China hat eine mehr als zweitausendjährige Phase feudaler Herrschaft erlebt, in der Frauen im alten China einen niedrigen gesellschaftlichen Status hatten. Seit der Gründung der Volksrepublik China vor über 70 Jahren, insbesondere seit der Reform-und-Öffnungs-Politik, hat sich mit dem rasanten wirtschaftlichen Wachstum auch die Stellung der Frauen grundlegend und tiefgreifend verändert. Im Prozess der umfassenden Verbesserung der gesellschaftlichen Stellung von Frauen ist die zahlenmäßig große Gruppe älterer Frauen zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Demografische Entwicklung
In der Bevölkerungsstruktur Chinas stellen ältere Frauen eine umfangreiche Bevölkerungsgruppe dar. Nach den Daten der 7. Nationalen Volkszählung war fast jeder fünfte Chinese über sechzig. Die Zahl der über 60-jährigen Frauen betrug 166 Millionen, was 63 Prozent dieser Altersgruppe entspricht. Davon waren etwa 32 Millionen 80 Jahre und älter und rund 3,8 Millionen sogar über 90 Jahre. In Städten wie Shanghai, Peking und Tianjin liegt ihr Anteil jeweils bei über 15 Prozent und damit über dem landesweiten Schnitt von knapp 12 Prozent. Aufgrund der Abwanderung junger und mittlerer Arbeitskräfte in die Städte ist in ländlichen Regionen der Anteil sogenannter „Empty-Nest“-Haushalte („Leeres Nest“) unter älteren Frauen höher und liegt bei etwa 45 Prozent (33 Prozent landesweit).
Soziale Lage
Im Kontext der modernen wirtschaftlichen Transfomation zeigt die Lebenslage älterer Frauen in China vielfältige Ausprägungen: Einerseits bilden sie eine tragende Konsumentengruppe der sogenannten „Silver Economy“, andererseits sehen sie sich mit mehrfachen Herausforderungen in wirtschaftlicher, gesundheitlicher und gesellschaftlicher Hinsicht konfrontiert.
Ihre Rolle in der modernen Wirtschaft ist wesentlich durch eine doppelte Überlagerung gekennzeichnet: Sie sind sowohl „historische Beitragende“ als auch „aktive Teilnehmende der Gegenwart“. Als „unsichtbare Stützen“ der familiären Stabilität werden ihr Wert und ihre Bedürfnisse jedoch häufig gesellschaftlich übersehen. Im Spannungsfeld zwischen traditionellen Vorstellungen und modernen Denkweisen entwickeln sie zunehmend ein Bewusstsein für die Verwirklichung ihres eigenen Selbstwertes.
Mit der schrittweisen Verringerung des geschlechtsspezifischen Lohngefälles (von 9 Prozent im Jahr 2015 auf 1 Prozent im Jahr 2023) in China hat die Gruppe der Frauen im mittleren und höheren Alter beachtliche Vermögenswerte aufgebaut. Nach Angaben des Chinesischen Forschungszentrums für Alterswissenschaften wird das gesamte Konsumvolumen der älteren Bevölkerung im Jahr 2030 voraussichtlich 12 bis 15,5 Billionen Renminbi erreichen, wobei Frauen einen deutlich höheren Anteil daran haben. Der Konsum älterer Frauen hat sich von einem „existenzsichernden“ hin zu einem „qualitätsorientierten“ Konsum gewandelt und umfasst Bereiche wie Gesundheitsversorgung, Tourismus und Freizeit, Schönheitspflege sowie kulturelle Unterhaltung. So lag 2024 der Anteil älterer Frauen am inländischen Tourismuskonsum in China bei 48 Prozent und wurde damit zu einer wichtigen Stütze des Tourismusmarktes. Immer mehr ältere Frauen nutzen Smartphones, Wearables und andere technologische Produkte; über Kurzvideos und Livestreams informieren sie sich, gestalten ihre Freizeit und beteiligen sich sogar am Online-Konsum.
Gleichzeitig stehen jedoch „versteckte vulnerable Gruppen“ unter den älteren chinesischen Frauen – insbesondere in ländlichen Gebieten – vor dem Problem niedriger Renten, sodass Ausgaben für medizinische Versorgung und Pflege oft eine erhebliche Belastung darstellen. Ältere Frauen sind zudem überdurchschnittlich häufig von chronischen Krankheiten betroffen, was die medizinische Last erhöht. Statistiken zufolge sind drei Viertel von ihnen erkrankt; gynäkologische Erkrankungen und Osteoporose treten besonders häufig auf.
Im raschen Modernisierungsprozess werden ältere Frauen in China zudem häufig gesellschaftlich marginalisiert; ihr Bedarf an emotionaler Zuwendung bleibt vielfach unzureichend gedeckt. Ein Teil der älteren Frauen lebt dauerhaft allein, verfügt über wenig soziale Kontakte und ist daher anfälliger für Gefühle von Einsamkeit und Depression.
Garantien für ältere Frauen
Wie sich für ältere Menschen – einschließlich älterer Frauen – „Sicherheit und Versorgung im Alter“ gewährleisten lassen, ist eine zentrale Frage der Altenpolitik von Partei und Staat in China. Der Bericht des 20. Parteitags der Kommunistischen Partei Chinas betont ausdrücklich die „Umsetzung einer nationalen Strategie zur aktiven Bewältigung der Bevölkerungsalterung, die Entwicklung von Altenhilfe und Pflegewirtschaft, die Optimierung der Dienstleistungen für alleinstehende und verwitwete ältere Menschen sowie die Förderung des Zugangs aller älteren Menschen zu grundlegenden Altenpflegediensten“ und hebt damit die Universalität und Gerechtigkeit grundlegender Pflegeleistungen hervor.
Der 2022 veröffentlichte „14. Fünfjahresplan zur Entwicklung der Altersarbeit und des Systems der Altenpflegedienste“ legt als Ziel fest, das System grundlegender Altenpflegedienste weiter zu vervollkommnen, ein inklusives Versorgungssystem kontinuierlich auszubauen, die Struktur des Dienstleistungsangebots zu optimieren, die Qualität der Pflegeleistungen nachhaltig zu verbessern und das Konsumpotenzial im Bereich der Altenpflege umfassend zu erschließen.
Das 2022 revidierte „Gesetz zum Schutz der Rechte und Interessen der Frauen“ schreibt ausdrücklich vor, dass die Regierungen aller Ebenen in China sowie die zuständigen Behörden den Schutz der Rechte älterer Frauen und anderer benachteiligter Frauengruppen verstärken und Unterstützungsleistungen wie Lebenshilfe sowie Unterstützung bei Beschäftigung und Existenzgründung bereitstellen sollen. Das 2018 revidierte „Gesetz zum Schutz der Rechte und Interessen älterer Menschen“ bietet darüber hinaus eine rechtliche Grundlage für Unterhaltsansprüche, medizinische Versorgung und soziale Dienstleistungen älterer Frauen in China.
Anhebung des Renteneintrittsalters
Am 1. Januar 2025 hat China mit der schrittweisen Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters für männliche und weibliche Beschäftigte begonnen. Innerhalb von 15 Jahren soll das gesetzliche Rentenalter von bislang 50 beziehungsweise 55 Jahren angehoben werden. Diese Unterscheidung ergibt sich aus den historisch unterschiedlichen Arbeitsbedingungen und Verwaltungsanforderungen: Die Altersgrenze von 50 Jahren galt für Arbeiterinnen, die von 55 Jahren für leitende Angestellte. Für Frauen mit einem bisherigen Renteneintrittsalter von 50 Jahren wird das Rentenalter alle zwei Monate um einen Monat erhöht, bis 55 Jahre erreicht sind; für Frauen mit einem bisherigen Renteneintrittsalter von 55 Jahren erfolgt eine Erhöhung um einen Monat alle vier Monate, bis 58 Jahre erreicht sind.

Die Auswirkungen dieser Reform auf die Frauenrechte bestehen im Kern in der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen der Verlängerung des Erwerbslebens und den besonderen Bedürfnissen von Frauen. Durch die Angleichung des Renteneintrittsalters von Männern und Frauen und die schrittweise Verringerung beziehungsweise Aufhebung des bisherigen Unterschieds wird mit der traditionellen Vorstellung gebrochen, Frauen sollten früher in Rente gehen, und es werden gleiche Entwicklungschancen im Berufsleben gefördert.
Eine längere Beitragsdauer ermöglicht es Frauen, mehr Rentenversicherungsbeiträge anzusammeln, wodurch sich ihre Rentenansprüche entsprechend erhöhen. Dies trägt dazu bei, den wirtschaftlichen Druck im Alter zu mindern, insbesondere für Frauen in schwierigen Beschäftigungsverhältnissen und für Geringverdienerinnen, bei denen sich die langfristige Sicherungswirkung besonders deutlich zeigt. Nach der neuen chinesischen Rentenregelung können Beschäftigte nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters im Einvernehmen mit dem Unternehmen den Ruhestand flexibel aufschieben; die Verlängerung darf höchstens drei Jahre betragen. Dies bietet Frauen, die in der Lage und bereit sind, weiterzuarbeiten, einen verlängerten beruflichen Lebenszyklus, ermöglicht eine längere Teilhabe am gesellschaftlichen Produktionsprozess und stärkt ihre gesellschaftliche Stellung sowie ihr Zugehörigkeitsgefühl.
Soziale Absicherung
Durch die Einführung der Grundrentenversicherung für Stadt- und Landbewohner hat China speziell ältere Frauen in ländlichen Gebieten sowie nicht erwerbstätige ältere Frauen in das Sicherungssystem einbezogen. Bedürftigen älteren Frauen werden Beitragszuschüsse gewährt; zugleich wird sichergestellt, dass sie Anspruch auf den Bezug einer Basisrente haben. Bei der Ausgestaltung der Rentenversicherungspolitik werden sowohl Gerechtigkeitsaspekte als auch geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigt: Rentenanpassungen erfolgen zugunsten von Frauen, insbesondere zugunsten hochbetagter Frauen und jener mit längeren Beitragszeiten, wodurch ihr Rentenniveau angehoben wird.
Zudem wird das System der grundlegenden Krankenversicherung für Stadt- und Landbewohner kontinuierlich verbessert. Für bedürftige ältere Frauen werden staatliche Zuschüsse zur Krankenversicherung gewährt; Selbstbehalte bei stationären und ambulanten Behandlungen werden gesenkt und Erstattungssätze erhöht, um ihre medizinische Kostenbelastung zu reduzieren. Ferner sieht die Versicherung für schwere Erkrankungen höhere Erstattungssätze für ältere Frauen vor, um zu verhindern, dass schwere Krankheiten zu Armut führen.
Die chinesische Regierung treibt zugleich den Aufbau eines differenzierten Pflegesystems voran und bietet älteren Frauen vielfältige Optionen wie häusliche Pflege, gemeindenahe Betreuung und stationäre Einrichtungen. So haben beispielsweise in Chongqing eingeführte Programme zur Essensversorgung für ältere Menschen gute Ergebnisse erzielt. Bis Anfang 2025 verfügte Chongqing über 1.695 Senioren-Kantinen und Ausgabestellen für Mahlzeiten, wodurch im Wesentlichen ein Versorgungsnetz entstanden ist, das „Stadt und Land abdeckt, ausgewogen verteilt und leicht zugänglich“ ist. Diese Einrichtungen befinden sich überwiegend in Wohngebieten mit hoher Bevölkerungsdichte sowie in Gegenden mit einer Konzentration bedürftiger älterer Menschen, sodass ältere Frauen wohnortnah Mahlzeiten einnehmen können. Die Essensversorgung löst nicht nur praktische Versorgungsprobleme; dank subventionierter, relativ günstiger Preise trägt sie auch erheblich dazu bei, ein Abrutschen in die Armut zu verhindern. Landesweit wurden inzwischen rund 360.000 Seniorenkantinen und Essensausgabestellen eingerichtet, womit städtische Wohnviertel sowie über 80 Prozent der ländlichen Verwaltungseinheiten abgedeckt sind.
Kinderbetreuung
In China übernehmen ältere Frauen häufig einen großen Teil der Betreuung ihrer Enkelkinder, was viel Zeit in Anspruch nimmt. Mit dem Ausbau allgemein zugänglicher Kinderbetreuungsangebote – etwa durch gemeindenahe Betreuungseinrichtungen und öffentlich geförderte Kindergärten – werden ältere Frauen zunehmend von der intensiven Enkelbetreuung entlastet. Dadurch gewinnen sie Zeit, um etwa an öffentlichen Tanzaktivitäten teilzunehmen, eine Seniorenuniversität zu besuchen oder einfach zu Hause in Ruhe zu lesen und neue Lebensfreude zu finden. Die Verbesserung der Kinderbetreuung und die Stärkung der sozialen Sicherung schaffen gemeinsam bessere Lebensbedingungen für ältere Frauen in China und tragen dazu bei, dass viele von ihnen versorgt sind, Freude am Leben haben und sich weiterhin einbringen können.
Unsere Autorin ist Assistant Professor an der Schule für Geistes- und Sozialwissenschaften der Peking University Shenzhen Graduate School.









