Trotz Waffenstillstand massive Angriffe Israels

Keine Sicherheit für den Libanon

Das Gespräch währte nur kurz. US-Senator Lindsey Graham, einer der radikalsten Falken im US-Senat, fragte den libanesischen Armee-Chef Rodolphe Haykal bei seinem Besuch in Washington, ob er die Hisbollah nicht für eine terroristische Gruppe halte. Haykal antwortete knapp: „Nein, nicht im Kontext des Libanon.“ Damit beendete Graham das Gespräch. Inzwischen gehen Israels Angriffe auf den Libanon und die Hisbollah unverändert weiter. Erneut wurden am Samstag schwere Bombardierungen gemeldet.

Als der damalige US-Präsident Joseph Biden und der französische Präsident Emmanuel Macron im November 2024 ein Ende der Kämpfe zwischen der Hisbollah und Israel verkündeten, hieß es in ihrer Erklärung: „Diese Ankündigung wird die Bedingungen für eine anhaltende Ruhe schaffen und den Anwohnern auf beiden Seiten ermöglichen, in ihre Heimatorte zurückzukehren.“

Tatsächlich aber hat Israel den Waffenstillstand allein im letzten Quartal 2025 nach libanesischen Angaben mehr als 2.000 Mal gebrochen und dabei 400 Personen getötet. Das libanesische Außenministerium hat deshalb eine formale Beschwerde bei den Vereinten Nationen eingereicht.

Das Ziel der anhaltenden Angriffe sind nicht so sehr Mitglieder und Führungskräfte der Hisbollah. Vielmehr soll die soziale Basis der Hisbollah eingeschüchtert und geschwächt werden, wie es Israel schon während der Hochphase des Krieges mit Erfolg unternahm.

Dazu gehören Aktionen wie der Einsatz von Herbiziden auf libanesischem Gebiet durch israelische Flugzeuge. Die Auswirkungen der eingesetzten Stoffe auf Menschen und Umwelt sind unbekannt. Vertreter der Vereinten Nationen erinnerten während einer Pressekonferenz in Genf daran, dass jede Tätigkeit der israelischen Armee nördlich der „Blauen Linie“ eine Verletzung des Waffenstillstandes darstellt.

Inzwischen wird jedoch auch im Libanon der Druck auf die Hisbollah erhöht. Ihre Waffen südlich des Litani-Flusses wurden entfernt beziehungsweise von der Armee übernommen. In Zukunft soll sie im gesamten Libanon entwaffnet werden – auf finanziellen und politischen Druck der USA hin soll das möglichst schnell erledigt werden. Der libanesische Informationsminister betonte aber, dies solle ohne direkte Konfrontation geschehen.

Welche Rolle die Hisbollah in Zukunft spielen will, ist intern offenbar umstritten. Sie verurteilt die wiederholten israelischen Angriffe und fordert Maßnahmen des libanesischen Staates und der Armee – nicht der Hisbollah – zum Schutz der Bürger im Süden des Landes. Innerhalb der Organisation gibt es aber offenbar Kräfte, die diese entgegenkommende Haltung ablehnen. Wafic Safa, ein hochrangiger Organisator und seinerzeit enger Verbündeter von Hassan Nasrallah, verfolgte eine härtere Linie, reichte aber nun seinen Rücktritt ein. Der wurde vom Shura-Rat, dem höchsten Gremium der Hisbollah, angenommen.

In Israel dagegen gibt es erste Ansätze, Siedlungsbau auch im Libanon zu betreiben. Das wird beispielsweise von der „Uri-Tzafon-Bewegung“ und ihren etlichen Tausend Anhängern gefordert. Unter den Augen des israelischen Militärs demonstrierte eine kleine Gruppe von zwei Dutzend ihrer Mitglieder an der Grenze zum Libanon, zwei von ihnen drangen kurzfristig auf libanesisches Gebiet vor.

Mehr als 10.000 israelische Luft- und Bodenangriffe auf den Libanon erfolgten seit Beginn des Waffenstillstands. Das Muster folgt tatsächlich der Erklärung von Macron und Biden, in der es auch heißt: „Das Abkommen sichert Israel vor Bedrohungen durch die Hisbollah.“ Sicherheit für den Libanon ist nicht gegeben.

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"Keine Sicherheit für den Libanon", UZ vom 20. Februar 2026



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