Ende Januar verkündete Andrea Nahles, die Vorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, das abermalige Überschreiten der Drei-Millionen-Grenze bei der Zahl der arbeitslosen Lohnabhängigen in diesem Lande. Die Arbeitslosenquote stieg auf 6,6 Prozent. Nahles nannte das „keine dramatische Entwicklung“ und schob es auf das Winterwetter. Aber sie selbst äußerte die Erwartung, dass diese Grenze die nächsten Monate nicht mehr unterschritten werde.
Zwei Gründe deuten darauf hin, dass aus diesen Monaten Jahre werden dürften. Zum einen haben alle recht, die im Zusammenhang mit den geliehenen Aufrüstungsmilliarden darauf hingewiesen hatten, dass der damit erhoffte „Rüstungskeynesianismus“ nicht funktionieren wird. Dieses Geld fließt – wenn es nicht eh in die USA überwiesen wird – vor allem zu Rheinmetall und anderen Rüstungsschmieden. Die produzieren damit mit hohem Kapitaleinsatz, aber mit nur wenigen hochqualifizierten Arbeitskräften Mordwerkzeuge. Anders als zu Zeiten ähnlicher Aufrüstungswellen vor den letzten beiden Weltkriegen saugt das keine Millionenheere in die Bergwerke und Fabriken. Was im günstigsten Fall – der ungünstige ist der Krieg – davon bleibt, sind Schuldenberge.
Zum zweiten hat das zurückliegende Jahr weltweit die Globalisierung der Wirtschaft nicht etwa gestoppt, sondern vertieft – aber an den USA und der EU vorbei. Wenn man das Niveau der Warenausfuhr in der gesamten Welt für den Januar 1991 zu 100 setzt, beträgt dieser Wert jetzt inflationsbereinigt 500. Bis ungefähr zur Hälfte dieser gut dreißigjährigen Strecke liefen die entsprechenden Kurven für die Welt und den Euro-Raum parallel. Seit über zehn Jahren aber haben sie sich entkoppelt – für den Euro-Raum liegt dieser Wert jetzt bei deutlich unter 300. Gleichzeitig gibt es in Asien eine Fülle von Verhandlungen von Freihandelsabkommen ohne die USA und die EU. Sind sie in Kraft, gibt es Aufträge zuhauf – aber nicht für deutsche Unternehmen. Deren Jobmaschine Exportindustrie, die gegenwärtig schon Monat für Monat 10.000 Menschen weniger auf dem Lohnzettel hat, stirbt einen langsamen und stetigen Tod.
Von den drei Millionen wird es nicht wieder auf die zwei gehen, sondern schon in wenigen Jahren auf die vier.


