Wenn es darum geht, die praktizierte Arbeitsplatzvernichtung zu legitimieren, sind auch kreative Wortschöpfungen gefragt. Das jüngste Beispiel lieferte in der vergangenen Woche der VW-Konzernvorstand Oliver Blume. Pünktlich zu den Betriebsratswahlen bei Volkswagen war von einem „heftigen Gewinneinbruch“ die Rede. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Europas größter Autobauer im vergangenen Jahr Verluste eingefahren hat. Die Gewinne und damit die Dividendenausschüttungen an die Aktionäre fallen nur etwas bescheidener aus als in den vergangenen Jahren.
Nach den von der Konzernleitung vorgelegten Zahlen hat Volkswagen 2025 operativ 8,9 Milliarden Euro eingefahren. Das sind 53 Prozent weniger als im Vorjahr, als VW noch 19,2 Milliarden Euro ausgewiesen hatte. Der Nettogewinn aus dem vergangenen Jahr nach Steuern betrug 6,9 Milliarden Euro. 2024 waren es 12,4 Milliarden Euro gewesen. Gleichzeitig ging der Umsatz um 2,8 Milliarden Euro auf 321,9 Milliarden zurück.
Die Ursachen des Negativtrends sind jedoch weder die von Bundeskanzler Friedrich Merz herbeihalluzinierte „Lifestyle-Teilzeit“ noch ein vermeintlich ausufernder Sozialstaat, sondern eklatante Managementfehler in Verbindung mit einer dilettantischen Transformationsstrategie. Dies wird am Beispiel der Konzerntochter Porsche besonders deutlich. Hier belief sich das operative Ergebnis im Jahr 2025 auf 90 Millionen Euro, nachdem es im Jahr davor bei knapp 5,3 Milliarden Euro gelegen hatte. Inklusive Finanzdienstleistungen erzielte der Sportwagenhersteller einen Gewinn von 413 Millionen Euro. Im Jahr 2024 waren es noch 5,6 Milliarden Euro gewesen.
Dies hat – neben weniger verkauften Autos in der Volksrepublik China und gestiegenen US-Zöllen – vor allem mit milliardenschweren Belastungen durch den Strategieschwenk bei Elektroautos zu tun. Nachdem Porsche zunächst aufs Tempo gedrückt hatte, erfolgte eine Rolle rückwärts und das Unternehmen verlegte sich wieder verstärkt auf Modelle mit konventionellen, klimaschädlichen Antrieben.
Wenn die Profitrate sinkt, müssen es die Beschäftigten ausbaden: VW werde nun „weiter konsequent Kosten senken“, verkündete Blume in der vergangenen Woche in einem Brief an die besorgten Aktionäre. In der Konsequenz heißt das, dass die Arbeitsplatzvernichtung weitergehen soll. Das Management will im gesamten Volkswagen-Konzern in Deutschland bis 2030 insgesamt rund 50.000 Stellen abbauen; allein bei der Kernmarke Volkswagen sollen 35.000 Arbeitsplätze wegfallen. Weitere 7.500 Stellen sind bei Audi und rund 4.000 bei Porsche betroffen. Hinzu kommen 2.000 Jobs bei Cariad und weitere bei anderen VW-Tochterunternehmen.
Es ist noch nicht lange her, dass sich die VW-Beschäftigten gemeinsam mit der IG Metall verzweifelt gegen Werksschließungen und Massenentlassungen gewehrt haben. Am Ende ihres Arbeitskampfes stand das bekannte ernüchternde Ergebnis. Zumindest konnten – nicht zuletzt durch Vorruhestandsregelungen – betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen vorerst verhindert werden.
Während im großen Stil Arbeitsplätze vernichtet werden und Beschäftigte auf Gehaltsanteile verzichten, muss auch Konzernchef Blume moderate „finanzielle Abstriche“ machen. Im vergangenen Jahr erhielt der Manager Versorgungsaufwendungen in Höhe von 7,42 Millionen Euro. 2024 waren es noch 10,35 Millionen Euro gewesen.
Auch bei den Dividendenausschüttungen fallen die „Kürzungen“ trotz der für VW-Verhältnisse schlechten Geschäftszahlen gemäßigt aus. Im vergangenen Jahr hatte VW für das Geschäftsjahr 2024 3,2 Milliarden an seine Aktionäre ausgeschüttet. Jetzt sind es gerade einmal um 17 Prozent weniger. So hatte die Konzernspitze in der vergangenen Woche angekündigt, für das zurückliegende Geschäftsjahr statt der von Börsenanalysten erwarteten 4,86 Euro je Vorzugsaktie 5,26 Euro auszuschütten.
Auf Stammaktien, die überwiegend den Familien Porsche und Piëch gehören, werden sogar 5,20 Euro gezahlt. Das bedeutet auf Basis des aktuellen Kurses eine Dividendenrendite von 5,9 Prozent. Dem Geldadel bleibt somit trotz des „Gewinneinbruchs“ der Weg zum Billig-Discounter oder gar zur Tafel erspart.









