Derweil laufen die Vorstellungen von 22 Kandidatinnen und Kandidaten. Ob das bis zum geplanten Ende des Parteitags um 22.30 Uhr machbar ist, darf bezweifelt werden. Wieder wird in Fünfergruppen vorgestellt und nachgefragt.
Alexander Kauz aus Baden-Württemberg findet, dass Heidi Reichinnek die nächste Bundeskanzlerin werden müsse. Ein Delegierter klatscht – ist das schon der „stille Applaus“ oder war die Forderung einfach etwas übers Ziel hinausgeschossen?
Ansonsten hält sich der Spaß in Grenzen. Aber die enorme politische Bandbreite, die sich schon bei der Wahl zur quotierten Liste bemerkbar gemacht hat, findet sich auch hier wieder. So kandidiert Artyom Stassyuk, der laut seiner schriftlichen Bewerbung gegen „gegen falschen Pazifismus auf Kosten ukrainischer Leben“ antreten möchte. Er hatte bereits vor zwei Jahren kandidiert und sich für Waffenlieferungen an die Ukraine ausgesprochen.
Und dann gibt es noch einen skurrilen Auftritt aus Hamburg. Gerd Schnepel wendet sich vor allem gegen das „Regime“ in Nicaragua und betont das Selbstbestimmungsrecht der Menschen gegen die eigenen „Regime“ – manche würden gar sagen, das gelte auch für Kuba. Oha. Was er uns sagen will, außer, dass er weder mit Nicaragua, dem von den USA überfallenen Venezuela, noch dem einer völkermörderischen Blockade ausgesetzten Kuba solidarisch ist, wissen wir nicht. Er will keine Herrschenden, nirgendwo. Sein Kandidaturbild zeigt ihn übrigens, wie er auf einem Boot durch die Gegend geschippert wird, vermutlich in Nicaragua.