Die Winterspiele 2026 finden ohne Russland und Belarus statt

Nicht dabei sein ist alles

In zwei Wochen findet die Eröffnungsfeier für die 25. Winterspiele in Mailand statt. Wer im Olympiastadion live dabei sein will, konnte auf offiziellem Weg Karten ab 260 Euro aufwärts erwerben. Plätze im Unterrang können über 2.000 Euro kosten. Fazit: Geringverdiener sind von den Winterspielen schon mal ausgeschlossen.

Mit dabei sein werden rund 3.500 Athletinnen und Athleten aus über 90 Ländern, die in acht Sportarten und 116 Wettkämpfen antreten. Benin, Guinea-Bissau und die Vereinigten Arabischen Emirate werden zum ersten Mal an Winterspielen teilnehmen.

Russland und Belarus gehören traditionell zu den stärksten Wintersportnationen, die Nationalen Olympischen Komitees sind von einer Teilnahme jedoch ausgeschlossen. Wie bei den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris dürfen einzelne Sportlerinnen und Sportler aus Russland und Belarus zwar teilnehmen, treten aber nicht für ihre Länder an.

Unter den „Glücklichen“ befindet sich fünf Sportlerinnen und Sportler aus Russland sowie eine aus Belarus. Die „Berliner Zeitung“ schreibt dazu: „Sie alle starten ohne Flagge, ohne Hymne, ohne nationale Farben auf ihrer Sportkleidung. Außerdem dürfen die Russen und Belarussen nicht an der Eröffnungsfeier teilnehmen.“

Aber es geht nicht nur um Olympia. Die Liste der sportlichen Wettbewerbe, von denen russische Teams ausgeschlossen sind, ist lang und betrifft sowohl Europa- und Weltmeisterschaften wie auch internationale Vereinswettbewerbe. Begründet wird dies mit dem Krieg in der Ukraine beziehungsweise berief sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) auf den „Olympischen Frieden“, der von Russland gebrochen worden sei.

Die Ausführungen dazu sind durchaus interessant. Das IOC schreibt in einer Stellungnahme vom 28. Februar 2022, dass kein fairer Wettbewerb gegeben sei, wenn durch den Krieg Sportlerinnen und Sportler aus der Ukraine an der Teilnahme von Wettbewerben gehindert werden, während ihre Konkurrenten aus Russland und Belarus in der Lage wären, ungehindert anzutreten.

Richtig interessant wird es, wenn diese Argumentation auf Israel angewendet wird. Die „Sportschau“ zitierte dazu eine weitere Stellungnahme des IOC aus dem Jahr 2025: „Sowohl das Nationale Olympische Komitee Israels als auch das Palästinas werden vom IOC anerkannt und haben die gleichen Rechte. Beide halten sich an die Olympische Charta und wir arbeiten weiterhin mit ihnen zusammen, um die Auswirkungen des aktuellen Konflikts auf die Athleten zu mildern.“

Das ist der deutlichste Fall von IOC-Heuchelei. Weitere können angeführt werden. Sind Athletinnen und Athletinnen in Syrien, Iran, Venezuela, Kuba, … angesichts der US-Aggressionen gegen ihr Land nicht „eingeschränkt“? Was ist mit den Angriffen Saudi-Arabiens auf den Jemen? Es gäbe so viele Beispiele in der Geschichte, die einen Ausschluss der USA, Israels und zahlreicher weiterer Länder (allen voran England, Frankreich, Deutschland) rechtfertigen würden.

Die internationalen Sportverbände werden sich in den nächsten Jahren organisatorisch und inhaltlich neu ausrichten müssen, wenn sie weiterhin Sportwettbewerbe ausrichten wollen, die den Namen „Weltmeisterschaft“ oder „Europameisterschaft“ auch wirklich verdienen. Russland hat bereits begonnen, eigene internationale Wettbewerbe zu veranstalten. Die Volksrepublik China zeigt seit den Olympischen Spielen 2008 in Peking, dass sie willens und in der Lage ist, eine größere Rolle im internationalen Sport einzunehmen.

Wenn das IOC und die großen Sportverbände nicht in der Lage sind, dem Rechnung zu tragen, dann werden sie in regionale oder sich überschneidende Strukturen zerfallen.

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"Nicht dabei sein ist alles", UZ vom 23. Januar 2026



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