
Ines Schwerdtner beginnt ihre Rede mit einem Zitat aus dem letzten Text von Rosa Luxemburg: „Ich war, ich bin, ich werde sein“. Luxemburg habe diese Worte als Wette geschrieben, auf Menschen, die sie noch nicht kannte, auf Menschen in der Zukunft: „Wir sind diese Menschen, Genossinnen und Genossen“, ruft sie den Delegierten zu. Interessant, schließlich findet sich die Revolution, die war, ist und sein wird, doch nicht so wirklich in den Anträgen des Parteivorstands wieder.
Dann geht es schnell zur Bedrohung Nummer 1, die AfD, dann zur Armut und zum Menschenbild der Herrschenden. Als diese das Geld für die Militarisierung brauchten, war es auf einmal da. Die Entscheidung, die Menschen in Armut zu halten, träfen Merz und Klingbeil jeden Tag erneut. Das, so Schwerdtner, sei Klassenkampf von oben. „Die Linke“ setze dagegen Klassenkampf von unten.
Wer Merz vor einem Jahr mit ins Amt gehievt hat, erwähnt Schwerdtner nicht.
Sie spricht dafür an, dass sie einmal von einem Parteibeschluss abgewichen sei, als sie den Völkermord in Gaza einen Genozid nannte. Dass es zu dieser Frage unterschiedliche Ansichten in der Partei gebe, müsse doch auszuhalten sein, findet Schwerdtner und beschwört die Rolle der Linkspartei auch gegen die Repressionen gegen die Palästinasolidarität. Zu den Angriffen auf die Linksjugend, die auch aus der eigenen Partei befeuert wurden, schweigt sie bei der Gelegenheit.
Schwerdtner findet, man müsse sich nicht so dolle darüber streiten, wie man das Grauen in Palästina nennt, denn davon bekomme auch kein Kind in Gaza was zu Essen. Sie warnt vor Spaltung, die nur dem Gegner nütze und der stehe „rechts vor der Halle“. Damit ist sie wieder bei der AfD angekommen.
Nach den anstehenden Landtagswahlen im Osten könnten schwierige Situationen entstehen, so Schwerdtner. „Wenn das Wasser steigt, dann muss man manchmal Sandsäcke stapeln“, diese dürfe man aber nicht mit einem Fundament verwechseln. Es gehe nun erstmal darum Zeit zu gewinnen, in der „die Faschisten nicht an der Macht sind“. Um diese kryptischen Ausführungen mal zu übersetzen: Vielleicht muss „Die Linke“ auch eine CDU-Regierung stützen, um eine AfD-Regierung zu verhindern. Das hatte Schwerdtner schon zuvor angedeutet. Der Saal ist still, während sie ihre Sandsack-Theorie ausbreitet, nur vereinzelt klatschen Delegierte. Das ist ein deutlicher Unterschied zu den anderen Passagen der Rede, die zum Teil stürmischen Applaus erhalten haben. Es ist nicht ausgemacht, dass der Parteitag mitzieht und auf den CDU-Sandsack-Kurs einschwenkt.
Zum Schluss bleibt noch Zeit für das Parteitagsmotto: „Es reicht!“, ruft die Vorsitzende der begeisterten Menge entgegen. Die tanzt zur eingespielten Musik, schwenkt Schilder. Endlich mal Stimmung.