
Bei Ines Schwerdtner läuft es anders. Der Unterschied in der Beliebtheitsskala ist nicht zu übersehen. Der Saal jubelt schon für kleine Errungenschaften, etwa wenn sie ohne zu stolpern zum Pult geht. Und Schwerdtner fischt direkt weiter Sympathien, bedankt sich bei allen Helfern des Parteitags und bei ihrem Team.
Dann wird es doch mal ein bisschen ruhiger. Die Abgeordneten deckeln ihr Gehalt bereits, erklärt sie den Delegierten. Die Abgaben seien hoch. Es sei zwar wichtig, nicht „abgehoben“ zu werden. Aber die „abgehobenen Abgeordneten“ seien diejenigen der anderen Parteien, die sich von Großkonzernen kaufen lassen. Sie selbst allerdings deckelt ihr Gehalt auf einen Durchschnittslohn, lässt sie dann doch noch durchblitzen. Da kann man auch nochmal klatschen.
Die Welt sei voller Konflikte, die scheinbar nebeneinander existieren, aber doch alle zusammenhängen. Das kann man erkennen, wenn man mit „Klassenperspektive“ draufschaut. Mehr Waffen machen die Welt nicht sicherer, sagt sie. „Das ist nicht unser Krieg!“, die Delegierten klatschen. „Die alte Weltordnung ist vorbei“, so Schwerdtner. Europa habe sich „zu lange an Washington gekettet und das als Stabilität verkauft“. Nach dem Ende der transatlantischen Ordnung entstehe ein Konkurrenzkampf neuer Machtblöcke. Es sei Aufgabe der Linken dafür zu sorgen, dass die EU sich daran nicht beteilige. Sie bleibt auf Linie des Leitantrags. Vom deutschen Imperialismus, der die EU als Vehikel nutzt, spricht sie nicht.
Dann spricht sie Kuba an, kritisiert Trump und die verschärfte Blockade. Die Linke stehe an der Seite der Menschen dort, die sich „seit Jahrzehnten wehren gegen diesen US-Imperialismus“.
Schwerdtner will für einen „demokratischen Sozialismus“ streiten und „endlich eingreifen in die Logik von Markt und Profit“. Dann fordert sie noch gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West, natürlich mit Seitenhieb auf die Landtagswahlen im Osten.
Die Linke müsse über sich selbst hinauswachsen. „Wir müssen auch über unsere eigenen Ländergrenzen hinauswachsen“, so Schwerdtner. Sie fordert einen Schulterschluss mit den internationalen Schwesterparteien und endet kämpferisch: „Hoch die internationale Solidarität!“ Die Delegierten springen auf, skandieren mit, jubeln und tanzen. Wie gesagt, ein klarer Unterschied.