Florian Hahn, seit dem vergangenen Jahr Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen und davor verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU, führte, angesprochen auf die Wehrpflicht für Frauen, im „Bayerischen Rundfunk“ Folgendes aus: „Ich persönlich sag, man darf auch nicht übersehen: (…) Wir haben einen Unterschied, der immer bleiben wird: die Frauen sind diejenigen, die Kinder bekommen und deswegen einen Teil ihrer Lebenszeit damit verbringen, nämlich Kinder zu gebären, neun Monate schwanger zu sein et cetera. Das ist auch ein großer wichtiger Beitrag für unsere Gesellschaft.“
Diese „Frauen zu den Kindern und Männer an die Front“-Mentalität führt in einigen Kreisen zu ganz neuen Auswüchsen „feministischer Außenpolitik“. Innerhalb der Grünen wird mit dem Argument der „Geschlechtergerechtigkeit“ schon länger über Zwangsdienste für alle diskutiert. Zum Parteitag der CDU fordert jetzt auch die Frauenunion in einem Antrag, die Fragebögen zur Erfassung der Kriegstüchtigkeit müssten für alle verpflichtend sein, langfristig bräuchte es ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr. Die Befreiung der Frau endet in diesen Kreisen wohl dabei, gleichberechtigt im Schützengraben zu sterben. Die richtige Antwort auf „Wehrpflicht für Männer“, ist nicht „Wehrpflicht für alle“, sondern „Wehrpflicht für niemand“! Zumindest dann, wenn es einem nicht um NATO-Vormachtstellung und deutsches Großmachtstreben, sondern um die Befreiung der Frau geht.
Damit sich der Zwangsdienst für alle aber trotzdem irgendwie nach „Befreiung“ anfühlt, muss sich noch einiges am Image tun. Boris Pistorius (SPD) hatte deshalb schon versprochen, dass die Musterungen in Zukunft ohne Demütigung und menschenwürdig verlaufen sollen. Junge Menschen können sich, wenn diese Zusicherung stimmt, also darauf freuen, bei der Musterung keinen größeren Schaden zu nehmen, bevor es an die Front geht.
Aber auch die Bundeswehr als Ganzes arbeitet an ihrem Image und kämpft dabei gegen die Realität, denn die Zahlen rassistischer und sexistischer Vorfälle innerhalb der Bundeswehr steigen. Im „Aktionsplan Luftlandetruppe“ heißt es beispielsweise: „Im Jahr 2025 ist eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Verstößen gegen Grundsätze der Inneren Führung, darunter teils schwerwiegende Dienstvergehen und Wehrstraftaten, vor allem aus den Bereichen ‚sexualisiertes Fehlverhalten‘, ‚Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz‘ sowie ‚extremistische Verhaltensweisen‘ bekannt geworden“. Sexistische Übergriffe von zugekoksten Rassisten entsprechen leider nicht dem gewünschten Image, deshalb wird mit großen Online-Kampagnen dagegengehalten. Influencer mit mehreren Millionen Followern, darunter auch viele Minderjährige, werden zu „Trainingscamps“ der Bundeswehr eingeladen, die in der Regel eher nach coolem Action-Urlaub aussehen und nicht nach der Ausbildung fürs Töten und Sterben.
Doch die Jugend lässt sich nicht verarschen. Weder vom angeblichen Feminismus, der das gleichberechtigte Sterben im Krieg propagiert, noch davon, dass die von Faschisten aufgebaute Bundeswehr mit ihrem strukturellen Sexismus und der festen Verankerung faschistischer Netzwerke nun den nächsten Versuch unternimmt, ihr Image reinzuwaschen. Die meisten wissen: die Bundeswehr ist kein Ort für junge Menschen, weder für Männer noch für Frauen.
Alle Umfragen zeigen: Jugendliche sind nicht bereit in den Krieg zu ziehen. Der Protest gegen die Wehrpflicht zeigt: Sie lassen sich auch nicht zwingen. Während an diesem Samstag in München bei den Protesten gegen die sogenannte „Sicherheitskonferenz“ auch gegen die Wehrpflicht demonstriert wird, wird in Göttingen der nächste Schulstreik am 5.März vorbereitet und organisiert. Der Protest gegen die Wehrpflicht geht also weiter und er hat das Potenzial, zu einer großen antimilitaristischen Jugendbewegung zu werden und damit zur Stärkung der Friedensbewegung beizutragen.









