter anderem nach China gereist.
Starmer tat es ihm nun nach – und es kamen attraktive Deals zustande, eine gute Grundlage, um die Wirtschaftsbeziehungen wieder zu stärken. Diese Strategie haben auch andere Staaten Europas eingeschlagen: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wünscht sich neue Investitionen aus China in der EU; Bundeskanzler Friedrich Merz wird Ende Februar in Peking erwartet. Und Trump? Der ist sichtlich unzufrieden. Schon zuvor hatte er Carney für dessen China-Deals Zölle von 100 Prozent angedroht. Jetzt erklärte er, Starmers Reise in die Volksrepublik sei „gefährlich“. Wird er wieder zuschlagen? Wer weiß. Vorläufig aber scheinen die Staaten Europas entschlossen, ihre Abhängigkeit von den USA durch den Aufbau von Alternativen zu begrenzen. Ob sie dabei bleiben und ob es ihnen gelingt, wird man sehen.


