
Die letzte Gruppe wird durch das Vorstellungs-Frage-Spiel gelotst. Dann kann gewählt werden.
Ulrich Schneider, ehemaliger Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, stellt sich vor. Im Jahr 2022 war er aus Protest gegen Sahra Wagenknecht aus der Linkspartei ausgetreten. In diesem Jahr ist er wieder beigetreten und will den Wiedereinstieg direkt mal mit einem Einzug in den Parteivorstand krönen. Leider sind die Kandidatenlisten nach Vornamen sortiert und die bürgerliche Presse nimmt Kandidaten mit U nicht mehr mit.
Die Idee, zu kandidieren, sei ihm spontan gekommen, sagt Schneider. Er wolle nicht zusehen, wie der Sozialstaat einfach „geschreddert“ werde. Gegen den Kahlschlag, der jetzt geplant ist, sei die Agenda 2010 ein „laues Lüftchen“ gewesen. Außerdem will er verhindern, dass Menschen durch die AfD „einfach abgewertet“ werden. Schneiders Redezeit ist um, aber er bekommt es nicht mit und redet ohne Mikrofon weiter. Der Applaus ist laut und lang.
Zu später Stunde, ganz, ganz kurz vor Schluss des Zeitplans, darf sich als letzter auch noch Wulf Gallert für eine erneute Mitgliedschaft im Parteivorstand bewerben. Da ich heute schon mal falsch gelegen habe mit der Vermutung, wozu der Mann sich äußern wird, der bei vergangenen Parteitagen als wandelndes NATO-Narrativ aufgetreten ist, lausche ich gebannt.
In die drei Minuten seiner Vorstellung packt er seine Bewerbung, erneut in der Internationalen Kommission arbeiten zu wollen, die er mit Kathrin Vogler zusammen geleitet hat. Die ist allerdings nicht mehr angetreten. Aber schön geeinigt haben sie sich in ihrer Leitungsamtszeit, findet Gallert. Man habe heute viel über die EU gehört, die sei zwar schlimm, aber sie bleibe „unser Kampffeld“. Aufgabe der Linken in der internationalen Politik sei, sich um Saar-Stahl und Leuna zu kümmern, bleibt er bei seinem Redebeitrag von heute Mittag. Huch, da hatten wir selbst von Gallert ein Häuchelchen mehr an Internationalismus erwartet. Ansonsten will er das Schutzschild gegen die Nazis an der Macht sein und erwähnt noch „die beiden alten weißen Männer“, die als letztes auf der Bühne waren. Warum, bleibt Geheimnis, die Redezeit ist um, das Mikro geht aus.