USA wollen Kontrolle über den globalen Energiemarkt. Iran greift US-Basen in der Region an

Golfstaaten in der Bredouille

Schon wenige Tage nach Beginn des Krieges gegen den Iran haben die Golfstaaten versucht, US-Präsident Donald Trump davon zu überzeugen, den Krieg möglichst bald zu beenden. Mal ist in Medienberichten von einer Initiative der Vereinigten Arabischen Emirate und Katars die Rede, mal soll Saudi-Arabien ein baldiges Ende des Krieges verlangen. Sie alle befürchten die Zerstörung der Infrastruktur und das Ende ihres Geschäftsmodells.

Auch die EU hat solche Befürchtungen. In einer gemeinsamen Erklärung der EU und des Golfkooperationsrates (GCC) heißt es, die Stabilität am Persischen Golf sei ein Pfeiler der globalen Wirtschaft und Sicherheit. In der Erklärung heißt es auch, die iranischen Angriffe auf die Staaten des GCC seien durch nichts zu rechtfertigen.

Dabei wird die iranische Regierung nicht müde zu betonen, dass ihre Angriffe nicht den Golfstaaten gelten, sondern direkten wirtschaftlichen Inte­ressen der USA und vor allem ihren Militäreinrichtungen, die den Angriff auf den Iran tragen. Und davon gibt es seit Langem sehr viele. Es fing schon im Jahr 1944 mit dem Dhahran Airfield an (heute: King Abdulaziz Air Base). Die Anlage ist heute unter der Kontrolle Saudi-Arabiens. 1971 übernahmen die USA einen Marinestützpunkt in Bahrain von der britischen Marine und bauten ihn weiter aus. Heute ist dort das Kommando der 5. Flotte der USA stationiert.

Jeder neue Krieg brachte weitere US-Stützpunkte: die Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien im Jahr 1990, seit 1999 das Camp Arifjan in Kuwait und seit 2001 die Al-Udeid Air Base für 10.000 US-Soldaten in Katar. Die Al-Dhafra Air Base in den Emiraten beherbergt nicht nur US-Soldaten, sondern auch französische Einheiten.

Alle diese Anlagen sind seit Beginn des US-israelischen Angriffs Ziele für die Raketen des Iran. Und die Schäden, die sie anrichten, sind enorm: Fünf große Radaranlagen, die je nach Ausführung 500 Millionen bis eine Milliarde US-Dollar kosten, wurden beschädigt oder zerstört, wie Satellitenaufnahmen zeigen. Viele der Soldaten dieser Einrichtungen wurden schon vor Kriegsbeginn evakuiert.

Der Iran macht deutlich, dass er das US-Militär aus der Region vertreiben will. Präsident Massud Peseschkian betont, dass die regionale Sicherheit von den Ländern der Region garantiert werden müsse, nicht von ausländischen Kräften.

Die Monarchen vom Golf sehen, dass sie sich nicht mehr auf den Schutz durch die USA verlassen können, um ihre Profite aus dem Handel mit Öl und Gas unbesorgt einzufahren. Nach Venezuela nun der Iran: Die USA wollen die Kontrolle über den weltweiten Energiemarkt.

Die Milliarden aus den Ölgeschäften, die Touristen und Geschäftsleute, die in die Golfstaaten kamen, und die Szenerie der Moderne am Golf ließen Palästina für die Golf-Monarchen vollständig in den Hintergrund treten. Für sie waren die Palästinenser Störenfriede und Spielverderber.

Trotz ihrer engen Bindung an die USA und Israel sind die Könige in diesem Krieg nur zweite Wahl. Über Jahre hinweg zu ungeheuren Kosten produzierte Patriot-Luftabwehrraketen werden in wenigen Tagen aufgebraucht. Beim Versuch, Ersatz zu erhalten, müssen sich die Golfstaaten hinter Israel in der zweiten Reihe anstellen.

Mittlerweile forderten die Botschafter der Golfstaaten Russland auf, Druck auf den Iran auszuüben, um die „Aggression des Iran“ zu beenden. Russlands Außenminister Sergej Lawrow betonte dagegen, dass die Aggression der USA während der laufenden Verhandlungen nicht einfach hingenommen werden dürfe.

Khalaf al-Habtoor, Milliardär und Förderer der Abraham-Abkommen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten, warf Trump in einem offenen Brief auf X vor: „Sie haben die Länder der Region einer Gefahr ausgesetzt, die sie nicht selbst gewählt haben.“

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"Golfstaaten in der Bredouille", UZ vom 13. März 2026



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