Ein schneller „Enthauptungsschlag“ im Iran ist gescheitert

Trumps Kalkül ging nicht auf

Kolumne

Vor den Zwischenwahlen 2026 verkauft Trump das Kidnapping Maduros und die Belagerung Kubas als spektakuläre Erfolge. Ein weiteres in den USA seit Jahrzehnten aufgebautes Feindbild ist das Regime des Iran. Die Aggression gegen den Iran sollte Trumps chauvinistische „Erfolgsserie“ fortschreiben. Alle „Feinde“, die er jagt, sind Exponenten von Ländern, die – trotz Sanktionen – ihre Souveränität gegen neokoloniale Ausbeutung und Bevormundung verteidigen. Marco Rubio hatte bereits auf der Münchner Sicherheitskonferenz unter dem Beifall der „Europäer“ die reaktionäre Utopie einer Rekolonialisierung des Globalen Südens verkündet.

Trump hat schlechte Umfragewerte. Teile der MAGA-Bewegung bröckeln weg. Chauvinismus soll Fehlschläge der Zollpolitik, Proteste gegen ICE und die Epstein-Akten an den Rand drängen. Der Angriff auf den Iran kann allerdings nach hinten losgehen. Als Ziel werden abwechselnd die Verhinderung iranischer Atomwaffen, ein Regimewechsel und die Kontrolle des Ölhandels genannt. Experten zufolge geht es aktuell um Regime-Change. Die Atomverhandlungen waren vorgetäuscht. Geplant war ein Blitzkrieg: zuerst drei Tage lang, dann vier Wochen, mittlerweile ist von „bis zu 100 Tagen“ die Rede. Die Mehrheit der US-Bürger ist gegen den Krieg.

Das US-Kalkül, ein schneller „Enthauptungsschlag“ führe zum Kollaps des Regimes in Teheran, ist gescheitert. Der Iran reagierte ohne Zögern mit Raketen auf Israel und auf US-Einrichtungen in den Golfstaaten. Er sperrte die Straße von Hormus. Einen langen Krieg, womöglich mit Bodentruppen, können sich die USA aus zwei Gründen nicht leisten: Erstens reichen dafür die Waffenvorräte nicht, zweitens, sind die weltwirtschaftlichen Folgen einer längeren Sperrung der Straße von Hormus nahezu unkontrollierbar. Der Iran wiederum hat sich darauf vorbereitet, lange durchzuhalten, um die Kosten für die USA und Israel mit einem Abnutzungskrieg so hochzutreiben, dass sie künftige Angriffe auf den Iran unterlassen.

Beate Landefeld
Beate Landefeld

Seit Beginn des US-israelischen Angriffs thematisieren die großen US-Zeitungen den Mangel an Luftabwehrraketen und Munition. Trump und Hegseth bluffen mit „unbegrenzten“ Waffenvorräten, während Trump zugleich die Rüstungsindustriellen zu Produktionssteigerungen drängt. Laut CBS fordern die Golfstaaten mehr Abfangraketen. Die Bestände seien „gefährlich niedrig“ (5. März). Die Ukraine klagt über chronischen Mangel an Luftabwehrraketen, der sich weiter verschärft. Schon vor dem neuen Krieg waren die USA mit 900 Stützpunkten überdehnt.

Je länger der Krieg dauert, desto übler auch die ökonomischen Folgen. Zuerst für die Golfstaaten: 20 Prozent des Weltölhandels gehen durch die Straße von Hormus. Die produzierten Mengen an Öl, Gas, Dünger et cetera fließen nicht mehr ab und Konsumgüter kommen nicht mehr in die Golfstaaten hinein. Sind die Öl-Lagerstätten voll, muss die Förderung aussetzen. Die Wiederinbetriebnahme kann Monate dauern. Nach Kriegsbeginn begann ein steiler weltweiter Anstieg der Öl- und Gaspreise. Produktion und Lebenshaltungskosten werden teurer. Bei langer Dauer drohen Rationierungen sowie Pleiten von Firmen, Versicherungen, Fonds und Banken. Manche Analysten fürchten eine Krise, schlimmer als die Ölkrise 1973.

Wieder einmal gehen Krieg, Krisen, Willkür und Destabilisierung von der absteigenden Hegemonialmacht des Westens aus, den USA, diesmal im Bündnis mit ihrem Juniorpartner, dem israelischen Apartheidstaat. Auf X beschönigte Bundeskanzler Merz Trumps Angriff am 3. März als Kampf „für Sicherheit und Gerechtigkeit im Nahen Osten“. Die VR China und Russland dagegen treten der Aggression entgegen und helfen dem Iran, sich selbst zu verteidigen. Indem sie ihre eigene Resilienz und die der BRICS-Verbündeten stärken, tragen sie am effektivsten dazu bei, dem Wüten des absteigenden Hegemonen Grenzen zu setzen.

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"Trumps Kalkül ging nicht auf", UZ vom 13. März 2026



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