Tagung der Marx-Engels-Stiftung untersucht nationale Befreiungsbewegungen heute

Endlich entkolonialisieren

Israel begeht auch mit seinem Siedlungskolonialismus einen Völkermord an den Palästinensern. Die US-Regierung entführt den demokratisch gewählten Präsidenten eines souveränen Landes und droht einem weiteren Land mit einer ebenso völkerrechtswidrigen Seeblockade. Und fantasiert davon, Grönland zu kaufen.

Kolonialismus ist kein überwundenes Phänomen, das nur noch Historiker beschäftigt. Gerade angesichts eines Imperialismus, der sich mit Händen und Füßen gegen seinen Untergang wehrt, ist Gegenwehr notwendig – und die wächst.

Eine dreitägige Studientagung der Marx-Engels-Stiftung vom 13. bis 15. Februar in der Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen untersucht aktuelle nationale Befreiungsbewegungen und arbeitet heraus, wie diese sich seit der Konterrevolution in der Sowjetunion verändert haben. Das Programm beginnt am Freitagabend mit einem theoretischen Aufschlag von Matthew Read, der Lenins Positionen in der kolonialen Frage nachzeichnet. In UZ vom 30. Januar schrieb Read dazu unter dem Titel „Die Frage konkret gestellt“. Der Referent ist Mitglied der Internationalen Kommission der DKP und arbeitet in der Internationalen Forschungsstelle DDR.

Am Samstag beleuchtet der erste Block aktuelle Bewegungen gegen direkte koloniale Unterdrückung. Julian Lämmrich (Marx-Engels-Stiftung) analysiert, wie sich Befreiungsbewegungen in den letzten Jahrzehnten strukturell verändert haben. UZ-Autor Günter Pohl blickt nach Lateinamerika. Jörg Tiedjen, Redakteur für Außenpolitik bei der Tageszeitung „junge Welt“, berichtet über den Kampf der Sahrauis, der Bewohner der Westsahara, für Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Der zweite Block ist dem Kampf Afrikas um wirtschaftliche Unabhängigkeit gewidmet. UZ-Redakteur Valentin Zill zeichnet nach, welche Rolle die panafrikanische Bewegung heute darin spielt. Autor Georges Hallermayer vergleicht zwei Länder, die auf verschiedenen Wegen um Souveränität ringen: Burkina Faso nach einem Militärputsch und Senegal nach einer bürgerlich-demokratischen Wahl.

Am Sonntag schließlich stellt Autor Klaus Wagener die aktuelle neokoloniale Herrschaftsstrategie der US-Regierung dar. Der Journalist und Autor Jörg Kronauer blickt nach Osten und untersucht, welche Rolle Länder spielen, die sozialistisch sind oder einen sozialistischen Entwicklungsweg angetreten haben. Die Neue Seidenstraße, BRICS+ und die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit stehen dabei exemplarisch für die multipolar werdende Weltordnung.

Zwischen den Referaten ist immer wieder Zeit für Austausch und Diskussion. Am Ende der Studientagung soll so ein klares Bild davon entstehen, wie heutige Befreiungsbewegungen einzuschätzen sind, welche Widersprüche die Entkolonialisierung prägen und welche Rolle sozialistische beziehungsweise Länder auf einem sozialistischen Entwicklungsweg darin heute spielen. Für Arbeiter- und Friedensbewegung sind klare Antworten auf diese Fragestellungen essentiell, um im Tageskampf Kurs halten zu können.

Studientagung „Nationale Befreiungsbewegungen“ der Marx-Engels-Stiftung
13. bis 15. Februar 2026
Karl-Liebknecht-Schule der DKP
Am Stadtpark 68, Leverkusen
Anmeldung nötig: marx-engels-stiftung@t-online.de
Teilnehmerbeitrag: 90 Euro (30 Euro für SDAJ-Mitglieder), Übernachtung und Verpflegung inbegriffen
Weitere Infos und Programm gibt es auf der Website der Marx-Engels-Stiftung.

    Die Marx-Engels-Stiftung lädt ihre Mitglieder zur Jahresmitgliederversammlung am Samstag, den 14. März, um 10 Uhr in der Alten Feuerwache, Gathe 6 in Wuppertal ein.
    Um 14 Uhr schließt sich daran die öffentliche Veranstaltung „Wehrpflicht: Kernelement der Kriegsvorbereitung des deutschen Imperialismus – historischer Rückblick, aktueller Ausblick“ mit Paul Schnittker (Bewegung „Ohne mich“, 1950er Jahre), Peter Köster (AG Demokratische Soldaten, 1970er Jahre) und Alex (Schulstreik Leipzig) an. Sie findet ebenfalls in der Alten Feuerwache, Gathe 6 in Wuppertal statt.

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    "Endlich entkolonialisieren", UZ vom 6. Februar 2026



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