116 Beschäftigte kandidieren auf der Liste der IG Metall für die Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide. Das scheint die Chefetage nervös zu machen. Laut IG Metall inszenierte sie deshalb einen Eklat: „Ein IG-Metall-Sekretär wird der Polizei übergeben, sein PC beschlagnahmt. Er soll beim Betriebsrat aufgezeichnet haben“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft. Sie nennt es eine Schmutzkampagne – und verklagt Tesla.
Der Konzern wirft dem IG-Metall-Sekretär vor, heimlich eine Betriebsratssitzung aufgezeichnet zu haben, und stellte Strafanzeige. Der Kollege wurde vom Werkschutz aus der Betriebsratssitzung heraus in einen Raum geführt und dort dann der Polizei übergeben. Tesla-Werksleiter André Thierig spricht von einer „Straftat“. Er ist für gewerkschaftsfeindliche Äußerungen bekannt, warnte die Beschäftigten davor, bei der anstehenden Betriebsratswahl die Liste „IG Metall – Tesla Workers GFBB“ zu wählen, die Thierigs Vorwürfe gegen den IG-Metall-Sekretär als „ebenso dreiste wie kalkulierte Lüge“ bezeichnet.
Dass die Werksleitung kurz vor der Betriebsratswahl offenbar einen Skandal produzieren will, liegt daran, dass die IG-Metall-Liste gute Chancen hat, eine eigene Mehrheit zu erzielen. Sie stellt bisher zwar die meisten Mitglieder im Betriebsrat, die Mehrheit ist jedoch Management-hörig.
Der IG-Metall-Sekretär hatte noch vor Ort angeboten, die Vorwürfe zu entkräften. Doch dazu wurde ihm nach Angaben seiner Gewerkschaft keine Gelegenheit gegeben. Sein Laptop wurde von der Polizei beschlagnahmt – und soll nun ausgewertet werden. Die IG Metall hat angekündigt, ebenfalls Strafanzeige stellen zu wollen. Ob die Beweissicherung bis zur Betriebsratswahl, die vom 2. bis 4. März stattfindet, beendet sein wird und damit die Anschuldigungen entkräftet werden, ist fraglich.
„Mit beispielloser Aggressivität attackiert das Tesla-Management Mitbestimmung und Gewerkschaften in der Gigafactory“, kritisiert Jan Otto, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Damit darf der Konzern nicht durchkommen.“
Die Liste „IG Metall – Tesla Workers GFBB“ tritt gegen zehn konkurrierende Listen an. Die IG Metall schreibt dazu: „Anders als früher trauen sich immer mehr Beschäftigte, sich zur IG Metall zu bekennen – etwa indem sie T-Shirts der IG Metall in der Werkshalle tragen.“
Laura Arndt, die auf der Liste „IG Metall – Tesla Workers GFBB“ kandidiert, will sich von der „Schmutzkampagne der Geschäftsführung“ nicht ablenken lassen und fordert eine inhaltliche Auseinandersetzung: „Es muss sich etwas ändern in der Gigafactory. Dafür treten wir an. Auch bei Tesla müssen Arbeitsbedingungen möglich sein, mit denen die Kolleginnen und Kollegen gesund das Rentenalter erreichen können. Wir stehen für eine Entlastung vom übermäßigen Arbeitsdruck durch zusätzliche Pausen und zusätzliches Personal, für Weihnachtsgeld, mehr frei planbaren Urlaub, einen Spätschichtzuschlag und noch einiges mehr.“
Und auch Philipp Schwartz, Betriebsratsmitglied und Kandidat der IG-Metall-Liste, fordert Veränderung. Neben besserer Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen gehe es bei Tesla vor allem um mehr Respekt für die Beschäftigten. „Sie wollen nicht länger der Willkür der Tesla-Führungskultur ausgeliefert sein. Besonders bekommen diejenigen diese Willkür zu spüren, die krank werden, ganz egal, ob es von der Arbeit kommt oder nicht. Dieser Druck muss aufhören, und das sehen die Kolleginnen und Kollegen genauso.“








