„In die Fresse“

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Heidi Reichinnek und Sören Pellmann sollten über die Arbeit der Bundestagsfraktion berichten. (Foto:UZ)

Etwas später als angekündigt treten die Fraktionsvorsitzenden der „Linken“ im Bundestag, Heidi Reichinnek und Sören Pellmann, ans Mikrofon. Reichinnek redet los, Pellmann steht zunächst etwas verloren daneben.

„Liebe GenossInnen, ihr wunderschönen Menschen“, beginnt sie. Jeden Tag „in die Fresse“ bekomme man durch die Politik der Bundesregierung, so Reichinnek. Es folgen Kampfansagen an Bundeskanzler Friedrich Merz und Aufrufe zur Verteidigung des Acht-Stunden-Tags. Wie die Regierung mit Rentnerinnen und Rentnern umgehe, sei „würdelos“. Und auch bei Kindern und Jugendlichen soll gespart werden, skizziert Reichinnek den kommenden Kahlschlag. Oder in ihren Worten: Alle kriegen gleichermaßen „aufs Maul“. Dann gegen Wehrpflicht, dann gegen Klimazerstörung, dann Kritik an Lobbyismus und Wirtschaftministerin Reiche.

Immer schneller und immer schneller nutzt Reichinnek die enge Redezeit. Dann Flucht und Migration. Und dann noch Antifa: „Nazis bleiben Nazis“, die eben Nazisachen machen. „Wir Linke sind das Bollwerk gegen den Faschismus“, so Reichinnek. Dann begrüßt sie noch die neuen Delegierten und freut sich über den wahlpolitischen Aufstieg ihrer Partei. „Wir sind sowas von wieder zurück, liebe Genossinnen und Genossen“. Dann Heizkostencheck, Mietenberatung und andere Wohltaten. Dann noch ein paar Worte gegen „Kulturkampf“ und für Klassenkampf, in dem jeder einen Platz habe. Dann noch Lob für die queere Bewegung, dann noch Ärger über Milliardäre. Dann noch weltweite Armut und die Forderung nach einer Vermögenssteuer. Übergeleitet zum Zerfall der Infrastruktur und zu fehlenden Frauenhausplätzen. Dann nochmal Milliardäre, sollte es nicht geben, findet Reichinnek. „Taxt the Rich“ und „Vermögenssteuer jetzt!“. Und eine andere Gesellschaft will man auch, Hoffnung organisieren und Verhältnisse umstürzen.

Dann überraschend der sehr ernste Aufruf, sich an die „Roten Linien“ der Partei zu halten. Wer diese nicht teile, habe „den falschen Mitgliedsantrag ausgefüllt“, droht Reichinnek. Wen sie genau meint, sagt sie nicht. Aber im Kontext vergangener Äußerungen meint sie wahrscheinlich den „Stalinismus“, den es in der Linksjugend angeblich geben soll. Man werde nicht zulassen, dass einzelne Genossen die Parteimitglieder „in den Dreck ziehen“, weil sie glauben, sie könnten „die Partei vor sich hertreiben“. Wer die gemeinsamen Grundwerte missachtet, müsse auch mit „den Konsequenzen klarkommen“. Harte Ansage, und dann ohne Pause weiter. Landtagswahlen. Hauptaufgabe sei es, die „Brandmauer“ zu sein. Lob für die Spitzenkandidatinnen… ach, wir geben auf.

Im Anschluss darf auch Sören Pellmann ans Mikrofon. Auch er lobt erstmal die Partei, was dann kommt, ist entweder Fauxpas oder schlechter Wortwitz: Die letzten Wahlsiege waren „eine klare Ansage: Die Linke wird in diesem Land gebraucht und Millionen stehen hinter uns.“ Zumindest wir gucken uns erschrocken an. Dann kritisiert Pellmann die Aufrüstung, und fordert ein „Europa des Friedens“. „Wir benennen die Vorgeschichte des Angriffs auf die Ukraine“, die jedoch nicht „Putins Großmachtfantasien“ rechtfertigen würde. Der Applaus ist verhalten, ohne Not findet das Linkspartei-Spitzenpersonal immer wieder zum NATO-Narrativ zurück. Auf Angriffe auf die Delegierten verzichtet Pellmann, lobt zum Abschluss noch einmal die eigene Partei und ruft zu Sozialprotesten auf. „Die Linke ist wieder da“, sagt er noch. Und bleiben werde sie auch. Musik, Abspann, Klatschen. Weiter geht’s im Parteitag.