Am 28. Februar haben die USA und Israel einen durch nichts zu rechtfertigenden völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran begonnen. Der Iran verübt Gegenschläge auf US-Militäranlagen in den Nachbarstaaten und gegen Israel. Der Krieg weitet sich zu einem Flächenbrand in der Region um den Persischen Golf aus und hat das Potential, zu einem Weltkrieg zu eskalieren.
Innerhalb kurzer Zeit hat dieser Krieg eine humanitäre und ökologische Katastrophe ausgelöst. Erste Opfer des Krieges durch einen US-Raketenangriff waren Schülerinnen einer Grundschule. Nach UN-Angaben gab es bei dem Massaker bis zu 165 Opfer, überwiegend Mädchen im Alter von 7 bis 12 Jahren. Die Gesamtzahl der zivilen Opfer im Iran geht in die Tausende und steigt mit jeder neuen Angriffswelle der Aggressoren weiter an.
Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sind bis zu 3,2 Millionen Menschen im Iran vorübergehend zu Binnenflüchtlingen geworden. Vor allem fliehen Menschen aus Teheran und anderen Großstädten in den Norden und in ländliche Gebiete. Viele der Binnenflüchtlinge leben unter prekären Bedingungen, ohne ausreichenden Zugang zu Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Die Anzahl der zivilen Opfer des Angriffskrieges im Iran ist bereits nach kurzer Kriegsdauer enorm. Die verursachten Umweltschäden werden in Zukunft weitere Opfer fordern. Betroffen ist vor allem die Arbeiterklasse.
Luftverschmutzung und „schwarzer Regen“
Die gezielten Angriffe auf Öldepots und Raffinerien in Teheran und anderen iranischen Städten haben eine Umweltkatastrophe ausgelöst. Die Brände erinnern stark an die Ölbrände in Kuwait 1991. Nach den israelischen und US-amerikanischen Luftschlägen brannten in Teheran zahlreiche Öltanks. Diese verursachten massive Rauchwolken, die Emission giftiger Substanzen inklusive.
Beim sogenannten „schwarzen Regen“, der als Folge der Ölbrände entsteht, handelt es sich um eine Mischung aus Ruß, Öl, Schwefelverbindungen und Schwermetallen, die in Verbindung mit Niederschlag, aber auch ohne, zu Boden „regnen“. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und iranische Behörden riefen die Bevölkerung auf, in den Häusern zu bleiben und den Kontakt mit dem Regen zu vermeiden. Der Schadstoff-Mix kann akute Atemwegsbeschwerden, Haut- und Augenreizungen verursachen und langfristige Gesundheitsschäden wie Krebs und neurologische Erkrankungen hervorrufen.
Die Brände in den Öldepots führten zum Teil auch zu Explosionen in der Kanalisation, da brennbare Rückstände in die Abwassersysteme gelangten. Ganze Straßenzüge in den betroffenen Städten standen in Flammen, was die Freisetzung weiterer toxischer Gase und die Kontamination von Böden und Gewässern verstärkte.
Die Luftqualität in Teheran mit seinen etwa 9 Millionen Einwohnern und anderen betroffenen Städten erreichte zeitweise gefährliche Werte. Die Konzentration von Feinstaub, Schwefeldioxid, Stickoxiden und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) lag teilweise weit über den Grenzwerten der WHO (siehe Infobox). Millionen Menschen atmeten und atmen demnach giftigen Rauch ein, was zu Husten, Atemnot, Kopfschmerzen und Übelkeit führt. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. Langfristig droht eine Zunahme von Asthma, Bronchitis, Lungenentzündungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Studien aus dem Golfkrieg 1991 zeigen, dass die Krebsraten in Kuwait nach den Ölbränden um das Dreifache anstiegen und auch neurologische Erkrankungen, Allergien und Atemwegserkrankungen zunahmen.
Die Luftverschmutzung beschränkt sich dabei nicht auf den Iran: Wettermodelle zeigen, dass die Rauchwolken auch Nachbarländer wie Pakistan erreichen und bis nach Südasien abdriften können, was die Luftqualität und die Gesundheit der Bevölkerung auch in entfernteren Regionen beeinträchtigen kann.
Auswirkungen auf die Wasserversorgung
Die ökologischen Folgen des Krieges betreffen nicht nur die Luftqualität. Die (Trink-)Wasserversorgung in der Golfregion ist teilweise extrem abhängig von Entsalzungsanlagen, da die Region insgesamt sehr niederschlagsarm ist. Grundwasser und Oberflächenwasser sind durch die meteorologischen Bedingungen sehr knapp. Die Zahlen über den Anteil entsalzten Wassers am Trinkwasserverbrauch für die einzelnen Länder der Golfregion schwanken allerdings. In Saudi-Arabien, Oman, Kuweit und Bahrein liegt der Anteil bei über 70 Prozent und somit gibt es zu Entsalzungsanlagen kaum Alternativen.
Obwohl der Iran aufgrund seiner geografischen Gegebenheiten einen Großteil seines Wassers noch aus Flüssen, Stauseen und dem Grundwasser speisen kann, gibt es auch dort Entsalzungsanlagen. Eine wurde Anfang März durch einen US-Luftangriff getroffen und damit die Trinkwasserversorgung für rund 30 Dörfer unterbrochen.
Relevanter für den Iran ist, dass durch die Luftangriffe Öl, Ruß, Chemikalien und „schwarzer Regen“ das Grundwasser und die Gewässer kontaminieren. Die Schadstoffe gelangen über den Wasserkreislauf in den Boden und über Pflanzen und Tiere in die Nahrungskette, was langfristige Folgen für die Gesundheit, aber auch für die Landwirtschaft insgesamt hat, weil durch den Krieg sowohl die Bewässerung als auch die Bodenqualität auf lange Zeit beeinträchtigt sein werden.
In einer Region, die bereits unter Dürre und Wasserknappheit leidet, verschärft das zusätzlich die Gefahr von Hunger und Mangelernährung. Und es macht den Wasserzugang und somit die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung zu einer Waffe in diesem Krieg. Auch und gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels wird dieser Aspekt in künftigen Kriegen eine immer größere Rolle spielen.
Auch marine Ökosysteme und die Fischerei sind durch eine Ölkatastrophe im Persischen Golf durch das Versenken von Öltankern bedroht. Iran zählt zu den wichtigsten Fischereinationen der Region.
Bomben auf Atomanlagen
Obwohl schon nach dem Krieg im vergangenen Sommer klar war, dass die Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm eine Täuschung waren, beteiligte sich die iranische Führung weiter ernsthaft an den Gesprächen und war bemüht, eine Lösung zu finden. Das Ultimatum Trumps lautete vor Kriegsbeginn Ende Februar nun aber: keine zivile Nukleartechnik im Iran, welcher Art auch immer.
Bei dem US-israelischen Angriffskrieg wurde deshalb auch die Atomanlage Natanz bombardiert, in der der Iran in unterirdischen Anlagen Uran anreichern soll. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) bestätigte Schäden an Eingangsgebäuden, jedoch (noch) keinen Austritt von Radioaktivität. Wenn weitere Angriffe auf nukleare Anlagen erfolgen, bleibt die Gefahr einer radioaktiven Kontamination bestehen. Die Folgen für Mensch und Umwelt wären verheerend.
Die größte Gefahr entsteht dabei nicht durch klassische radioaktive Strahlung, sondern durch toxische Stoffe wie Uranhexafluorid (UF6), das bei der Zerstörung der Zentrifugen freigesetzt werden kann. Die Folgen reichen von Luft- und Bodenvergiftung bis zu langfristigen Gesundheitsschäden für die Bevölkerung.
Das sind Kriegsverbrechen
Die ökologischen Schäden des US-israelischen Angriffskrieges gegen den Iran sind bereits jetzt verheerend, teils irreversibel und gefährden die Lebensgrundlagen von Millionen Menschen (siehe Infobox). Die Verursacher dieser Schäden sind bekannt.
Es gibt ein „Umweltkriegsübereinkommen“ der UNO, die ENMOD-Konvention (Convention on the Prohibition of Military or Any Other Hostile Use of Environmental Modification Techniques). Dabei handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag, der die absichtliche Schädigung der Umwelt als Mittel der Kriegsführung verbietet. Obwohl Umweltschäden durch Kriege nicht explizit Gegenstand der Konvention sind, stellen die Bombardierung von Atomanlagen und von Anlagen zur Trinkwasserversorgung sowie das absichtliche Inbrandsetzen von Öldepots durchaus Kriegsverbrechen dar.
Dieser Krieg zeigt einmal mehr, dass der (US-)Imperialismus die beiden großen Krisen der Gegenwart, die Frage von Krieg und Frieden und die Umweltfrage, weiter verschärft und zuspitzt. Er ist der gesetzmäßige Hauptverursacher von Krieg und Umweltzerstörung.
Torsten Schmidt ist Mitglied des Parteivorstandes der DKP und seiner Umweltkommission.
Kontakt: umwelt@dkp.de
Grenzwerte zählen im Krieg nicht
Schadstoff-Grenzwerte der WHO und Werte im Iran nach den Ölbränden in Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3)
Schadstoff WHO-Grenzwert (2021) Typische Werte im Iran nach Ölbränden
PM2.5 15 µg/m3 (24 h) 150 – 250 µg/m3
NO2 25 µg/m3 (24 h) >100 µg/m3
SO2 40 µg/m3 (24 h) 200 – 500 µg/m3
PAK 1 ng/m3 (EU Zielwert, kein WHO-Wert) massiv erhöht
Feinstaub (PM2.5): Bei Ölbränden entstehen extrem feine Partikel, die tief in die Lunge eindringen und schwere Herz und Atemwegserkrankungen auslösen können.
Stickoxide (unter anderem NO2): Die Brände und beschädigten Anlagen setzen Stickstoffverbindungen frei, die zusätzlich zur Smogbildung beitragen.
Schwefeloxide (unter anderem SO2): Durch das Verbrennen von schwefelhaltigen Rückständen der Erdölverarbeitung gelangen große Mengen SO2 in die Luft.
Toxische Kohlenwasserstoffe (PAK): „Schwarzer Regen“ enthält benzolhaltige und andere krebserregende Kohlenwasserstoffe, typisch für die unvollständige Verbrennung von Schweröl.
Die dokumentierten Werte zeigen eine zum Teil massive Überschreitung der Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Besonders PM2.5 (Feinstaub) und SO2 erreichten Konzentrationen, die typischerweise nur bei großen Industrie oder Raffineriebränden auftreten.

85.000 zivile Gebäude zerstört
Am 26. März veröffentlichte Thomas Röper auf dem Onlineportal „anti-spiegel“ folgende Daten:
Laut Pir Hossein Kolivand, dem Vorsitzenden des Iranischen Roten Halbmonds, wurden in Iran durch US-amerikanische und israelische Angriffe mehr als 85.000 zivile Gebäude beschädigt, darunter 64.583 Wohnhäuser und 19.694 Geschäftsgebäude. Außerdem wurden mindestens 282 medizinische Einrichtungen, darunter Krankenhäuser, Kliniken und Gesundheitszentren, durch US-amerikanische und israelische Angriffe getroffen. Auch mindestens sieben iranische Krankenhäuser sind aufgrund der Schäden durch die US-amerikanischen und israelischen Angriffe außer Betrieb, wie Ali Bahraini, Irans Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen
in Genf, mitteilte. Demnach wurden 49 Rettungsfahrzeuge, 38 Krankenwagen,
ein Rettungshubschrauber und ein Rettungsboot schwer beschädigt oder zerstört.
Darüber hinaus wurden im Iran 600 Schulen durch US-amerikanische und israelische Luftangriffe getroffen, wobei die Schule in Minab am stärksten zerstört wurde, so Pir Hossein Kolivand.
Ökologische Kriegsschäden
Im Folgenden werden die ökologischen Kriegsschäden in Iran, seinen Nachbarländern und darüber hinaus zusammengefasst. Die Aufzählung beinhaltet kurzfristige und noch nicht abschätzbare langfristige Folgen des Krieges:
1. Kurzfristige Schäden: Brände in Öldepots, Rauchwolken, „schwarzer Regen“. Luftverschmutzung durch Feinstaub, ultrafeine Partikel, toxische Gase mit gravierenden Gesundheitsfolgen für die Bevölkerung
2. (Grund-)Wasserverschmutzung: Eintrag verschiedener schädlicher Substanzen. Zerstörung von Meerwasserentsalzungsanlagen. Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung
3. Boden- und Landwirtschaftsschäden: Bodenverschmutzung, Ernteausfälle, Gefährdung der Nahrungsmittelsicherheit
4. Fischerei und marine Ökosysteme: Auswirkungen des „schwarzen Regens“ und Ölverschmutzung
5. Biodiversität und Schutzgebiete: direkte und indirekte Schäden an den zahlreichen Nationalparks und Schutzgebieten im Iran
6. Infrastrukturzerstörung: Wohnhäuser, Krankenhäuser, Wasserwerke, Abwasseranlagen, Deponien und Industrieanlagen (enorme Folgekosten für Wiederaufbau nach Kriegsende)
7. Risiko radioaktiver Kontamination: Angriffe auf nukleare Einrichtungen
8. Langfristige Gesundheitsfolgen: Krebs, Atemwegserkrankungen, neurologische Erkrankungen
9. Globale Folgen durch die weitere Erwärmung der Atmosphäre durch die noch nicht abzuschätzenden Treibhausgasemissionen, die in diesem Krieg emittiert werden.









