Es ist soweit, die Parteivorsitzenden werden gewählt, jetzt aber wirklich. Die heute morgen noch vom Deutschlandfunk geweissagte „Spaßkandidatur“ bleibt aus. Die Kandidatenliste besteht aus Ines Schwerdtner und Luigi Pantisano.
Ines Schwerdtner spricht über das „sich neu fühlen“ in der Partei, die Skepsis, die ihr und den Plänen mit Jan van Aken entgegenschlug und dem Vertrauen, dass sie bekommen hat. Sie spricht von Fehlern, ohne sie genauer zu benennen, findet das Benennen von Fehlern aber eine „Stärke“ und zeigt „Respekt“ vor dem Mut der Mitglieder ihrer Partei.
Dann geht es um Militarisierung und Sozialkahlschlag. Dass die Gesundheitsreform nicht „heimlich still und leise“ „durchgepeitscht“ werden konnte, sei der Verdienst der Linkspartei und der von ihnen angeleiteten Proteste. Wer auf die Karte der Protestorte schaut, ist schnell ernüchtert. Dass da noch deutlich Luft nach oben ist, vor allem im Osten, erwähnt Schwerdtner nicht.
Menschlichkeit, Frieden, Demokratisierung aller Lebensbereiche, dafür stehe die Linkspartei. Wie bereits in der letzten Rede beschwört Schwerdtner die Wehrhaftigkeit der Menschen gegen die Politik für die Reichen. Es war ihr eine Ehre und wäre es wieder. Der Applaus ist kurz, die Delegierten in den Reihen vor uns unterhalten sich bei den Vorstellungen lieber. Auffällig ist, dass Schwerdtner Pantisano nur zwei Mal erwähnt. Der hatte sich nach der Bekanntgabe von van Akens Rückzug selbst vorgeschlagen. Es dauerte, bis eine Reaktion von Schwerdtner kam. Und auch jetzt bekommt man von ihr nicht den Eindruck, dass ein Team antritt.
Dann stellt sich Luigi Pantisano vor. Merz wolle „die Menschen abzocken, die jeden Tag arbeiten und bei denen das Geld trotzdem nicht reicht“. Dagegen wolle die Linke Widerstand organisieren. Der Bundeskanzler sei „weltfremd und abgehoben“ und die SPD mache „diese ganze Scheiße auch noch mit“. Pantisano erinnert an die Proteste gegen Hartz IV, heute gebe es eine ähnliche Aufgabe. Es sei die Aufgabe der Linken „über Wut“ zu sprechen, „weil die Menschen wütend sind“. Davon profitiere auch die AfD, die an der 30-Prozent-Marke kratze. Die Politik der Bundesregierung sei das „Aufbauprogramm für diese Faschisten“. Aber es gebe eine Alternative, wenn sich Die Linke als Anlaufstelle für den Protest etabliere. „Ich bin Sozialist“, sagt er auch noch. „Ich will ein Wirtschaftssystem, dass uns Menschen dient und nicht den Konzernen“, dafür brauche man die Arbeiterinnen und Arbeiter. Dazu müsse man nun an den Werkstoren fortsetzen, was man an den Haustüren gelernt habe. Und auch zur Gretchenfrage kommt er kurz: „Wir sagen Nein zum Krieg“ und er stellt auch die wichtige Frage, wer für die Hochrüstung bezahlen muss.
Zum Abschluss gibt es Lob für Ines Schwerdtner und Jan van Aken, die die Partei auf Kurs gebracht haben. Er wolle ein neues Element einbringen: „Ich will die Werkstore für Die Linke weit öffnen.“ Dann klingelt das Glöckchen, und zwar mehrmals. Aber Pantisano braucht noch ein bisschen. Schließlich wird er von der Tagesleitung abgewürgt. Insgesamt ein Auftritt ohne größere Fettnäpfchen und mit sozialdemokratischer Aura. Vielleicht doch ein würdiger Nachfolger für Jan van Aken?