Am Montagabend verpassten die deutschen Handballer den Einzug ins Halbfinale der Europameisterschaft. Sie unterlagen am Ende deutlich dem Turnierfavoriten und Gastgeber Dänemark. In der ersten Hälfte hatten die „Jungs“ von Bundestrainer Alfred Gislason noch mithalten können. Pfosten und Latte hatten mehrmals für die Dänen gerettet, sodass die Deutschen nur mit einem Tor Rückstand in die Pause gingen. Zu Beginn der zweiten 30 Minuten gerieten die Männer um Kapitän Johannes Golla über 60 Sekunden lang durch zwei Zeitstrafen in doppelte Unterzahl. Die Skandinavier nutzten das gnadenlos und konnten sich absetzen. Sie zogen ihr gefürchtetes Tempospiel auf, weil Deutschland vorne keine Lösungen gegen die starke dänische Abwehr fand.
Das offene Geheimnis des dänischen Erfolgs ist die ausgezeichnete Förderung des Sports in der Breite wie bei der Ausbildung von Talenten. Die Schieflage zwischen Profisport und Jugendförderung beim „Deutschen Handballbund“ (DHB), dem weltgrößten Handballverband, wurde am Sonntag deutlich – beim Heimspieltag der E1-Mädchen in Feuerbach. Natürlich war morgens um halb elf bei den Vorbereitungen die Europameisterschaft Thema. Beim Brötchenschmieren und Waffelnbacken wurde über die anstehende Partie gesprochen. Natürlich sorgte die grandiose Leistung des deutschen Torhüters Andy Wolff, der bei der EM-Partie am Vorabend mit 22 Paraden den Grundstein für den deutschen Sieg gelegt hatte, für Diskussion und Motivation.
Kurz vor elf krabbeln die Trainer mit Meterstab und Klebeband über den Hallenboden. Die Kinder zwischen acht und elf Jahren spielen auf dem halben Feld. Jedes Mal müssen dafür die Linien geklebt werden. Fünf Stuttgarter Mannschaften treten heute an und dafür braucht es viele helfende Hände. Lena, Jugendsprecherin der Gastgebenden HBI, hilft mit ihren Teamkameradinnen, obwohl sie am Nachmittag selbst ein Spiel hat. Ich spreche mit ihr über den Zustand der Halle. Das Gitter, welches die Uhr vor zu harten Würfen schützen soll, hängt nur noch an einer Schraube ziemlich schief. Unterhalb des Dachs ist an den Wänden die Verkleidung geöffnet, allerhand abenteuerliche Konstruktionen sind zu erkennen. Lena lacht. Bei Regen müssen da noch Eimer druntergehängt werden, sonst wird es drinnen nass. Daran scheint sie sich gewöhnt zu haben. Viel mehr beschäftigt sie, dass sie jetzt in dieser Halle nicht mehr „harzen“ dürfen. Die klebrige Masse gehört spätestens ab der B-Jugend dazu. Sie erleichtert das Fangen und die Kontrolle des Balls beim Wurf, hinterlässt aber überall erst klebrige, dann schwarze Dreckflecken. Die haben sie früher schon regelmäßig vom Hallenboden gekratzt, jetzt müssten sie es nach jedem Spiel tun, was ehrenamtlich einfach unmöglich sei.
Die Tribüne hat sich inzwischen gefüllt. Die meisten Eltern und Großeltern lassen ihre Jacken bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt lieber an. Seitdem die Bundesregierung sich den Hahn mit günstigem Gas abgedreht hat, wird nur noch mäßig geheizt. Die Hugo-Kunzi-Halle gehört übrigens zu den intakteren Hallen in Stuttgart-Feuerbach, dem Hauptsitz des Bosch-Konzerns.
Am Mittwoch (nach Redaktionsschluss) kommt es in der starken Hauptgruppe 1 dann zum Endspiel um den Einzug ins Halbfinale gegen die Franzosen, den amtierenden Europameister. Es wird sich zeigen, ob die deutschen Herren dem Beispiel ihrer Kolleginnen folgen können: Diese sicherten sich bei der Weltmeisterschaft im Dezember die Silbermedaille.









