Allein die Tatsache, dass die Ukraine und Russland an einem Tisch sitzen und reden, lässt die Führungsfigur der Grünen Franziska Brantner aufschrecken und immer weitreichendere Waffenlieferungen fordern. Der Gründungsmythos der damaligen Umweltpartei wurde schon mit dem völkerrechtswidrigen Überfall auf Jugoslawien nachhaltig ad absurdum geführt und die Parteifarbe Grün betreffs Ökologie/Frieden/Emanzipation pervertiert. Man fragt sich nach der Bildung und dem prägenden Umfeld dieser Parteiführung, die vom Krieg gegen Russland redet. Das unermessliche Leid und der Tod hunderttausender Soldaten, die großflächigen Zerstörungen auch der Umwelt als Ergebnis des deutschen Faschismus interessieren sie nicht. Der US-Finanzminister Henry Morgenthau hatte 1944 den Vorschlag unterbreitet, aus Deutschland einen reinen Agrarstaat zu machen, um für alle Zukunft seine militärischen Möglichkeiten einzuhegen. Aber das neue Weltbild des Westens – „Wir haben das falsche Schwein geschlachtet“ (Churchill) – ließ die Option nicht zu. Im Land der Dichter und Denker wurde ab 1956 wieder fleißig aufgerüstet und Strauß drohte im Bundestag, „wenn es wieder einen Fall gibt, dann den Fall Rot“. Nach der Übernahme der DDR 1990 war Deutschland wieder stark und mischte sich bis hin zum Hindukusch mit deutschen Qualitätswaffen erneut ins Weltgeschehen ein. Es bleibt nur zu hoffen, dass die nächste Generation sich nicht mehr von patriotischem Geschwafel bis zur Pflege des Feindbildes Russland zum Wohle der Rüstungsaktionäre blenden und verheizen lässt.
Grüne sehen rot
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"Grüne sehen rot", UZ vom 6. Februar 2026


