General Motors will die Tochtergesellschaft Opel verkaufen

Kein guter Plan

Von Klaus Stein

Trump war noch gar nicht im Amt, als er Anfang Januar per Twitter dem US-Autobauer General Motors (GM) Beine machte. Das Modell Chevy Cruze werde in Mexiko hergestellt und in die USA geliefert, ohne dass GM Steuern bezahle. „Stellt in den USA her oder zahlt hohe Zölle!“ Von 35 Prozent war schon im Wahlkampf die Rede gewesen. GM versprach eilfertig, eine Milliarde Dollar in US-Standorte zu investieren.

Karl-Thomas Neumann ist seit März 2013 Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, die zu GM gehört. Opel beschäftigt in Europa 38000 Arbeiter, davon die Hälfte in Deutschland. In Rüsselsheim sind es 15000 Mitarbeiter. 7 700 sind in Rüsselsheim mit Forschung und Entwicklung befasst. 4 000 Arbeiter fügen dort die Modelle Insignia und Zafira zusammen.

Opel ist seit 1999 auf rote Zahlen ausgerichtet. Anfang Februar war es wieder so weit. Das Europa-Geschäft wies für 2016 einen Verlust von 257 Millionen Dollar aus. Immerhin 600 Millionen Dollar weniger als 2015. Neumann unverdrossen, es sei das beste Jahresergebnis seit zehn Jahren. Allein Brexit-Votum und Pfund-Abwertung hätten die Bilanz verhagelt.

Nun will General Motors die Tochtergesellschaft Opel verkaufen. An wen?

Am 14. Februar wird öffentlich, dass GM mit dem französischen Autohersteller PSA (Peugeot Société Anonyme) verhandelt. Nach Volkswagen ist PSA die Nr. 2 in Europa. Carlos Tavares, seit 2014 Vorstandsvorsitzender von PSA, hat den Konzern mittlerweile saniert. Die Produktion von 3,6 Millionen Fahrzeugen in 2010 war zwei Jahre später auf 3 Millionen gesunken, ein Verlust von 4,9 Milliarden Euro aufzufangen. 2015 konnte wieder ein Gewinn verbucht werden. Einsparungen durch Druck auf die Zulieferer und Personalabbau bei Produktion und Verwaltung verdoppelten den Nettogewinn für das Jahr 2016 auf 1,7 Milliarden Euro, obwohl sich der Umsatz um ein Prozent auf 54 Milliarden Euro verringerte. Der Gewinn stieg von fünf auf sechs Prozent. Die Freude darüber teilten sich institutionelle Anleger sowie zu je 13,7 Prozent der französische Staat, die Familie Peugeot sowie der chinesische Autobauer Dongfeng. Erstmals nach sechs Jahren wird eine Dividende ausgezahlt. Und Nettobarmittel in Höhe von 6,8 Milliarden Euro verlangen nach gewinnbringender Anlage.

Es geht darum, mit weniger Arbeitern mehr Autos herzustellen und zu verkaufen. Wo kann in Rüsselsheim gespart werden? Bei der Entwicklung? Bei der Produktion? Wer von den 2 140 Arbeitern, die in Kaiserlautern Motoren und Fahrwerkskomponenten bauen, soll den Synergieeffekten geopfert werden? Wer von den

1 850 Opelwerkern in Eisenach muss dran glauben?

In Turin sind es 700, im polnischen Gliwice 3 270, in Tychy 410, im spanischen Figuerolas bei Saragossa 5 080, im britischen Ellesmere Port 1 830, in Luton 1 530, im österreichischen Aspern 1 390, im ungarischen Szentgotthard 1 210 Arbeiter, die Opel-Fahrzeuge oder Teile davon zusammenschrauben.

Tavares gibt der Beschäftigungsphantasie viel Nahrung. Er „schließt nicht aus“, Opel-Modelle außerhalb von Westeuropa zu verkaufen, was bisher wegen der GM-Marktstrategie nicht möglich war. „Wenn PSA das Sagen hat“ dürften Fahrzeuge der Marke Opel künftig auf US-amerikanischen Straßen fahren. Auf die E-Technik, von GM für den Opel Ampera zur Verfügung gestellt, sei man nicht angewiesen. „Die Technologie haben wir selbst. Von 80 Prozent aller wichtigen PSA-Modelle wird es bis 2023 eine E-Version geben.“

Und er verspricht, dass Opel als deutsches Unternehmen erhalten bleibt. „In einigen Märkten sind die Kunden nicht bereit, französische Marken zu kaufen.“ „Der Kauf ist nur sinnvoll, wenn wir Opel als deutsches Unternehmen erhalten. Als deutsche Marke, mit deutscher Ingenieurtechnik, als Ergänzung zu den französischen Marken.“ Aber auch die fälligen Grausamkeiten werden deutschen Managern und ihrer Autonomie überlassen. „Der Turnaround muss von innen kommen,“ fordert Tavares. „Das Opel-Team kann mit Vorschlägen kommen. PSA wird Unterstützung geben und einige Benchmarks vorlegen, die man in Deutschland heute noch nicht kennt.“

Die Beschäftigungsgarantie, zu der sich GM verpflichtet hatte, behalte ihre Geltung – bis Ende 2018. Diese Frist wird schnell verstrichen sein. Es geht zunächst um 6 500 bis 10 000 Arbeitsplätze.

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"Kein guter Plan", UZ vom 3. März 2017



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