Rede von Arnulf Rating auf dem Berliner Ostermarsch

Was sollen wir verteidigen?

Arnulf Rating

Der Kabarettist Arnulf Rating sprach auf dem Ostermarsch in Berlin über die laufenden Kriegsvorbereitungen, Meinungsfreiheit und die Gefahren der „Epstein-Bande“. Wir dokumentieren die Rede an dieser Stelle in gekürzter Fassung.

Liebe Demonstrantinnen und Demonstranten!

Wir müssen uns entschuldigen: Die Kundgebung hat etwas später angefangen, weil die Polizei noch die Teilnehmer nach Symbolen von kriminellen Organisationen durchsuchen musste. Aber sie hat bei uns keine Hinweise auf die kriminelle Organisation „NATO“ gefunden!

Ich möchte mich bedanken, weil wir hier so viele sind. Die Presse fragte vorhin, warum hier so wenig Leute seien. Die Antwort lautet: Wenn alle danach gingen, was in euren Zeitungen steht, wären wir noch weniger! (…)

Früher habe ich Kabarett gemacht – aber viele gehen heute nicht mehr ins Kabarett: Sie lachen direkt über Trump. Das ist nicht ungefährlich. Jeffrey Sachs, einer der aufgeweckten US-Bürger, hat kürzlich gesagt: „Wir sind in der Hand von Gangstern, die jede Orientierung verloren haben.“ Das ist die tatsächliche Gefahr! Wir sind in der Hand der Epstein-Bande.

Und unsere Regierung hat Schwierigkeiten, sich davon loszusagen. Herr Merz, der auch in diesem April noch nicht vorbei ist, kann nicht sagen, was in Venezuela völkerrechtswidrig passiert ist. Die Situation ist ihm „zu komplex“. Und auch im Falle Iran muss er noch überlegen.

Friedrich Merz hat 500 Milliarden Schulden aufgenommen, um uns „kriegstauglich“ zu machen. 500 Milliarden – da war er noch gar nicht Kanzler und hat noch keinen Eid geschworen. Wir kennen die Eidesformel: „Ich schwöre, am deutschen Volk zu verdienen, so bar mir Geld helfe!“

Und jetzt sagt uns der Herr Klingbeil, ein Spezialdemokrat, der größte Wahlverlierer aller Zeiten, der seine Partei gerade an die 5-Prozent-Hürde herangeführt hat, er sagt uns, wir sollen mehr arbeiten. Das hat uns der Herr Merz vor einigen Monaten auch gesagt. Er sprach von „Lifestyle-Teilzeit“. Wir sind faul.

Und jetzt können wir das Loch in den kranken Kassen nicht stopfen. Die kranken Kassen haben ein Defizit von über 10 Milliarden! Das aber wäre schon mal um die Hälfte geringer, wenn Jens Spahn dazu verpflichtet würde, die 5,9 Milliarden zurückzuzahlen, die er für sinnlose Masken ausgegeben hat, die er durch seine Kumpels besorgen ließ.
Er wurde freigesprochen.

Was sollen wir verteidigen? Diese Justiz?

Da kam die Idee auf, die Zahnbehandlung als Kassenleistung zu streichen. Wir sind bis an die Zähne bewaffnet, aber haben kein Geld mehr für die Zähne. Ja: Wer faul ist, kann auch faule Zähne haben! Da haben Sie halt Lifestyle-Teilzeit-Lücken in Ihrem Gebiss. Und auch da kann noch gespart werden: Wieso braucht ein älteres Rentnerpaar zwei Gebisse, wenn die Rente so ist, dass sie eh nichts zu beißen haben? Und auch hier ist noch Luft nach oben! Bildet Altersgruppen: ein Gebiss – und zehn Adapter!

Was sollen wir verteidigen: dieses Gesundheitssystem?

Und nun zum Fall des sanktionierten Journalisten Hüseyin Doğru. Ein wirklicher Skandal. Durch die zeitweilige Sperrung der Konten seiner Frau ist das wie Sippenhaft. Das ist tiefstes Mittelalter. Nur wegen einer Meinungsäußerung, die der Regierung nicht passt. Ohne Gerichtsprozess. Ohne Anhörung wird das verfügt. Von der EU, in der das Recht auf freie Meinungsäußerung festgeschrieben ist wie in unserem Grundgesetz.

Herr und Frau Doğru haben die Verantwortung für drei kleine Kinder. Und was sagt der Kinderschutzbund? Nichts. Auch die Journalistenverbände beziehen keine Stellung!

Was sollen wir hier verteidigen? Dieses System?

Wir verteidigen die Meinungsfreiheit!

Dieser Wahnsinn der EU hat ja Methode. Der einstige EU-Kommissar Jean-Claude Juncker hat das schon 1999 erklärt. Er hat gesagt: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Was die EU mit Hüseyin Doğru und seiner Familie macht, das ist nur die Spitze des Eisbergs. Das hat Methode. Im Kriegsfalle wird es nur krasser.

Was heißt das? Wir müssen also Geschrei machen, wir müssen Aufstände machen, sonst ändert sich das nicht!

Und um es einmal anschaulich zu machen, wo die Grenzen der hochtechnisierten Hochrüstung liegen – da brauchen wir nur auf den Fall des größten Flugzeugträgers der Welt zu schauen. Die USA mussten dieses Hightechteil, die USS „Gerald Ford“, jetzt aus dem Persischen Golf zurückziehen. Ein Schiff, das 13,8 Milliarden Dollar gekostet hat und mit zwei Atomreaktoren und präzisen Lenkwaffen ausgestattet ist. Warum? Weil die Klos an Bord verstopft sind! Offensichtlich machen die GIs so viel Scheiß, dass das Schiff den Rückzug antreten musste. Der menschliche Faktor kann diese Hochrüstung zu Fall bringen!

Und wenn jetzt Soldaten in unsere Schulen kommen, um bei den Schülern für den Krieg zu werben, dann bitte aber auch Kriegsverwundete in die Schulen bringen! Wir haben hier in Berlin in den Krankenhäusern Hunderte verstümmelter ukrainischer Soldaten, die können den Schülern erklären, was Krieg wirklich ist.

Wir müssen aufhören zu gehorchen! Wir müssen Widerstand leisten!

Nie wieder Krieg!

[author_box]

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Kritischer Journalismus braucht allerdings Unterstützung, um dauerhaft existieren zu können. Daher freuen wir uns, wenn Sie sich für ein Abonnement der UZ (als gedruckte Wochenzeitung und/oder in digitaler Vollversion) entscheiden. Sie können die UZ vorher 6 Wochen lang kostenlos und unverbindlich testen.

✘ Leserbrief schreiben

An die UZ-Redaktion (leserbriefe (at) unsere-zeit.de)

"Was sollen wir verteidigen?", UZ vom 10. April 2026



    Bitte beweise, dass du kein Spambot bist und wähle das Symbol Auto.



    Spenden für DKP
    Unsere Zeit